Kein WM-Rudelgucken in Castrop-Rauxel „Täglich fragen zehn bis zwanzig Leute danach“

Redakteurin
Friedhelm Mowka kocht im Open Air Zelt. Er wird täglich gefragt, wann denn die WM übertragen wird.
Friedhelm Mowka kocht im Open Air Zelt. Er wird täglich gefragt, wann denn die WM übertragen wird. © Lydia Heuser
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Es ist Mittwoch, früher Nachmittag. 14 Uhr. In der Marktschänke in der Castroper Altstadt ist Anpfiff. Das erste Spiel der Nationalelf. Deutschland gegen Japan. Ein paar Leute sitzen am Tresen, vor sich ein Bier, ein Krefelder oder ein Radler. Die Zigaretten-Schachtel liegt griffbereit.

„Bei uns läuft im Hintergrund immer der Fernseher“, sagt Wirt Karl-Heinz van Loon. „Für uns ist das selbstverständlich, dass wir die WM zeigen.“ Die Marktschänke ist wohl einer der wenigen Orte im Umkreis, wo man die Partien sehen kann. Eigentlich sollte jetzt auch auf einer großen Leinwand auf dem Castroper Weihnachtsmarkt die WM gezeigt werden.

In der Marktschänke schaut eine Handvoll Leute die Partie Deutschland gegen Japan.
In der Marktschänke schaut eine Handvoll Leute die Partie Deutschland gegen Japan. © Lydia Heuser

Aber nichts passiert hier. Keine Leinwand. Keine Zuschauer. Friedhelm Mowka, der im Open Air Zelt kocht, nennt die vermeintlichen Gründe: „Die Grünen haben Proteste angekündigt.“ Mit der Stadt habe man dann entschieden, deeskalierend und präventiv die Public-Viewing-Veranstaltung abzusagen. So seine Informationen.

In einer Pressemitteilung des EUV klingt das anders. Da heißt es: „Entgegen ersten Informationen wird das Public Viewing nicht stattfinden. Nach Rücksprache mit dem Betreiber ist dies aufgrund der dadurch entstehenden Kosten wirtschaftlich nicht darstellbar.“

Drei Erklärungen

Der Grünen-Ratsfraktionsvorsitzende Dr. Bert Wagener schildert die Situation aus seiner Sicht. „Wir hätten keine große Demonstration geplant“, versichert er. Die Brötchenaktion am Samstag sei eine Art des Protests gewesen gegen die WM in Katar. Aber man hätte nicht beim Rudelgucken Randale machen wollen.

Dennoch: In Castrop-Rauxel habe man sich dafür entschieden, kein Public Viewing anzubieten. „Das wäre ein schlechtes Signal“, sagt Wagener.

Drei Seiten, drei unterschiedliche Erklärungen.

Zelt-Wirt Bubi Leuthold bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion die Argumentation, die der EUV mitgeteilt hat. „Mich hätte das 12.000 Euro gekostet.“ Er sagt, es seien „hauptsächlich finanzielle Gründe“, die ihn zu der Entscheidung getrieben hätten. Ja, von der schlechten Außenwirkung habe er auch gehört und den angekündigten Protesten. Aber ausschlaggebend sei der finanzielle Aspekt gewesen.

Ein paar Leute hätten wohl schon gerne im Open Air Zelt das WM-Spiel gesehen, nimmt Koch Friedhelm Mowka an. „Mich fragen täglich zehn bis zwanzig Leute, wann wir denn übertragen.“

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