Was soll der Müll? Tausende Kassenbons sind jetzt auf dem Postweg nach Berlin

Fridays for Future

Freitags zur Demo statt zur Schule: So handhabten es einige Schüler. In Castrop-Rauxel wandelt sich Fridays for Future aber. Mit einer zweiten Initiative machte das Team nun eine neue Aktion.

Castrop-Rauxel

, 16.02.2020, 07:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Kinder des Umweltpunktes und junge Erwachsene von FFF setzen ein Zeichen gegen die neue Bonpflicht.

Kinder des Umweltpunktes und junge Erwachsene von FFF setzen ein Zeichen gegen die neue Bonpflicht. © Marcia Köhler

Einige Schüler aus dem vergangenen Jahr, die „Fridays for Future“ in Castrop-Rauxel vorantrieben, sind jetzt Studenten. Freitags-Demonstrationen gab es schon länger nicht mehr. Wie also geht es weiter mit der Bewegung vor Ort?

„Bei jedem von uns hat sich in letzter Zeit extrem viel verändert“, sagt Lilli Meister, Sprecherin der Castrop-Rauxeler Fridays-for-Future-Bewegung. Die Uni habe angefangen, die Gruppe habe zuletzt nicht mehr so viel auf die Beine stellen können. Das Winterwetter habe sein übriges dazu getan.

Doch die Motivation sei ungebrochen. „Ich habe richtig Bock“, sagt Lilli Meister bei einem Termin am Mittwochabend im Marcel-Callo-Haus. Sie hat mit ihrer Gruppe nun neue Aktionen geplant. „Wir hoffen, dass dadurch der Nachhaltigkeitsgedanke noch mehr hervorkommt und so auch mehr Leute zu den Demos kommen.“

FFF und Umweltpunkt planen gemeinsam Aktionen

Weil es das neue Gesetz gibt mit einer Bonpflicht auch bei kleinsten Verkaufsgegenständen und Beträgen, haben sich die Mitglieder der FFF-Bewegung mit dem Umweltpunkt zusammengetan.

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Der Umweltpunkt ist eine Gruppe für Kinder von den weiterführenden Schulen, die sich mit den Themen Umwelt und Nachhaltigkeit beschäftigt. Geleitet wird die Gruppe von Claudia Wieser aus dem Jugendtreff. Dort treffen sich die Kinder nun jeden Mittwoch von 18 bis 19.30 Uhr. Sie planen verschiedene Aktionen, stellen eigene Seife ohne Chemie her oder stellen eigene Fairtrade-Schokocreme her.

„Die Kinder entscheiden selbst, was sie machen wollen. Eigentlich gebe ich ihnen nur den Raum, das ist total beeindruckend“, sagt die Pädagogin Claudia Wieser. Die Kinder würden so immer schlauer, was Klimawandel, Umweltschutz und Nachhaltigkeit bedeute. Sie wollen Verantwortung übernehmen.

„Die da oben müssen mal aufwachen!“

Gemeinsam mit Lilli Meister und Timo Eismann von FFF haben sie auch eine Kassenbon-Sammelaktion gestartet: Die Kinder bastelten Boxen und fragten in der Castroper Altstadt bei Bäckern, Blumenläden sowie Eisdielen nach übrig geblieben Kassenbons. Diese wollen sie jetzt per Post nach Berlin schicken.

„Alle waren total begeistert. Auch Kunden fanden die Aktion super“, erzählt Lilli Meister. In den vergangenen zwei Wochen waren die Kinder an fünf Tagen mit ihren Boxen in der Innenstadt unterwegs und sammelten jeden Kassenbon ein, den sie bekommen konnten.

„Wir wollen ein Zeichen setzen und zeigen, wie viel unnötiger Müll produziert wird“, erklärt Timo Eismann. „Ob das dazu führt, dass sich was ändert, ist natürlich eine andere Sache. Aber die da oben müssen mal aufwachen!“

Zähltag am Mittwoch

Am Mittwoch zählten sie nun, was zusammen gekommen ist. Eine Riesen-Box voller kleiner Zettel stand im Marcel-Callo-Haus. „Die Kiste wird irgendwie gar nicht leerer“, rief ein Kind durch den Raum.

Tausende Kassenbons kamen in nur zwei Wochen zusammen. Diese werden ausgezählt und an den Bundestag nach Berlin geschickt.

Tausende Kassenbons kamen in nur zwei Wochen zusammen. Diese werden ausgezählt und an den Bundestag nach Berlin geschickt. © Marcia Köhler

Mehr als 13.000 Kassenbos sammelten die Kinder in der kurzen Zeit. Jetzt landen sie in einer großen Box und gehen zusammen mit einem Brief an den Bundestag in Berlin.

Für die Kinder und Jugendlichen war die Aktion ein Erfolg. Mit so vielen Kassenbons hatten sie nicht gerechnet. Das spornte die beiden Gruppen noch mehr an, weitere Aktionen zu starten.

Als nächstes wollen sie eine Kleidertauschparty organisieren. Die Gruppen nehmen am Klimarkt teil und räumen auf bei der Aktion „Platzverweis dem Dreck“ des EUV.

Neue Gesichter sind immer gern gesehen

„Wir freuen uns immer über neue Gesichter und hoffen, noch mehr Leute wollen mitmachen“, sagt Claudia Wieser vom Marcel-Callo-Haus. Der Umweltpunkt und FFF laden alle Kinder, die zu weiterführenden Schulen gehen, dazu ein, zu ihren Treffen am Mittwoch zu kommen.

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