Kravanja appelliert an Bürger: Harte Corona-Regeln ab sofort befolgen

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Die strengen Corona-Regeln gelten ab Montag. Im Interview mahnt Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja, sich nun schon daran zu halten. Und kündigt an, Kontrollen zu verschärfen.

Castrop-Rauxel

, 30.10.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Appell des Bürgermeisters an die Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler ist eindringlich und eindeutig: „Man muss jetzt nicht bis Montag warten, am Wochenende noch mal die letzte Fete feiern, nein, bitte jetzt aufhören!“, bittet Rajko Kravanja.

Seine Forderung steht vor dem Hintergrund, dass die neuen Corona-Regeln, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten angekündigt haben, erst am Montag (2.11.) offiziell in Kraft treten. In der Praxis sieht Kravanja das anders: „Es gilt ab sofort“, erklärt er, „auch wenn es vielleicht noch nicht rechtlich in Verordnungen gegossen ist.“ Denn: „Das Infektionsgeschehen ist jetzt da, und es wartet auch nicht bis Montag.“

Vorziehen möchte Kravanja die neuen Regeln in Castrop-Rauxel nicht, beispielsweise nicht ab sofort die städtischen Sporthallen sperren. „Rein theoretisch“ könne er das vielleicht, er wolle aber keinen Flickenteppich.

Kravanja: Harte Regeln sind „wichtiger Schritt“

Die harten Regeln selbst sieht Kravanja als „richtigen Schritt“. Der Maßstab sei: „Man will so viel wie möglich Kontakte reduzieren und dabei so wenig wie möglich die soziale Infrastruktur angreifen. Wenn man diesen Maßstab anlegt, muss man sagen, all das, was nicht hundertprozentig notwendig ist, das reduzieren wir.“ So sei auch es auch zu erklären, dass zwar der Freizeitsport auch für Kinder und Jugendliche eingestellt wird, obwohl Kinder in der Schule noch Kontakt zu einander haben.

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Wie umfangreich die Beschränkungen bis in die letzte Einzelheit aussehen, könne man noch nicht sagen. Zum Beispiel sei noch unklar, ob Spielplätze offen bleiben: „Wir gehen erst mal davon aus, dass sie nicht geschlossen werden“, sagt er. Das hänge aber von den Beschlüssen des Landes ab.

Kravanja begründete auch, warum er zuletzt hauptsächlich private Feiern für das Infektionsgeschehen verantwortlich gewesen hatte, sich dies nun aber augenscheinlich geändert habe. Bis zur vergangenen Woche habe dies für den Kreis Recklinghausen noch gegolten, sagte er.

„Alte Erkenntnisse sind nicht falsch“

Nun könne man aber auch hier nicht mehr nachvollziehen, wo die zunehmenden Corona-Infektionen ihren Ursprung nehmen. Deswegen sei es nötig, auch solche Veranstaltungen einzuschränken, die bis dato nicht als Infektionsherd gegolten haben.

Kravanja betonte, das mache die alten Erkenntnisse aber nicht falsch: „Es sind eben auch die Feten im privaten Raum und die Veranstaltungen, wo Menschen zusammenkommen, die das Infektionsgeschehen übertragen und auslösen.“

Der Bürgermeister räumte ein, sich selbst gefragt zu haben, ob er und die Stadtverwaltung zu lasch agiert hätten, ob man schärfer hätte vorgehen müssen. Auf diese Frage habe Bundeskanzlerin Merkel sehr gut geantwortet: „Hätte man die gleichen Maßnahmen vor vier Wochen ergriffen, hätte es wahrscheinlich einen Sturm der Entrüstung gegeben.“

Hartes Durchgreifen

Für die kommenden Wochen kündigte Kravanja mehrere Maßnahmen an. Die Stadt verstärke ihren Kommunalen Ordnungsdienst (KOD). „Was nützen Regeln, wenn sie nicht kontrolliert werden? Das ist unser Anspruch in den nächsten vier Wochen, das dann auch durchzusetzen!“, sagte er und kündigte hartes Durchgreifen an.

Dass die Akzeptanz in der Bevölkerung auch für private Zurückhaltung da ist, könne man nur hoffen. Auf die Frage, ob er zuversichtlich sei, dass es diese Akzeptanz gebe, sagte Kravanja: „Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, wer jetzt den Schuss noch nicht gehört hat, dem ist in der Tat nicht mehr zu helfen.“ Aber er setze darauf, „dass die Castrop-Rauxelerinnen und Castrop-Rauxeler wieder mit Weisheit reagieren, wie sie das schon in der ersten Welle getan haben“.

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