Schärfere Corona-Maßnahmen drohen ab Freitag im Kreis Recklinghausen

hzInterview

Im Kreis Recklinghausen steigen die Corona-Zahlen. Die Städte beraten über neue Einschränkungen. Möglicherweise dürfen bald wieder weniger Besucher auf Sportplätze und zu Veranstaltungen.

Castrop-Rauxel

, 09.10.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahlen und Fakten sprechen eine klare Sprache. Wie der Kreis Recklinghausen am Donnerstag mitgeteilt hat, liegt die Zahl der Neu-Infektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen erstmals bei mehr als 35, genauer: bei 39,8.

Im Interview mit unserer Redaktion sagte Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja, dies zeige die „Dramatik“ der Situation. Die Zahl der aktiv Infizierten sei zwar in Castrop-Rauxel im Mai teilweise höher gewesen, damals habe man aber ein „sehr zentriertes Geschehen gehabt“.

Das sei diesmal anders. Einen sogenannten Hotspot gebe es nicht, die Infizierten verteilten sich sehr breit. Für die Verbreitung des Virus seien am ehesten Partys verantwortlich, „manchmal auch die kleineren Partys zu Hause. 20 Mann im Keller und man liegt sich am Ende des Abends im Arm.“

Beratungen über Maßnahmen am Donnerstag

Schon am Donnerstag hat Kravanja gemeinsam mit den Stadtoberhäuptern der anderen Kreisstädte über Maßnahmen beraten, um die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern. Beschlossen wurde am Donnerstag noch nichts, aber am Freitag (9.10.) sollen Beschlüsse getroffen werden, wie Kravanja im Interview mit unserer Redaktion erklärte.

Zu den „Ideen“, die die Bürgermeister diskutiert hätten, gehöre etwa, die Maskenpflicht an den Schulen wieder zu aktivieren, die erlaubte Personenzahl auf Sportplätzen zu verringern und generell für Veranstaltungen im öffentlichen Raum die Zahl der erlaubten Besucher zu reduzieren, sagte Kravanja in dem Gespräch.

Der Castrop-Rauxeler Bürgermeister wollte aber nicht ausschließen, dass es auch zu weiteren Maßnahmen kommen könne. So habe man beispielsweise Veränderungen in Kitas „noch nicht andiskutiert“, er wolle aber „nicht ausschließen“, dass es doch zu welchen kommt.

Nein zu genereller Absage von Veranstaltungen

Von einer grundsätzlichen Absage von Sportevents oder öffentlichen Veranstaltungen halte er nichts, sagte Kravanja. Wörtlich erklärte er: „‘Wir machen gar nix‘ würde ich nicht sehen, aber auch nicht: ‚Es wird schon alles gut gehen, wir machen mal ganz viel.‘“ Stattdessen brauche man einen „Mittelweg je nach Infektionslage“. Das verlange viel Flexibilität.

Wie viele Veranstaltungen man stattfinden lasse, sei zum Teil eine wirtschaftliche, zum Teil eine gesellschaftliche Frage: „Was will ich an normalem Leben zurückholen und was ist unverantwortlich?“ sei die Frage, die man sich stellen müsse.

Und je nachdem, wie man sie beantworte, müsse sich auch die Stadt Castrop-Rauxel finanziell engagieren. Als konkretes Beispiel nannte Kravanja in dem Interview den Weihnachtsmarkt: Wenn man gesellschaftliches Leben in der Weihnachtszeit ermöglichen wolle, müsse die Stadt eventuell Geld in die Hand nehmen, „weil es sich rein wirtschaftlich für die Menschen, die das bisher betrieben haben, nicht darstellen lässt“. Kravanja ergänzte: „Das werden die Entscheidungen sein, die in den nächsten Wochen getroffen werden müssen.“

Bei bewusstem Regelverstoß „ist ein Bußgeld fällig“

Unabhängig von den Maßnahmen, die verkündet werden sollen, berichtete Kravanja von verschärften Kontrollen des Castrop-Rauxeler Ordnungsamtes in den vergangenen Tagen. Bußgelder sollten nicht verhängt werden, wenn jemand bloß unachtsam gewesen sei, die Verhältnismäßigkeit bleibe gewahrt. Aber: „Wenn wir merken, da ist bewusst und organisatorisch gegen die Regeln verstoßen worden, dann muss ein Bußgeld fällig sein, na klar.“

Lesen Sie jetzt