Triste Stimmung in der Castrop-Rauxeler Altstadt: Es ist leer, und wenn wir Passanten auf den Brücklockdown ansprechen wollen, laufen viele weg oder reagieren genervt. © Leon Elspaß
Coronavirus

Laschets Plan vom „Brückenlockdown“: Castrop-Rauxeler sind genervt

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat einen sogenannten „Brückenlockdown“ ins Spiel gebracht. Die Castrop-Rauxeler reagieren gereizt – es herrscht viel Verdruss. Das zeigt sich einer Umfrage.

Der erste Passant winkt genervt ab, die erste Passantin folgt kurz darauf – dann setzt es die energische Replik: „Gehen Sie mir weg mit dem!“ Wer sich derzeit nach NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, dessen Corona-Politik und seinem neuesten, am Ostermontag präsentierten Vorstoß umhört, registriert vor allem eines: viel Verdruss.

„Mir steht das alles bis hier oben“, antwortet eine Frau in der Castrop-Rauxeler Altstadt, fuchtelt mit der flachen Hand über ihrem Kopf herum und geht dann ihres Weges. Zu diesem Zeitpunkt ist sie mit der von Laschet eingeführten Vokabel „Brückenlockdown“ von uns noch nicht einmal konfrontiert worden. Anfang dieser Woche hatte der CDU-Vorsitzende jene Wortneuschöpfung erstmals präsentiert.

Nach seinem Besuch des Impfzentrums in Aachen sprach Laschet von einer Ausnahmesituation, in der zügiges Handeln erforderlich sei. Unter anderem, weil die Zahl der Corona-Intensivpatienten steige. Diese hatte sich am Ostermontag auf mehr als 4100 erhöht. „Geschieht nichts, werden die Zahlen weiter erheblich zunehmen“, warnte Laschet.

Ein „Brückenlockdown“ sei darum erforderlich, also ein kurzer, harter Lockdown im April. Dass seine Ausführungen darüber hinaus eher dünn gerieten, er nicht erklären konnte oder wollte, mit welchen konkreten Maßnahmen und für welche Dauer er diesen „Brückenlockdown“ ansetzen wolle, geriet er hernach in die Kritik. In der Spitzenpolitik wie auch in Castrop-Rauxel.

Die Brücke von Laschet muss „sehr, sehr lang werden“

Letztlich blieb bei uns immerhin Angelique Drevs mit ihrer Einkaufstüte stehen. Einerseits betonte sie, „dass es die Politiker gerade sehr schwer haben, es allen recht zu machen“. Andererseits wünschte sie sich „klare, durchdachte Konzepte, wie wir es jetzt machen“. Ohne eine definitive Zielvorgabe nämlich mache jeder, was er will. „Und das kann ganz sicher nicht die Lösung sein.“

Erich Zielke bezeichnete Laschets Vorstoß als „völligen Quatsch“. Vor zwei Wochen sei der CDU-Politiker noch gegen exakt jene Maßnahmen gewesen, „die er jetzt angedeutet hat“. Dieses Verhalten, dieses andauernde Hin und Her, führe dazu, „dass die Leute verunsichert werden. Sie sehen ja, wie die Querdenker-Szene immer mehr zunimmt.“

Von daher könne er „die ganze Sache nicht ernst nehmen. Zumal die Brücke, die er bauen will, sehr, sehr groß werden müsste. Und man keine Brücke bauen kann, ohne das Ende an der anderen Seite zu sehen oder zu erkennen“, so Zielke, der sich mit Laschets Führungsstil nicht einverstanden zeigt, sehr wohl aber der Meinung ist, dass strengere Maßnahmen vonnöten seien.

In Portugal habe der harte Lockdown „prima geklappt, das Problem ist nur, dass es bei uns schwierig durchzuführen wird, weil die Bevölkerung nicht mehr mitgeht“, glaubt Zielke. Eine Befürchtung, die Uwe Tietz teilt. Er, für die Grünen im Dortmunder Stadtrat und an diesem Tag ebenfalls in der Castrop-Rauxeler Altstadt unterwegs, stellt fest: „Die Menschen versammeln sich immer mehr, die Bevölkerung ist gespalten.“

Corona-Müdigkeit scheint zuzunehmen

Es gebe zwei gegenläufige Strömungen: Die eine Seite akzeptiere und verstehe das (harte) Durchgreifen der Regierung, die andere wolle zurück in die Freiheit. Und da selbst das Tübinger Öffnungsmodell mit reichlich Schnelltests nicht als vollumfänglicher Erfolg gewertet werden könne, da die Inzidenz dort ebenfalls steige, brauche es nun dringend „positive Ergebnisse“.

Die Stimmung in der Bevölkerung nämlich, sie schwindet. Immer öfter ist von Corona-Müdigkeit zu hören. In diese Moll-Zeit platzt eine Wortmeldung von Bundes-Gesundheitsminister Jens Spahn, der vollständig Geimpften mehr Freiheiten in Aussicht stellt. Für Zielke unvermeidbar. „Man kann Leute, die geimpft sind“, sagt er, „nicht auf die gleiche Stufe stellen mit Leuten, die es noch nicht sind.“

Angelique Drevs stimmt zu und bemerkt: „Wenn die Leute nach und nach Grundrechte zurückbekommen, dann ist das kein Privileg.“ Die Neid-Debatte befeuert an diesem Tag niemand. Wobei: Die meisten Gespräche führen auch erst gar nicht so weit. Fällt der Name Armin Laschet, laufen viele schlicht davon.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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