Lehrer steigt einfach nicht vom Rad

Peter Ambos geht in die nächste Instanz

24.05.2007 / Lesedauer: 3 min

Und ihre Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Obwohl es eigentlich nur um eine nicht bezahlte Ordnungsstrafe von 50 Euro ging. Doch diese Summe will Peter Ambos nicht zahlen. Der pensionierte Lehrer wurde von der Stadt zur Kasse gebeten, weil er den Stadtgarten mit seinem Fahrrad durchfuhr. Und das nicht zum ersten Mal. Deshalb, so erläuterte es Michael Diehl vom Ordnungsamt, sei die Strafe auch höher angesetzt. Notwendig sei das Verbot, weil die Radfahrer Fußgänger und vor allem Kinder gefährdeten. Zwei Unfälle dieser Art hätten den Ausschlag zu diesem Fahrverbot gegeben. Der Stadtgarten ist somit einer Fußgängerzone gleichgestellt. Davon will der Angeklagte nichts wissen. Schließlich fahre er seit 50 Jahren durch den Park, wetterte er gestern. 42 weitere Städte habe er angerufen. Nirgends gebe es ein Radfahrverbot durch einen Park wie hier in Castrop-Rauxel. Nicht nur durch diese Telefonaktion, auch durch eine weitere Anzeige hat der 65-Jährige bereits für Medienrummel gesorgt. Als «Entenfütterer» belebte er bereits die Schlagzeilen, weil er sich ebenfalls vehement gewehrt hatte, ein Bußgeld zu zahlen, das auf einer Anzeige aus dem Jahr 2004 beruht. Da hatte er gleich zwei Verbote ignoriert: das Radfahren im Park und das - verbotene - Füttern der Enten auf dem Gondelteich. Seitdem lässt er an dem ehrenamtlichen Wasserwart kein gutes Haar. Auch in dem mehrseitigen Brief, den er zu seiner Verteidigung an das Amtsgericht geschrieben hat, hat er sich wohl derbe verbale Ausrutscher geleistet. Anlass für Richterin Tschersich-Vockenroth, das Schriftstück nicht zu verlesen. Doch auch seine mündlichen Einlassungen waren «etwas despektierlich», wie es die Richterin vornehm umschrieb. Er sei im September 2006 wieder in den Stadtgarten geradelt, weil er aus der Ferne den Mann erkannt habe, der ihm die erste Meldung ans Ordnungsamt eingebrockt habe, erklärte Ambos. Allein schon die Schilderung brachte ihn wieder in Rage. Sein Auftritt habe zwar «durchaus einen gewissen Heiterkeitswert, sei aber unschön» beschied die Richterin und machte kurzen Prozess. Auf 25 Euro kürzte sie das Bußgeld. Zahlen will Ambos dennoch nicht. Er gehe in die Berufung, kündigte er an. Den Prozess am Landgericht würde eine großen Boulevardzeitung sponsern, gab er an. Da kann es dann gleich doppelt in die Verlängerung gehen. Denn vor rund zwei Wochen hat der uneinsichtige Radler wieder eine Anzeige bekommen: Radfahren durch den Stadtgarten! Reg

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