Linken-Politiker aus Castrop-Rauxel besucht türkische Grenze: „Ich war so schockiert“

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Der Castrop-Rauxeler Linken-Politiker Fotis Matentzoglou hat die türkisch-griechische Grenze besucht, wo Tausende Flüchtlinge festsitzen. Er sagt: „Dort passiert eine humanitäre Katastrophe.“

Castrop-Rauxel

, 06.03.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Castrop-Rauxeler Linken-Politiker Fotis Matentzoglou hat mit einer kleinen Delegation die türkisch-griechische Grenze besucht, wo Tausende Flüchtlinge darauf warten, in die EU gelassen zu werden. Er sagt: „Wir wollten uns selbst ein Bild von der Katastrophe machen.“

„Ich war so schockiert. Es ist etwas anderes, wenn du am Zaun die Gesichter der Menschen siehst, als die Bilder im TV zu verfolgen“, sagt Fotis Matentzoglou. Der Ratsherr der Fraktion Die Linke in Castrop-Rauxel und europapolitische Sprecher der Linken in NRW war von Montag bis Mittwoch mit einer kleinen Delegation nach Griechenland gereist, um sich persönlich ein Bild zu machen von den desolaten Zuständen an der griechisch-türkischen Grenze.

Matentzoglou: „Die Bankrotterklärung der EU“

Mit von der Partie waren die NRW-Europaabgeordnete der Linken, Özlem Alev Demirel, und Linken-Bundestagsmitglied Michael Brandt. Matentzoglou: „Meine klare politische Botschaft lautet, dass hier eine humanitäre Katastrophe passiert und sie gleichzeitig die Bankrotterklärung der EU ist.“ Drahtzäune würden Menschenrechten vorgezogen, das Recht auf Asyl abgeschafft, die Festung Europa mit Eingriff des Militärs und Frontex gesichert.

„Auf der anderen Seite werden Schutzsuchende zum Spielball machtpolitischer Interessen“, fügt der 33-Jährige hinzu. Der „schmutzige Flüchtlingsdeal“ zwischen Erdogan und der EU sei nicht nur gescheitert, sondern habe erst zu dieser humanitären Katastrophe geführt. Es gebe hier nur eine Lösung, und die sei europäisch.

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Wenn die europäischen Werte ernst genommen werden sollten, müssten die Grenzen geöffnet werden und ein gerechtes europäisches Verteilungssystem der Geflüchteten auf die 27 Mitgliedsstaaten her. Griechenland und andere Staaten an den Außenbereichen der EU dürften nicht allein gelassen werden, sagt Matentzoglou, der neben der deutschen auch die griechische Staatsbürgerschaft besitzt.

„Keine weiteren Hürden aufstellen für solidarity cities“

Bislang hätten sich 140 Kommunen - sogenannte solidarity cities - in Deutschland bereit erklärt, Menschen aufzunehmen. „Ich appelliere an die Bundesregierung und unsere schwarz-gelbe Landesregierung in NRW, keine weiteren Hürden für

‚solidarity cities‘ zu stellen und alles dafür zu tun, endlich schutzsuchende Menschen aufzunehmen“, erklärt das Ratsmitglied.

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Seinen Aufenthalt verbindet Matentzoglou auch mit einem Verwandten-Besuch in Griechenland. Wenn er am Dienstag, 10. März, wieder zurück in Castrop-Rauxel ist, will er überdenken, was hier vor Ort weiter unternommen werden könnte, um auf die Not der Menschen aufmerksam zu machen.

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