Das Gewerbegebiet an Westring und Herner Straße beherbergt so manchen Betrieb, der mit Autos zu tun hat. In einer Autowerkstatt ging es nicht mit rechten Dingen zu. © Geonetzwerk.metropoleRuhr
Lange Anklageliste

Mann lieferte falsche Motoren und ließ ein komplettes Auto verschwinden

In einer Autoreparaturwerkstatt am Westring ist vieles nicht mit rechten Dingen zugegangen. Eine lange Anklageliste brachte einem 32-jährigen Angeklagten nun eine Haftstrafe ein.

Es war eine Marathonsitzung im Castrop-Rauxeler Amtsgericht. Allein der Vortrag der Delikte, die dem 32-jährigen Angeklagten angelastet wurden, wollte kein Ende nehmen. Schauplatz war eine Autoreparaturwerkstatt am Westring.

Etliche der angeklagten Taten stammten aus den Jahren 2016 und 2017, die Geschädigten warteten seitdem auf eine Klärung. Wie der Kunde, der in seinen Golf einen neuen Motor einbauen lassen wollte und den Wagen seither nicht mehr gesehen hat.

Dieser Diebstahl, aber auch Motoren, Kotflügel, diverse Ersatzteile, nicht bezahlte Lieferdienste und ein Gebrauchtwagenverkauf standen im Mittelpunkt der Verhandlung. So soll sich ein Opel Corsa, für 3100 Euro verkauft, im Nachhinein als stark reparaturbedürftig erwiesen haben. Motoren, über Ebay verkauft, entsprachen laut der Zeugenaussagen nicht der Beschreibung.

Kennung des Motors wurde manipuliert

„Wir haben explizit auf das erforderliche Modell hingewiesen, bekamen aber einen anderen Motor“, schilderte eine 43-jährige Käuferin aus Warendorf. Auf ihre Mails habe es nur freche Antworten gegeben. 460 Euro sind futsch, für 700 Euro musste noch ein passender Motor gekauft werden.

Ärger auch bei einem 37-jährigen Käufer aus Waltrop. Statt 150 PS und Turboantrieb bekam er nur 125 PS. Das ursprüngliche Kennzeichen sei weggeflext, ein anderes eingestanzt gewesen. Auch er musste noch einmal investieren.

Den größten Ärger in Sachen Austauschmotor hatte aber wohl der Kunde, der einen ersten, in Castrop-Rauxel eingebauten Motor reklamierte, seinen Wagen erneut ablieferte und auf den Einbau eines passenden Ersatzmotors wartete. Als er sein Auto schließlich holen wollte, war es weg. Und blieb weg. Bis heute.

„Da war jemand mit einem Hänger vorgefahren und hat es geholt“, ließ der Angeklagte seinen Anwalt erklären. An mehr könne er sich nicht erinnern. Auch sieben Lieferungen von Ersatzteilen im Wert rund 1000 Euro waren ihm fremd. Seine Theorie: Das waren andere, die seinen Namen missbraucht und die Lieferungen abgefangen hätten.

Keine Bewährung mehr möglich

Zu den unbezahlten Rechnungen der Firma Iloxx, die ebenfalls rund 1000 Euro vom Angeklagten haben will, sagte er dagegen „Stimmt“ und erklärte die Versandaufträge, die er unter einem falschen Namen erteilte, mit finanziellen Engpässen.

Der 32-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt, hat bereits fünf Vorstrafen, alle wegen Betrugs. Und jetzt kamen neun Fälle obendrauf. Die als gewerbsmäßiger Betrug gelten und so härter zu ahnden sind, weil alle im Zusammenhang mit dem Betrieb verübt wurden.

Da der Angeklagte zudem noch unter laufender Bewährung stand, konnte er auf keine Nachsicht hoffen. Das Urteil: Ein Jahr und sechs Monate Haft. Ohne Bewährung.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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