Castrop-Rauxeler will Feuer an Hagener Moschee unabsichtlich verursacht haben

hzLandgericht Hagen

Im Prozess um den Brand an der Hagener Moschee im Mai hat sich der angeklagte Mann aus Castrop-Rauxel erstmals zu den Vorwürfen geäußert. Das Feuer soll aus Versehen ausgebrochen sein.

Castrop-Rauxel

, 19.12.2019, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der wegen Brandstiftung vorbestrafte 53-Jährige ließ die Erklärung von seinen beiden Verteidigern verlesen. Selbst fühlte er sich nicht in der Lage, mit den Richtern zu sprechen. „Ich möchte für den Ärger, den ich verursacht habe, um Verzeihung bitten“, hieß es in dem vorbereiteten Schriftstück. Und: „Ich habe nicht aus böser Absicht gehandelt.“

Nach der Erinnerung des Castrop-Rauxelers hat sich der Vorfall so abgespielt: Am Morgen des 25. Mai fuhr der Mann zusammen mit seinen beiden Hunden mit dem Zug nach Hagen. Eigentlich hatte er vor, zum Biggesee zu fahren, um einen ausgedehnten Spaziergang zu machen. Weil er in Hagen jedoch umsteigen musste und plötzlich Hunger verspürte, verließ er den Bahnhof, um sich etwas Essbares zu besorgen.

Ausflug zum Biggesee

Auf dem Weg durch die Stadt kam er dann an dem Haus vorbei, in dem sich die Moschee befindet. „Ich ging in den Tunnel zum Hauseingang, weil ich mich erleichtern musste“, so der Angeklagte. Genau das habe aber nicht funktioniert, weil er in einer Hand die Hundeleinen und in der anderen eine brennende Zigarette gehalten habe. „Ich konnte also meine Hose nicht öffnen.“

Um trotzdem urinieren zu können, habe er schließlich die Zigarette auf den Rand einer im Hauseingang abgestellten Mülltonne gelegt. Die Hunde hätten aber weiterhin so stark an der Leine gezerrt, dass er sein Vorhaben irgendwann entnervt aufgegeben habe.

Als der 53-Jährige wieder gehen wollte, bemerkte er, dass die Zigarette nicht mehr an ihrem Platz lag. Rauch oder Feuer habe er in diesem Moment aber „weder gesehen noch auch nur gerochen“. Deshalb habe er sich aus dem Hauseingang entfernt, ohne auch nur die Spur eines schlechten Gewissens zu haben.

Hausbewohner blieben unverletzt

Tatsächlich schlugen schon bald nach dem Verschwinden des Castrop-Rauxelers hohe Flammen aus der Mülltonne. Ehe die Feuerwehr eintraf, waren weitere Tonnen und auch schon Teile des hölzernen Vordachs des Hauses in Mitleidenschaft gezogen worden.

Hausbewohner kamen jedoch nicht zu Schaden. Die Feuerwehr entschloss sich sogar, die Menschen in ihren Wohnungen bleiben zu lassen, weil keine Gefahr durch Rauchgase oder ähnliches entstand.

Entschuldigung bei Gemeinde

Eines ist dem Castrop-Rauxeler außerdem wichtig: Ein fremdenfeindliches Motiv liege ihm völlig fern, hieß es in der Erklärung. „Ich stehe einer auf Vielfalt ausgerichteten Gesellschaft schon immer offen gegenüber“, verlasen die Anwälte.

Sollte der Brand bei der islamischen Gemeinde Angst und Misstrauen hervorgerufen haben, „so möchte ich auch dafür um Entschuldigung bitten“.

Das Urteil wird am Freitag erwartet.

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