Martin Fromme macht sich über Behinderte lustig - und das im Gefängnis

JVA Meisenhof

Ja! Im Meisenhof geht das. Comedian Martin Fromme beantwortete diese Frage und erntete befreiendes Lachen. Der Mann mit nur einem Arm lästerte, was das Zeug hält - auch über sich selbst.

Ickern

, 17.01.2020, 06:22 Uhr / Lesedauer: 2 min
Martin Fromme macht sich über Behinderte lustig - und das im Gefängnis

Comedian Martin Fromme sparte bei seinem Auftritt im Meisenhof nicht mit harten Witzen über Behinderte. Er darf das, weil er selbst behindert ist. Er brach viele Tabus. Seine Zuschauer bedankten sich mit herzhaften Lachern und viel Applaus. © Uschi Bläss

Martin Fromme geht sofort in die Vollen. Er winkt mit seinem glücklichen Händchen. Vier verstümmelte Fingerchen hängen an seinem Oberarm – sie sind so groß wie die Luftblasen einer Knallfolie. Wenn er winkt, sieht das aus wie bei einer chinesischen Winke Katze. Der Comedian hat sich jetzt im Ickerner Gefängnis lustig gemacht: über sich und andere Malessen mit Behinderungen.

Linken Arm mit Nadelschnur verwechselt?

Wie kam es zu dieser Behinderung? Habe sein Vater bei der Geburt den linken Arm mit der Nabelschnur verwechselt? Aus Sparsamkeitsgründen? Die Kosten für Geigen- oder Klavierunterricht blieben ihm ja erspart. Das sind Aussagen aus dem Programm. Knallhart, aber genehmigt.

Oder haben ihm die Nonnen im Internat den linken Arm abgerissen, weil er immer mit Links schreiben wollte? Immerhin hat sich kein anderes Kind in seiner Klasse damals getraut mit Links zu schreiben.

So ging es am Mittwoch im Knast munter weiter. Er lieferte krasse Witze über Krüppel. Inklusion war auch ein Thema. Das sei teuer und funktioniere nicht richtig. Mit einem Video, das Fromme als Friseur zeigt, wird deutlich, was er meint. Harter Tobak.

Diese Art von Comedy gibt es sonst nicht

Doch was steckt dahinter, dass Fromme so krasse Witze über Behinderte liefert? Bei einem Gespräch nach der Show zeigt sich der Comedian als angenehm normaler Mitmensch. Behindert fühle er sich nicht. Es ist ein Geschäft – ein Alleinstellungsmerkmal. Diese Art von Comedy gebe es sonst nicht, sagt Fromme.

Früher, da habe er ganz normale Comedy gemacht. Mit einem Partner. Als der ausstieg, musste ein neues Konzept her. Damit hat er viel Erfolg.

„Solche Witze darf wirklich nur so einer wie Fromme machen“, sagt eine Zuschauerin. „Ich hatte zu Anfang echte Schwierigkeiten mit dem Auftritt“, äußert sich dazu eine andere Frau aus den Reihen der Zuschauer.

Ganz oft wird er eingeladen - weil die Leute lachen wollen

Genau diese Schwierigkeiten will Fromme abbauen. Behinderte seien auch fröhliche Menschen und lachten gerne. Er wolle Tabus brechen. Ganz oft wird er zu Symposien eingeladen. „Nach den ganzen wissenschaftlichen Fakten wollen die Leute auch mal lachen. Das kommt immer gut an“, verrät er.

Im Fernsehen ist er monatlich im Inklusions-TV zu sehen: Da geht es um inklusives Klettern, Cheerleading oder Reiten. Zu sehen ist die Sendung im MDR. Dort lief auch das Video mit dem Friseur. „Zuerst hieß es beim Sender: ‚Sowas kann man doch nicht machen‘. Aber nach der Ausstrahlung wollten die Zuschauer mehr davon“, berichtete er. Er will die Schwere aus dem Thema nehmen.

Fromme ist gegen neu erfundene Formulierungen

Auch die Neuerfindung der Bezeichnungen für Behinderte findet der Künstler eher schlecht. „Warum muss es jetzt ‚Menschen mit speziellen Einschränkungen‘ heißen? Wenn man die Fakten nicht beim Namen nennen darf, dann macht sich erst Recht eine Peinlichkeit und besondere Schamhaftigkeit breit.“

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