Psychisch kranker Attentäter fleht: „Möchte einfach nur gesund werden“

hzAttacke auf Vater

Im Wahn sticht ein psychisch kranker Mann aus Castrop-Rauxel auf seinen Vater ein. Vor Gericht bittet er um Entschuldigung und richtet einen eindeutigen Appell an die Richter.

Castrop-Rauxel

, 31.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er kam mit einem Küchenmesser und stach im Wahn immer wieder zu: Sechs Monate nach einem Familiendrama am Hellweg in Castrop-Rauxel hat vor dem Dortmunder Schwurgericht der Prozess gegen einen 30-jährigen Mann begonnen.

Der Beschuldigte leidet an einer paranoiden Schizophrenie und kann für seine Tat deshalb nicht im klassischen Sinn bestraft werden. Das Gericht muss allein die Frage beantworten, ob er zum Schutz der Allgemeinheit für unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss.

Behandlung zeigt schon Erfolge

Derzeit ist der 30-Jährige bereits vorläufig untergebracht. Und die Behandlung zeigt auch schon erste Erfolge. Ganz sachlich konnte er den Richtern schildern, was sich am Tatabend im Haus seiner Eltern zugetragen hat. „Ich bin zu ihnen gefahren, weil ich mir den PC von Mutti holen wollte“, sagte der Beschuldigte.

Tatsächlich habe er dann im Keller alle Kabel mit einem Messer durchtrennt und sei gerade auf dem Weg nach oben gewesen, als plötzlich sein Vater aufgetaucht sei. „Ich muss ihn dann mit dem Messer gestochen haben, aber daran fehlt mir jede Erinnerung“, so der 30-Jährige.

Vater lebensgefährlich verletzt

Sein Vater erlitt bei der Attacke schwere Verletzungen. Mit perforiertem Magen und Dickdarm wurde er vom Rettungsdienst in die Klinik gefahren und dort sofort operiert. „Es bestand Lebensgefahr“, sagt Staatsanwältin Sandra Lücke. Auch die Mutter und der jüngere Bruder wurden an dem Abend von dem Beschuldigten attackiert. Erst als die Polizei eintraf, ließ sich der junge Mann widerstandslos festnehmen.

Entschuldigungsbrief an Familie

Dass er seit diesem Abend nicht mehr in seiner kleinen Wohnung, sondern in der LWL-Klinik in Eickelborn leben muss, akzeptiert der Mann ohne zu klagen. „Das Schlimmste für mich ist nicht, dass ich jetzt dort bin. Da Schlimmste ist, dass so etwas überhaupt passiert ist“, sagte er.

Er habe sich damals eingebildet, von fremden Mächten überwacht zu werden. Tausend Stimmen habe er im Kopf gehabt, die ihm alle die widersinnigsten Dinge eingeflüstert hätten. „Das ist jetzt vorbei, seit ich die Medikamente nehme“, sagte er am Montag. An seine Familie hat er bereits einen Entschuldigungsbrief geschrieben.

Jetzt bekommt er Medikamente

Zusammen mit seinem Verteidiger Marco Ostmeyer scheint der Castrop-Rauxeler nicht darum zu kämpfen, möglichst schnell wieder aus der geschlossenen Klinik herauszukommen. Ihm ist etwas anderes viel wichtiger. „Ich möchte einfach nur gesund werden“, flehte er die Richter an. „Ich habe mit dieser Krankheit schon viel zu lange gelebt. Bitte sorgen sie dafür, dass ich wieder gesund werde.“

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