Mit alten Katalysatoren lässt sich ein Geschäft machen - oder auch nicht

hzAmtsgericht

Gebrauchte Katalysatoren haben durchaus noch einen Wert. Im Innern schlummern Edelmetalle. Umso größer der Ärger, wenn sich beim Kauf zeigt, dass sie leer sind.

Castrop-Rauxel

, 02.09.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf die inneren Werte kommt es an. Auch bei alten, ausgedienten Katalysatoren. Denn in den unter Edelstahl verborgenen Keramikblöcken sind Edelmetalle enthalten. Platin, Palladium und Rhodium. Auf die Rückgewinnung haben sich nur wenige Firmen und Zulieferer spezialisiert – und machen ein gutes Geschäft.

So schlug ein Käufer aus Bayern im März zu, als bei Ebay-Kleinanzeigen vier gebrauchte VW-Katalysatoren, zwei für den Polo, zwei weitere für das Golf-Modell, angeboten wurden. 500 Euro überwies er auf das Konto des Castrop-Rauxeler Händlers.

Große Wut

Doch die Wut war groß, als das Paket im Süden der Republik ankam. Zwei Katalysatoren waren komplett leer, der Edelmetall-haltige Monolith war weg, ein weiterer Katalysator war ein minderwertiges, nicht im Angebot enthaltenes Exemplar, nur der vierte entsprach der Beschreibung.

Empört nahm der 64-jährige Käufer Kontakt mit der Firma auf, erstattete Anzeige, weil man keine Einigung erzielte. Jetzt saß die Inhaberin der Firma auf der Anklagebank. „Meine Mandantin hat nur verpackt und verschickt, was ihr hingelegt wurde“, schilderte ihr Anwalt das Prozedere in der Firma, in der auch die Kinder der Frau tätig sind.

Die 53-Jährige sei nur für Buchhaltung und Telefon zuständig, habe noch nie einen Schraubschlüssel in Händen gehalten, zuvor 30 Jahre im Gastro-Bereich gearbeitet.

Für die Staatsanwaltschaft war der Zeuge vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht glaubhaft, der Betrug erwiesen. Die Forderung: eine Geldstrafe von 900 Euro sowie die Einziehung der kassierten 500 Euro. Der Verteidiger hielt dagegen. Seine Mandantin sei freizusprechen, so die Forderung. In der Online-Anzeige seien keine Angaben zur Beschaffenheit gemacht worden, der Käufer habe dennoch geboten. So könne man nicht von einem vorsätzlichen Betrug sprechen.

Freispruch

Genau so entschied letztlich auch der Richter. Obwohl das Geschäftsgebaren merkwürdig, die Anzeigen schlecht formuliert gewesen sei, könne man keinen Vorsatz nachweisen. Er sprach die Angeklagte frei.

Für den Zeugen, der eigens für die Verhandlung von seinem rund 450 Kilometer entfernten Wohnort angereist war, sicher eine Enttäuschung, aber vermutlich kein Einzelfall. Vom Verteidiger zuvor befragt, hatte er berichtet, dass bei all seinen Aufkäufen gebrauchter Katalysatoren zwei bis drei Mal jährlich leere Behälter dabei wären.

Allerdings nur ein Grund von mehreren zur Reklamation: Der 64-Jährige erstattet, wie er sagte, jährlich 60 bis 80 Mal Anzeige bei der Polizei. Das Geschäft mit alten „Kats“ scheint wirklich ein teilweise schmutziges zu sein.

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