S-Pedelec

Jannis Augustin (32) pendelt täglich 50 Kilometer mit einem besonderen Rad

Auto oder Fahrrad? Wie pendelt es sich schnell und sicher zum Arbeitsplatz? Der Castrop-Rauxeler Jannis Augustin hat eine für sich perfekte Lösung gefunden. Ist das noch ein Fahrrad, oder was?
Jannis Augustin (32) fährt mit einem besonderen Rad zur Arbeit. 52 Kilometer radelt er so täglich.
Jannis Augustin (32) fährt mit einem besonderen Rad zur Arbeit. 52 Kilometer radelt er so täglich. © Lydia Heuser

Die Spritpreise steigen. Auch deshalb überlegen immer mehr Menschen, auf das Rad umzusteigen. Jannis Augustin (32), gebürtiger Castrop-Rauxeler, kann nur empfehlen, diese Idee in die Tat umzusetzen. Er fährt zur Arbeit und zurück mit einem besonderen Rad. 52 Kilometer kommen da jeden Arbeitstag zusammen.

„Meine intrinsische Motivation ist das Wetter und die Sonne, meine extrinsische jede Tankstelle, an der ich vorbeifahre“, sagt Jannis Augustin.

Damit er nicht total verschwitzt an seinem Arbeitsplatz ankommt, hat er sich vor gut zwei Jahren ein besonderes Fahrrad gekauft. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein normales Tourenrad, vielleicht auch ein E-Bike, weil das Unterrohr recht massiv gebaut ist.

Wer das Rad von hinten sieht, ahnt jedoch, dass hier kein einfaches Fahrrad unterwegs ist. Ein kleines Nummernschild, wie man es von Mofas und Rollern kennt, prangt am Schutzblech. S-Pedelec nennen sich solche Räder. Bis zu 45 km/h fahren sie. Außerdem ist das Rad mit einer Hupe, Fernlicht und Bremslicht ausgestattet.

Das S-Pedelec hat zwei Akkus, Fern- und Bremslicht und eine Hupe.
Das S-Pedelec hat zwei Akkus, Fern- und Bremslicht und eine Hupe. © Lydia Heuser

Nach Schlüsselbeinbruch in Sicherheit investiert

Jannis Augustin hat zusätzlich eine gewöhnliche Fahrradklingel am Lenker. „Ich will die Leute nicht mit der Hupe erschrecken“, sagt er. Denn er fährt nicht immer auf der Straße, sondern auch auf Trassen, wenngleich er das eigentlich nicht darf, mit dem S-Pedelec. „Die Politik ist da noch nicht so weit“, meint der zweifache Vater.

Er argumentiert, dass auch Rennradfahrer auf flacher Strecke nicht langsamer sind und er mit angepasster Geschwindigkeit fahre. Morgens um 6.30 Uhr, wenn so gut wie nichts auf den Trassen los ist, bevorzugt er diesen Weg gegenüber dem Berufsverkehr. Und das aus gutem Grund: Ein Autofahrer hat ihn einmal übersehen. Er trug einen Schlüsselbeinbruch davon.

„Danach habe ich nochmal zusätzlich in meine Sicherheit investiert“, sagt Jannis Augustin. Sein Helm hat ein extra Licht hinten und reflektiert, seine Satteltaschen leuchten hell, wenn sie von Scheinwerfern angestrahlt werden. Und auch die Speichen seines S-Pedelecs sind mit zusätzlichen Reflektoren ausgestattet.

Das S-Pedelec hat sich Jannis Augustin zugelegt, nachdem er von seinem Vater einmal eines ausgeliehen hatte. Danach fuhr er viele Räder Probe, bis er sich schließlich für die jetzige Variante entschied. Das S-Pedelec hat zwei Akkus, im Unterrohr und im Oberrohr. „Ich lade es täglich auf“, sagt er. Was aber auch daran liege, dass er immer mit höchster Unterstützung fahre.

Besonders an dem Rad ist außerdem, dass es keine Kette hat, sondern einen Riemenantrieb. Das war dem 32-Jährigen wichtig. Ein Riemenantrieb ist sehr viel wartungsärmer. Ölen und reinigen: nicht nötig.

„Inzwischen“, gibt er zu, „bin ich ein Schönwetter-Pendler geworden. Bei Glätte und Regen fahre ich nicht mit dem Rad.“ Sein Arbeitsplatz liegt im Technologiepark Dortmund, starten muss er in Recklinghausen. Mit dem Auto wäre er in knapp einer halben Stunde dort, mit dem Rad braucht er länger. „Auf dem Hinweg fahre ich entspannt und brauche zwischen 50 und 55 Minuten“, erzählt er.

Das S-Pedelec unterstützt den Fahrer mit bis zu 45 km/h.
Das S-Pedelec unterstützt den Fahrer mit bis zu 45 km/h. © Lydia Heuser

Warum also aufs Rad umsteigen? Abgesehen davon, dass es gesund ist, macht vor allem der Rückweg eine deutliche Zeitersparnis aus. Mit dem Auto kann es nämlich schon mal sein, dass der 32-Jährige irgendwo auf den Autobahnen 45, 2 oder 40 im Stau steht und eine Stunde braucht.

„Auf dem Rückweg fahre ich deutlich sportlicher“, sagt Jannis Augustin. Sein Ziel jetzt: die 26 Kilometer in unter 40 Minuten zu packen.

Schon Kraftfahrzeug oder noch Fahrrad?

Unterschied zwischen E-Bike, Pedelec und S-Pedelec

  • Ein E-Bike fährt ohne Trittunterstützung und gilt damit als Leichtkraftrad. Es besteht eine Führerscheinpflicht.
  • Pedelecs unterstützen den Fahrer mit bis zu 25 km/h. Landläufig werden sie als E-Bike bezeichnet. Einen Führerschein braucht man hier nicht.
  • Ein S-Pedelec unterstützt sogar mit bis zu 45 km/h. Wer solch ein Zweirad fahren will, braucht mindesten einen Führerschein der Klasse AM und muss einen Helm tragen. S-Pedelecs gelten als Kleinkrafträder.

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