Mülltonnen-Feuer an Hagener Moschee: Haftstrafe für Brandstifter aus Castrop-Rauxel

hzLandgericht Hagen

An einer Moschee in Hagen brennt eine Mülltonne. Der Brandstifter war aus Castrop-Rauxel mit dem Zug angereist. Ein fremdenfeindliches Motiv hatte er wohl nicht. Jetzt aber muss er in Haft.

Castrop-Rauxel

, 17.02.2020, 18:34 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Brand an einer Moschee in Hagen hat das Hagener Landgericht einen 53-jährigen Mann aus Castrop-Rauxel zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Hinweise auf ein fremdenfeindliches Motiv sahen die Richter nicht.

Der Angeklagte hatte nicht nur abgestritten, ausländer- oder islamfeindlich gesinnt zu sein. Auch das Feuer in einer Mülltonne, die vor dem Hauseingang abgestellt war, will der Mann nicht absichtlich gelegt haben.

Feuer angeblich unabsichtlich verursacht

Seine Version hörte sich im Prozess so an: Er sei in Hagen mit seinen beiden Hunden unterwegs gewesen, als er plötzlich das Bedürfnis verspürt habe, sich zu erleichtern. Er sei deshalb in den schmalen Gang hineingelaufen, der auf die Tür des Wohnhauses mit der Moschee zuführte. Dann habe er eine brennende Zigarette auf dem Rand einer Mülltonne abgelegt, um die Hände frei zu haben. Und diese Zigarette müsse schließlich unbemerkt in den Abfall gerutscht sein und das Feuer ausgelöst haben.

Die Richter glaubten das nicht. Immerhin ist der Castrop-Rauxeler bei der Justiz kein unbeschriebenes Blatt. Er war bereits wegen Brandstiftung vorbestraft.

Am Montag spielte sogar kurzfristig noch einmal die Frage des Motivs eine Rolle. Aus den Reihen der islamischen Gemeinde erreichte das Gericht ein Fax, in dem die Vernehmung einer Zeugin angeregt wurde. Diese Frau sollte aussagen können, dass ein Mann, der dem Angeklagten sehr ähnlich sehe, sie einmal mit fremdenfeindlichen Sprüchen beleidigt habe.

Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten jedoch darauf, die Zeugin zu einer förmlichen Vernehmung zu laden. Dafür erschienen ihre möglichen Aussagen dann doch zu vage.

Keine Menschen in Gefahr

Bei dem Feuer waren nicht nur mehrere Müllcontainer zerstört worden, sondern schon nach kurzer Zeit auch ein Vordach vor dem Hauseingang in Flammen aufgegangen. Weitere Schäden gab es nicht.

Auch die Personen, die sich zum Zeitpunkt des Brandes in ihren Wohnungen aufhielten, wurden nicht verletzt. Die Feuerwehr entschloss sich nach dem Löschen sogar, die Leute in ihren Wohnungen zu lassen. „Es bestand keinerlei Gefahr“, sagte ein Zeuge von der Feuerwehr im Prozess aus.

Weil sich an der Hauswand lediglich ein kurzer fremdsprachiger Hinweis auf die islamische Gemeinde befand, gehen die Richter davon aus, dass der Angeklagte tatsächlich gar nicht wusste, dass in dem Wohnhaus auch eine Moschee untergebracht war. Dass sich in dem Gebäude Menschen aufhalten könnten, habe er aber auf jeden Fall gewusst, hieß es am Montag in der Urteilsbegründung des Hagener Schwurgerichts.

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