Drei mutmaßliche Diebe aus dem Juwelen-Klau von Dresden nahm die Polizei in dieser Woche fest. Sie stahlen wertvolle Schätze. Was aber sind eigentlich die wertvollsten Schätze in Castrop-Rauxel?

Castrop-Rauxel

, 19.11.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit den Juwelen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden können nur wenige in Deutschland gelagerte Schätze mithalten. Knapp ein Jahr nach einem der spektakulärsten Kunstdiebstähle der vergangenen Jahrzehnte nahm die Polizei am Dienstag (17.11.) in Berlin drei Tatverdächtige fest. 1600 Polizisten sicherten die Festnahmen ab und durchsuchten zugleich gut zwei Dutzend Objekte. Nach zwei weiteren Personen wird noch gefahndet.

Die gestohlenen Schmuckgarnituren aus Edelmetall und Edelsteinen sind allerdings nicht aufgetaucht. Es geht um Schätze aus dem Schatzkammermuseum, das Kurfürst August der Starke (1670-1733) einrichtete. Sie gelten als für das Museum unersetzlich, für die Diebe eigentlich als unverkäuflich.

Ein Bruststern aus Edelsteinen, eine Brustschleife, eine Perlenkette und ein mit 700 Edelsteinen besetzter Degen fehlen ebenfalls. Ermittler befürchten, dass die Edelsteine aus den Fassungen gebrochen und umgeschliffen oder einzeln verkauft worden sein könnten.

Kirche: Monstranz von um 1500

Aber was ist eigentlich der größte Schatz in Castrop-Rauxel? Eine Anfrage richteten wir an die älteste Kirchengemeinde der Stadt, an St. Lambertus. Hier gibt es eine Monstranz von ca. 1500 n. Chr., also eine Art Schaugerät, in dem eine in den Leib Christi gewandelte Hostie hinter Scheiben gezeigt werden kann.

Diese Monstranz von einem Dortmunder Goldschmied aus den Jahren um 1500 oder 1510 gehört der Gemeinde St. Lambertus.

Diese Monstranz von einem Dortmunder Goldschmied aus den Jahren um 1500 oder 1510 gehört der Gemeinde St. Lambertus. © Kube

Die vierstrebige Turmmonstranz entstammt der Kunstepoche der Spätgotik und ist detailreich ausgestattet. Dargestellt ist neben dem Stadtwappen und dem Adler als Wappentier Dortmunds an ihrem Fuß der Kirchenpatron St. Lambertus mit Bischofsstab und Schwert. Nach Meinung von Experten ist die Monstranz mehrfach restauriert worden.

„Sie ist eher kunsthistorisch wertvoll“, sagt Pfarrer Winfried Grohsmann: Die Prachtmonstranz werde immer mal wieder in Ausstellungen gezeigt, weil sie die einzige verbliebene mittelalterliche Goldschmiedearbeit der Freien Reichsstadt Dortmund sei. Dortmund hatte im Mittelalter viele Goldschmieden. Wer genau Urheber des einzigen verbliebenen Reliktes im Besitz der Gemeinde St. Lambertus ist, ist allerdings unbekannt.

Sie sei aber nicht größer oder schwerer als andere Monstranzen. „Vom Materialwert gibt es viel kostbarere als diese“, so Grohsmann. Sie habe eine Feuervergoldung, die mittels Quecksilber auf Silber aufgebracht wurde, und trage keine Edelsteine. Der wahre Wert in Euro: nicht zu beziffern.

Dennoch verwahre man sie sicherheitshalber nicht in der Gemeinde, sondern im Tresor einer Bank. Die Prachtmonstranz werde nie auf einen Prozessionsweg mitgenommen, ist aber an Silvester zum Jahresabschluss und im Fronleichnams-Gottesdienst zur Aussetzung in der Kirche aufgestellt.

Stadt: Bronzeplastik „Bergbau“

Als größten Schatz in städtischem Besitz bezeichnet die Stadtverwaltung, die wir ebenfalls angefragt haben, die Bronzeplastik „Bergbau“ aus dem Jahre 1960 von Prof. Nikolas Ikaris. Sie ist im Foyer des Ratssaals an der Wendeltreppe aufgestellt und zeigt drei übereinanderstehende Bergleute, die durch bogenähnliche Linien miteinander verbunden sind. Sie reichen sich Kohle von unten nach oben zu.

Diese Bronzeplastik aus dem Jahr 1960 mit dem Namen "Bergbau" zeigt drei Bergleute übereinander. Sie gilt für die Stadtverwaltung als einer ihrer wertvollsten Kunstschätze.

Diese Bronzeplastik aus dem Jahr 1960 mit dem Namen "Bergbau" zeigt drei Bergleute übereinander. Sie gilt für die Stadtverwaltung als einer ihrer wertvollsten Kunstschätze. © Stadt

Auf feine Einzelheiten bei der Darstellung verzichtete der Athener Künstler. Die Oberfläche der umrissartigen Körper wird im Stammblatt der Stadtverwaltung als rauh, kantig und gratig beschrieben. Sie steht so für die Anstrengungen, die der Bergbau unter Tage und das Fördern der Kohle nach über Tage bedeutete.

1982/83 wurde die fünf Meter hohe Statue von Jan Bormann restauriert. Sie war eine Schenkung der Dortmunder Bergbau AG an die Stadt im Jahr 1962. Im Stammblatt ist also kein Kaufpreis, aber auch kein Wert verzeichnet. Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann auf Anfrage: „Es darf als einer der wertvollsten Schätze der Stadt gelten, jedoch gibt es keine Zahl, keinen Preis in dem Sinne.“

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