Nach Quetsch-Urteil gegen Tagesmutter: Stadt unternimmt verschiedene Schutzmaßnahmen

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Eine Tagesmutter in Castrop-Rauxel hat die Hände eines Babys gequetscht. Dafür wurde sie vom Gericht verurteilt. Die Stadt spricht von einem Einzelfall, hat aber auch selbst Maßnahmen ergriffen.

Castrop-Rauxel

, 10.02.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Morgens waren die Hände noch unversehrt. Als die Mutter aus Castrop-Rauxel ihr erst acht Monate altes Baby von der Tagesmutter abholte, waren beide Händchen verletzt. Das Amtsgericht urteilte: Die Schuld lag bei der Tagesmutter. Ein Gutachter hatte keinen anderen möglichen Grund für die Verletzungen gesehen, als eine vorsätzliche Quetschung. Ein Einzelfall in der Betreuung durch Tagespflegepersonen? Wie oft streiten Eltern und Betreuer über Verletzungen? Und darf die Tagesmutter weiter in dem Beruf arbeiten?

? Darf die Tagesmutter nach dem Urteil und der Geldstrafe weiter in der Tagespflege mit Kindern arbeiten?

Die Tagesmutter ist im Februar 2019, also kurz nach dem Vorfall, aufgefordert worden, ihre Pflegeerlaubnis zurückzugeben bis der Sachverhalt geklärt sei, sagt Yvonne Hoffmann, Koordinatorin für Kindertagespflege bei der Awo. (Die Stadt Castrop-Rauxel hat die Organisation der Kindertagespflege an die Awo vergeben.) Die Tagesmutter sei der Aufforderung nachgekommen. Die anderen von ihr betreuten Kinder wurden in andere Betreuungsverhältnisse vermittelt.

? Was hat die Stadt unternommen, nachdem der Vorfall bekannt wurde?

Die Stadtverwaltung habe Kontakt zum Allgemeinen Sozialen Dienst und anderen Abteilungen aufgenommen, sagt Yvonne Hoffmann. Außerdem hätten die Verantwortlichen „zeitnahe“ Einzelgespräche mit der Mutter und der Tagesmutter und mit den Eltern der anderen betreuten Kindern geführt. „Hierbei ergaben sich keine Auffälligkeiten“, teilt Hoffmann auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die anderen Eltern hätten eine „hohe Zufriedenheit über die Tagesmutter“ zurückgemeldet.

? Derzeit gibt es 52 Tagespflegepersonen in Castrop-Rauxel, die 170 Kinder betreuen. Wie oft kommt es vor, dass sich Eltern und Tagespflegepersonen über Verletzungen oder Unfälle der Kinder streiten, womöglich vor Gericht?

Es gebe eher selten Gesprächsbedarf über Verletzungen und Unfälle, heißt es von der Stadt. Sie lösten sich in der Regel einvernehmlich. In den letzten zehn Jahren sei kein weiterer Fall bekannt, bei dem sich Eltern und Tagespflegeperson vor Gericht getroffen hätten.

? Was prüft die Awo die Eignung von Tagespflegepersonen? Gibt es auch nach der Zulassung noch regelmäßige Hausbesuche oder Gespräche?

Wer Kinder als Tagesmutter oder Tagesvater betreuen will, muss eine ganze Reihe von Nachweisen erbringen und Schulungen absolvieren. Unter anderem muss jede Person im Haushalt, die älter als 14 Jahre ist, ein polizeiliches Führungszeugnis einreichen. Alle über 18 Jahre brauchen ein Gesundheitsattest. Zudem frage die Awo beim Allgemeinen Sozialen Dienst und dem Pflegekinderdienst der Stadt ab, ob die Familie dort bekannt ist, oder etwas gegen die Tätigkeit als Tagespflegeperson spricht, antwortet Yvonne Hoffmann. Die Pflegeerlaubnis sei auf fünf Jahre befristet und muss danach neu beantragt werden, sagt die Koordinatorin. Dabei müssen dann auch alle Unterlagen neu beantragt werden. Dazu gehöre auch ein Gespräch über die Motivation, warum die Person als Tagesmutter arbeiten möchte, außerdem ein Hausbesuch, bei dem die Räume auch mit einer Sicherheitscheckliste geprüft werden. Ein Erste-Hilfe-Kurs für Säuglinge und Kleinkinder, und jährliche Auffrischungen einer Infektionsschutzbelehrung gehören ebenfalls zu den Nachweisen, die Tageseltern erbringen müssen.

Bevor man Tagespflegeperson werden kann, muss man einen Qualifizierungskurs und eine Fortbildung zum Kinderschutz absolvieren.

? Wie tauschen sich die Organisatoren der Betreuung mit den Tagespflegepersonen aus?

Es finden Hausbesuche „in regelmäßigen Abständen“ statt, sagt Yvonne Hoffmann. Dazu gehöre auch ein Reflexions- und Entwicklungsgespräch zur fachlichen Weiterentwicklung in der Kindertagespflege. Es gibt zudem verpflichtende Fortbildungen jedes Jahr. Tagespflegepersonen seien außerdem verpflichtet, an einem Netzwerktreffen teilzunehmen. „Den Tagespflegepersonen steht eine Beraterin permanent zur Verfügung“, heißt es von der Koordinatorin.

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