Paare aus Castrop-Rauxel zoffen sich vor Gericht über lautes Möbelrücken

hzNachbarschaftstreit

Seit Jahren liegen die benachbarten Ehepaare im Streit. Termine beim Schiedsmann brachten nichts. Dieser Nachbarschaftsstreit liest sich wie das Drehbuch einer Vorabendserie.

Castrop-Rauxel

, 22.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es mutet an wie das Drehbuch einer Vorabendserie: Nachbarschaftszoff. Den Streitenden geht der Stoff, an dem sich der Zoff entzündet, nicht aus. Die beiden Parteien nennen es selbst „Never ending Story“.

Diesmal geht es um Geräusche, deren Ursache ein ständiges Möbelrücken sein soll. Das vermutet Ehepaar Nummer eins, während das Paar aus der anderen Doppelhaushälfte sagt: „Welche Möbel, bei uns werden höchstens die Stühle am Esstisch bewegt.“

Dabei wohnen die Ehepaare schon Jahre nebeneinander, sind irgendwann zum vertraulichen Du übergegangen. Nach ein paar ruhigen Jahren sei es dann losgegangen, so die „laute Seite“. Es gebe „immer wieder neue Klagen, besonders, wenn mal Gäste da waren, wie zum Beispiel zu einer Geburtstagsfeier, ein anderes Mal ist es der laute Fernseher“.

Schiedsmann erfolglos

Weil zwei Termine beim Schiedsmann erfolglos waren, ebenso wie die Filzgleiter unter den Stühlen, die den Beschwerden keinen Einhalt geboten haben, landete dieser Nachbarschaftsstreit nun vor dem Zivilgericht Castrop-Rauxel.

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Beide Ehepaare, Kläger wie Beklagte, waren mit ihren Rechtsanwälten erschienen.

Die Kläger berichteten, dass selbst die Isolierung der Wände zum Nachbarn die Geräusche nicht bannen würde. Daraufhin ließen die Beklagten ihren Anwalt Fotos von den beiden angrenzenden Räumen vorlegen.

Filzgleiter helfen nicht

Einmal die Einbauküche. „Da kann ja nun mal nichts verrückt werden“, kommentierte der Richter. Im Zimmer daneben ein großer Esstisch mit Stühlen. Die schon mit besagten Filzgleitern versehen sind. „Außerdem wäre mein Mann nach zwei Knie-OPs gar nicht in der Lage, schwere Sachen zu rücken“, merkte die Frau an.

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Manche der beklagten lauten Zeitpunkte könnten zudem gar nicht stimmen, weil sie entweder nach einer Nachtschicht geschlafen habe oder weil das Ehepaar zum genannten Zeitpunkt zum Campen war.

Vorschlag zur Güte

Deshalb glauben die Beklagten auch nicht, dass der Vorschlag zur Güte, einen Teppich unter Tisch und Stühle zu platzieren, dem Krieg ein Ende setzten würde. Genährt von anderen Streitpunkten wie Gartenzaun und TV.

Dennoch ließen sie sich schließlich darauf ein, es probehalber mit einem Teppich zu versuchen. Damit konnte der Richter trotz der verfahrenen Lage zu Protokoll geben, dass es zu einer gütlichen Einigung gekommen war. „Beide Parteien erklärten, künftig Rücksicht zu nehmen“, hieß es abschließend. „Ich hoffe, dass Sie sich irgendwie arrangieren, sonst sehen wir uns regelmäßig wieder.“

Um Ruhe zu finden, muss der Beklagte noch an einer Gewohnheit arbeiten. Seinem Gähnen. „Das fängt schon laut an und endet wie bei einem Löwen“, hatte die Klägerin einen weiteren Störfaktor angesprochen.

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