Paket wurde zugestellt – trotzdem ist es spurlos verschwunden

Unterschrift gefälscht

Zeitnot macht erfinderisch. Doch die Idee eines Paketboten, den Empfang anstelle des Kunden zu quittieren, war keine gute Idee. Vielmehr brachte es dem Mann eine Geldstrafe ein.

Castrop-Rauxel

, 16.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ein Paketfahrer stand jetzt vor dem Amtsgericht wegen Fälschung einer technischen Aufzeichnung.

Ein Paketfahrer stand jetzt vor dem Amtsgericht wegen Fälschung einer technischen Aufzeichnung. © picture alliance/dpa

Paketfahrer haben Stress, nicht erst seit Corona-Zeiten. So hatte der 40-Jährige täglich zwischen 120 und 150 Pakete zu verteilen. Im Auftrag eines Subunternehmens, das für Hermes tätig war. Mehr als 1600 Euro monatlich, oder 70 Cent pro zugestelltem Paket waren nicht drin.

Zeit ist Geld lautete also das Motto. Ärgerlich, wenn ein Empfänger hoch oben in einem Mehrfamilienhaus wohnt oder nicht daheim ist. Das macht gleich den Schnitt kaputt. Da scheint es vorzukommen, dass ein Paket einfach vor die Tür gelegt und zugleich im System als zugestellt markiert wird.

Vergebens gewartet

Ein Prozedere, das vermutlich meist gut geht. Aber nicht immer, das zeigt der vorliegende Fall, der nun vor dem Amtsrichter in Castrop-Rauxel gelandet ist. So wartete im Oktober eine Kundin auf das Päckchen einer Modefirma. Erst als die Zahlung angemahnt wurde, wurde die Empfängerin stutzig, der Weg des Paketes wurde recherchiert.

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Das Ergebnis: Zugestellt. Schon wenige Tage nach Auftragserteilung. Als Beweis die Unterschrift auf dem elektronischen Gerät, das die Fahrer bei sich tragen. Allein, die Schrift war fremd. „Das war niemand aus unserer Familie“, sagte der 24-jährige Sohn der Adressatin aus.

Die starke Vermutung: Es war der Paketbote selbst. „Ich weiß nichts mehr davon“, sagte dieser jetzt. Wenn ein Paket nicht zuzustellen war, wäre es zurückgegangen, am nächsten Tag ein neuer Zustellversuch unternommen worden.

Vor der Tür abgelegt

Das hat der Zeuge anders in Erinnerung. „Nachdem wir das Paket bei Hermes reklamiert hatten, war er doch bei uns an der Tür“, erinnerte er sich. Habe zugegeben, selbst abgezeichnet und die Sendung vor die Wohnungstür im ersten Stock des 4-Familien-Hauses deponiert zu haben.

„Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass der Angeklagte bei uns war“, sagte er. Und betonte, für die anderen Familien im Haus seine Hand ins Feuer zu legen. Man habe ein gutes, freundschaftliches Verhältnis, das Paket habe auf keinen Fall jemand anders an sich genommen, ist er überzeugt.

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Einen wirtschaftlichen Schaden hat die Familie durch den Vorfall nicht erlitten, sondern die Modefirma. Sie schickte die Ware noch einmal auf dem Weg, die auch zugestellt und bezahlt wurde. Der Fokus richtete sich also wieder auf den Fahrer. Wobei die Anklage von der Fälschung einer technischen Aufzeichnung sprach und nicht von einer Urkundenfälschung. Das ist nur der Fall, wenn eine gefälschte Unterschrift auf Papier geltend gemacht wird.

Richter und Staatsanwaltschaft sahen die Anklage als bewiesen an. 40 Tagessätze zu je 10 Euro Geldstrafe lautete das Urteil für den Mann, der inzwischen den Paketdienst quittiert hat.

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