Politik zu Gesamtschul-Frage: „Wichtig ist, zu sagen: Es war ein Fehler“

hzSchulentwicklung

Die neue Gesamtschule kommt. Das ist zumindest sehr wahrscheinlich, weil sich große Teile der Politik, die Stadtverwaltung und Bezirksregierung einig sind. Erste Reaktionen aus der Politik.

Castrop-Rauxel

, 24.04.2020, 07:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Verwaltung möge prüfen - nicht ob, sondern wie: Das ist der Inhalt eines Auftrages der Politik an die Stadtverwaltung zum Thema Schulentwicklung. Es geht nun tatsächlich darum, in Ickern eine neue eigenständige Gesamtschule neu zu gründen. Schon im Sommer 2021 könnte es so weit sein, wenn die Politik im Stadtrat in ihrer Sitzung am 30. April (ausnahmsweise in der Stadthalle) zustimmt.

Und danach sieht es aus. Denn aus der interfraktionellen Runde heraus, in der seit zwei Jahren unter den „Fachpolitikern“ der Parteien intensiv diskutiert und mit der Stadtverwaltung zusammen abgewogen wird, ist nun ein Prüfauftrag verfasst worden. Und von fünf der sieben Fraktionen im Stadtrat unterschrieben. Nur die Grünen und die UBP, die sich nicht an den Sitzungen beteiligte, tragen diese Initiative aktuell nicht mit.

Die Schulausschuss-Vorsitzende und SPD-Ratsfrau Katrin Lasser-Moryson sagt auf unsere Frage, ob es ungünstig sei, anstelle einer gerade ausgelaufenen Schule, der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Ickern, nun eine neue zu gründen: „Ja, das war eine hohe Hürde für mich und auch die anderen in der interfraktionellen Runde. Wir dachten, dass wir den Standort nicht noch mal neu beschulen können. Aber die Zahlen haben sich eben anders entwickelt als im Schulgutachten vor vielen Jahren. Wichtig ist nun auch klar zu sagen, dass es aus heutiger Sicht ein Fehler war, die Schule auslaufen zu lassen. Da hätte man andere Dinge versuchen müssen, um die Attraktivität zu verbessern: das Konzept ändern zum Beispiel. Man muss zu diesen Fehlern stehen und sehen, wie man nun das Beste daraus macht. Es ist Elternwille und -wunsch. Wir brauchen diese neue integrierte Schule in unserem System.“

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Christel Sperz von der FWI meint: „Wir waren immer der Meinung, dass sich der Elternwille in Form von Anmeldungen an der gewünschten Schulform ausdrückt und auch so von der Politik respektiert werden muss. Die FWI hielt es nie für richtig, dass ausgerechnet der bevölkerungsreichste Stadtteil Ickern keine weiterführende Schule hat. Seit Jahren sind die Schülerzahlen in der ganzen Stadt gestiegen. Die Schulen sind in Wunschbereichen überbelegt und die Ickerner Jugendlichen sind gezwungen in die Nachbarstädte ausweichen. Daher haben wir uns dafür eingesetzt, wieder Schulraum in Ickern einzurichten. Die Nutzung des leer stehenden Schulgebäudes an der Waldenburger Straße war für uns die richtige Lösung für Ickern und unsere finanzschwache Kommune.“

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Für die CDU schreiben Michael Breilmann und Marlies Graeber: „Die Sekundarschule, die zu keinem Zeitpunkt Fuß fassen konnte, wird nur von einer verschwindend kleinen Minderheit nachgefragt und soll deshalb vom selben Zeitpunkt an auslaufen. Das trägt sowohl zur Stabilisierung der WBG als auch der neuen Gesamtschule bei und eröffnet zudem neue Optionen bei der Nutzung von Schulraum. Auch die bisher an der Sekundarschule tätigen Lehrer sind eine äußerst wichtige Säule bei der Neustrukturierung der Schullandschaft in Castrop-Rauxel.“ Für eine nachhaltige Akzeptanz der neuen Gesamtschule halte die CDU ein unverwechselbares Schulprofil, das sich sichtbar von dem der WBG abhebt, eine gute Erreichbarkeit durch eine Optimierung des Öffentlichen Nahverkehrs und eine rasche bauliche Ertüchtigung des in die Jahre gekommenen Komplexes.

WBG und FNR werden auf vier Züge begrenzt

Als weitere flankierende Maßnahme zur Unterstützung der neuen Gesamtschule gilt übrigens eine Begrenzung der Realschule und der Willy-Brandt-Gesamtschule auf vier Züge. Laut Katrin Lasser habe die Fridtjof-Nansen-Realschule dazu schon ihre Zustimmung gegeben.

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