Aufruhr gab es am Freitag in der Unterkunft der Stadt in Merklinde an der Hakortstraße: Ein Mann wollte raus, obwohl er in Quarantäne ist. © Tobias Weckenbrock
Coronavirus

Quarantäne-Häuser: Zaun ist weg, doch der Sicherheitsdienst ist wieder da

Vier Wochen war die städtische Unterkunft in Merklinde umzäunt. Bewohner hatten gegen Quarantäne-Vorschriften verstoßen. Nun ist der Zaun weg – aber der Sicherheitsdienst ist wieder im Einsatz.

Rund vier Wochen blieb eine städtische Unterkunft in Merklinde umzäunt, weil einzelne Bewohner offenbar gegen geltende Quarantäne-Vorschriften verstoßen hatten – dann wurde die Umzäunung wieder abgebaut. Und nicht mehr angebracht, wenngleich es aktuell erneut Quarantäne-Fälle gibt.

Das teilte die Stadt Castrop-Rauxel am Dienstag (6. April) auf Anfrage dieser Redaktion mit. In der schriftlichen Antwort der Pressestelle heißt es kurz und knapp: „Der Zaun, der die Quarantäne der Bewohner in den städtischen Unterkünften Harkortstraße sicherstellen sollte, wurde am 25. März abgebaut.“

Aktuell stünden „in den Häusern Harkortstraße 2 und 4 seit 1. bzw. 4. April insgesamt neun Personen aus zwei Wohnungen vorsorglich unter Quarantäne. Der Sicherheitsdienst, der seit dem 25. März nicht mehr dort im Einsatz war“, werde „für die Dauer der laufenden Quarantäne“ erneut in Anspruch genommen.

96 Menschen lebten in der umzäunten Unterkunft

Zuvor nämlich hatte es mehrere Probleme mit den Bewohnern der Unterkunft gegeben. Eine Person verschwand trotz Corona-Quarantäne aus dem Haus. Einzelne Bewohner verstießen laut einer Stadtsprecherin gegen Vorschriften und randalierten.

Vor diesem Hintergrund veranlasste die Stadt Castrop-Rauxel damals, am 26. Februar, den Zaun aufzubauen. Es habe keine andere Option gegeben, hieß es. 96 Menschen lebten fortan für circa vier Wochen in einer umzäunten Unterkunft. Und wurden bewacht.

„Den ganzen Tag Zimmer, Kochen, zurück auf Zimmer“, das sei alles, was er tun könne, berichtete ein aus dem Irak Geflüchteter per Telefon unserer Redaktion. „Es ist jetzt wie in einem Gefängnis“, urteilte er. Dennoch bleibe er ruhig, er wolle sich schließlich nicht mit dem Coronavirus infizieren.

Das war vor einem Monat, Anfang März – inzwischen ist der Zaun weg. Über den Erfolg dieser rigiden Maßnahme gibt die Pressestelle der Stadt Castrop-Rauxel keinerlei Auskunft. Nur so viel ist klar: Aktuell sieht die Stadt keine Veranlassung, noch einmal so hart durchzugreifen. Diesmal reicht wohl der Sicherheitsdienst.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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