Ralf Fehrmann (53) will ein Haus bauen und verzweifelt an der Stadtverwaltung

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Ralf Fehrmann hat sein Haus verkauft und würde gerne an anderer Stelle neu bauen. Doch die Baugenehmigung lässt auf sich warten. Die Stadt antworte nicht, sagt er. Und sieht sich in Existenznöten.

Ickern

, 22.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Brennnesseln, Büsche, Bäume – das Grundstück an der Lerchenstraße/Ecke Recklinghauser Straße ist überwuchert. Zumindest einen Teil davon würde Ralf Fehrmann (53) gerne räumen. Hier soll sein Haus stehen, in das er und seine fünfköpfige Familie möglichst bald einziehen wollen. Doch daraus wird erst einmal nichts.

Das alte Haus der Familie Fehrmann ist verkauft, eine Übergangswohnung für zwölf Monate längst bezogen. Spätestens im kommenden April möchte die Familie an der Lerchenstraße einziehen. Alles war darauf ausgelegt, sagt Ralf Fehrmann. Verträge wurden geschlossen. Anfang Oktober sollte das 450 Quadratmeter große Grundstück geräumt und der Boden vorbereitet werden.

Doch die Baugenehmigung bleibt aus. Jetzt übt Ralf Fehrmann starke Kritik an der Stadt Castrop-Rauxel, dem Bauamt und auch Bürgermeister Rajko Kravanja. „Ich bekomme keine aussagekräftigen Antworten“, sagt er. „Wenn ich im Bauordnungsamt anrufe, wird aufgelegt, wenn ich meinen Namen nenne.“

Schon im Juni hat Ralf Fehrmann Kontakt mit dem Bürgermeister aufgenommen

Dabei hat der Castrop-Rauxeler nach eigenen Angaben alles getan, damit es schnell geht. Im Mai hat Ralf Fehrmann den Bauantrag gestellt, bereits Ende Juni habe er seinen Fall Bürgermeister Rajko Kravanja bei dessen Sprechstunde vorgestellt.

Anfang Juli kam per Mail eine Antwort auf seine Anfrage dort. Eine Antwort, auf die er sich beruft. Hier wird ihm die Vollständigkeit aller Unterlagen des Beteiligungsverfahrens bestätigt. Wenn keine weiteren unvorhersehbaren Komplikationen einträten, könne er mit der Baugenehmigung Mitte bis Ende September rechnen, heißt es in dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt.

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„Wir haben dem Wort des Bürgermeisters geglaubt“, sagt er. Doch jetzt, vor wenigen Wochen, musste Ralf Fehrmann feststellen, dass es nicht klappen wird mit seinem errechneten Baubeginn. Das hat Folgen. Preisbindungen werden nicht mehr greifen, sagt der Häuslebauer. Er rechnet mit mindestens 10.000 Euro zusätzlichen Kosten. Dazu komme viel Geld, weil er länger für die Miete der auf zwölf Monate befristeten Übergangswohnung zahlen müsse. Wenn er denn dort überhaupt länger als vereinbart bleiben könne und nicht noch einmal etwas anderes suchen müsse.

Fehrmann ist wegen einer Behinderung erwerbsunfähig – und damit auch nicht weiter kreditwürdig, wie er sagt. „Das Haus können wir gut bezahlen. Alles, was dazu kommt, aber nicht. Das bringt uns an den Rand des Ruins.“

Satteldach statt Walmdach: Da braucht es einen Baulastenantrag

Knackpunkt für die Verzögerung ist offensichtlich das Dach. Familie Fehrmann plant ein Satteldach, wie es die Nachbarhäuser auch haben. Der knapp 30 Jahre alte Bebauungsplan für den Bereich sieht aber Walmdächer vor. Deshalb muss noch ein Baulastenantrag gestellt werden.

Dass auch ein Satteldach genehmigungsfähig sei, habe man im Vorfeld geklärt, so Fehrmann. Und der Bauantrag sei da ganz eindeutig. „Das Satteldach hätte man beim ersten Blick auf die Zeichnungen sehen können“, sagt Fehrmann. „Genauso hätte es bei der Überprüfung nach einem Gespräch mit dem Bürgermeister auffallen müssen.“

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Den Baulastenantrag hat Ralf Fehrmann dann Ende August schnell eingereicht. Doch wieder gab es eine Verzögerung. „Uns wurde gesagt, eine Baulastenerklärung könne digital eingereicht werden. Anfang September erreichte die Fehrmanns dann eine Mail, die Unterlagen müssten sie in Papierform einreichen. Die letzte Nachricht brachte dann das Fass zum Überlaufen: „Eine Abschätzung kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht gegeben werden. Die Anträge werden nach Eingangsdatum abgearbeitet“, heißt es in der Mail der Stadt.

Stadtverwaltung hat sich 44 Mal mit dem Antrag befasst

Diese Aussage bestätigt Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi. Sie betont, man habe sich intensiv mit dem Fall beschäftigt, auch vor dem Hintergrund der besonderen Situation der Familie. „Elf Antworten hat Herr Fehrmann von der Stadtverwaltung bekommen“, sagt Nicole Fulgenzi, „44 Mal wurde sich mit seinem Antrag befasst.“

Ein Grund für die langsame Bearbeitung liege in der Personalsituation im Bauamt der Stadt. „Da sind wir inzwischen auf einem guten Wege. Stellen wurden besetzt“, sagt Nicole Fulgenzi. In dem für Ralf Fehrmann wichtigen Bereich der Baulasten allerdings gibt es Verzögerungen aus personellen Gründen. Nicole Fulgenzi: „Wir sind bemüht, eine Vertretungsregelung zu finden.“

Generell könne die Genehmigung eines Bauantrags je nach Komplexität des Antrags zwischen wenigen Wochen und mehr als sechs Monaten dauern.

Ralf Fehrmann und seine Familie hoffen weiter. Für den eigentlichen Hausbau haben sie 20 Wochen eingerechnet. „Uns würde ja ein klares Signal der Bauverwaltung reichen, wann wir mit der Genehmigung rechnen können. Dann könnte man schon mal mit der Bodenvorbereitung beginnen oder auch mit der Garage. Eine Teilbaugenehmigung dafür würde uns schon sehr helfen.“

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