Reisebüros klagen über große Verluste und haben Tipps für Urlauber

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Die Infektionszahlen steigen. Der Kreis Recklinghausen gilt als Risikogebiet. In den Reisebüros in Castrop-Rauxel häufen sich die Stornierungen. Doch einige Optionen bleiben den Urlaubern.

Castrop-Rauxel

, 21.10.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch halten einige Bundesländer am Beherbergungsverbot fest. In Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein müssen Urlauber einen negativen Corona-Test vorlegen, wenn sie aus einem Risikogebiet kommen. Zu diesen zählt aktuell auch der Kreis Recklinghausen (Stand: 21. Oktober).

„Die Lage ist kompliziert“, meint Erik Frecker. Der 50-Jährige ist unter anderem Inhaber des Reisebüros Wullhorst und berichtet von einer Reisegruppe, die vergangenes Wochenende nach Schleswig-Holstein wollte. „Alle mussten ein Negativergebnis vorweisen können, aber es war gar nicht so leicht, überhaupt einen Arzt zu finden, der den Coronatest durchführt.“

Urlauber mussten zu Hause bleiben

Schließlich seien die Ärzte überlastet, zum Teil wegen der Herbstferien noch gar nicht wieder im Dienst. Die Folge für die Reisegruppe: Einige mussten zu Hause bleiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel appellierte am Samstag an die Bevölkerung, auf „jede nicht notwendige Reise zu verzichten“.

Nicht gerade hilfreich sei dieser Aufruf gewesen, meint Frecker und seufzt: „Viele ältere Leute fassen das schon als Reiseverbot auf.“

Auch deshalb werde gerade wenig neu gebucht, alle größeren Reisen, insbesondere die Pauschalreisen, seien bereits storniert. Nur Tages- und Busreisen würden zum Teil noch stattfinden.

Jasmin Kiwitz, Inhaberin des Reisebüros Reisemarkt, erlebt die Situation ähnlich. Der Wert der stornierten Buchungen aus den vergangenen Monaten belaufe sich in ihrem Fall bereits auf über 1 Million Euro. „Dabei sind wir ein kleines Reisebüro“, erklärt sie.

Stornierungen im Wert von einer Million Euro

Im Vergleich zum Vorjahr wären die Buchungen für die Herbstferien zudem um 70 Prozent zurückgegangen. Zu der belastenden Situation geringerer Einnahmen kommt für Reiseexpertin Kiwitz auch noch ein höherer organisatorischer Aufwand hinzu: „Ab dem 1. Juli war Reisen ja prinzipiell wieder möglich. Nur wollten einige Kunden dann nicht mehr, die gebuchten Hotels hatten noch nicht wieder geöffnet oder der Flug zum Urlaubsziel existierte nicht mehr.“

Zwei bis drei Stunden hänge sie jeden Tag in den Warteschleifen der Reiseanbieter, um dann Informationen an ihre Kunden weiterzugeben, die normalerweise direkt vom Veranstalter kommen. „Klar sind die Reiseanbieter auch überlastet. Bei einigen habe ich aber schon das Gefühl: Die lassen uns im Regen stehen.“

Ungewissheit beunruhigt Kunden

Noch schwerer wiegt aus ihrer Sicht aber die Ungewissheit, die durch die laufend neu eingeführten und kurze Zeit später wieder aufgehobenen Regeln bei den Kunden entstehe.

So sollten Reiserückkehrer ursprünglich bereits ab Oktober mindestens fünf Tage verpflichtend in Quarantäne, wenn sie aus einem ausländischen Risikogebiet zurückkommen. Die Einführung der Regel wurde aber mehrfach aufgeschoben, zuletzt auf den 8. November. Jasmin Kiwitz hat für das aus ihrer Sicht schwer nachzuvollziehende Vorgehen der Politik kein Verständnis, erschwert es ihre Arbeit doch enorm: „Das ist gerade ein bisschen wie Roulette spielen.“

Expertin rät zur Corona-Versicherung

Dabei sei Reisen und auch schon der Buchungsvorgang an sich bereits pure Vorfreude. Für alle, die dringend Erholung vom Corona-Stress brauchen und verreisen wollen, hat sie einige Tipps. „Zunächst einmal würde ich zu Anbietern raten, die eine Corona-Versicherung anbieten. Da gibt es mittlerweile einige“, erklärt sie.

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Bei Pauschalreisen bekomme man im Notfall das Geld am schnellsten zurück. Und die Urlaubsziele? „Im Moment würde ich vor allem Griechenland empfehlen. Das ist schon seit Juli kein Risikogebiet mehr.“ Ihr Kollege Erik Frecker ergänzt: „Auch Dänemark, der Großteil Italiens und Teile Österreichs kommen im Moment infrage. Das war es dann aber auch schon.“

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