Richter am Landgericht bezweifeln Opfer-Bericht von Schlägen und „russischem Roulette“

hzLandgericht Dortmund

Ende 2013 soll es in Castrop-Rauxel zu einem brutalen Raubüberfall gekommen sein. Das mutmaßliche Opfer sagt, man habe „russisch Roulette“ mit ihm gespielt. Die Richter glauben ihm nicht.

Castrop-Rauxel, Dortmund

, 25.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Prozess um einen angeblichen Raubüberfall in Castrop-Rauxel hat das Dortmunder Landgericht den Angeklagten freigesprochen. Nach der Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers gab es einfach zu viele Zweifel daran, dass die Tat auch wirklich so stattgefunden hat.

Anklage wegen Computerbetruges

Angeklagt hatte die Staatsanwaltschaft den 28-Jährigen wegen Computerbetruges. Sie war davon überzeugt gewesen, dass er der Mann war, der am 30. September 2013 mit einer Sturmhaube maskiert Geld an einem Automaten der Sparkasse abgehoben hatte. Die Kontokarte war die des Opfers.

Doch weil diese möglicherweise sogar gewaltsam in den Besitz des Ganoven gelangt war, hatten die Richter bereits am ersten Verhandlungstag einen sogenannten „rechtlichen Hinweis“ erteilt. Neben einer Verurteilung wegen Computerbetruges komme auch eine wegen schweren Raubes in Betracht. Für den Angeklagten bedeutete das: Im Falle eines Schuldspruches hätten ihm fünf Jahre Haft und mehr gedroht.

Zeuge erzählte immer andere Details

Am Ende kam aber alles ganz anders. Und das hat im Wesentlichen damit zu tun, dass das angebliche Überfallopfer im Laufe der Jahre immer andere Details der angeblichen Tat erzählte. Vor Gericht hörte sich seine Version der Geschichte so an: Der Angeklagte habe ihn mit einer Kurznachricht zu sich in die Wohnung gelockt. „Dort wurde ich dann von mehreren Männern in Empfang genommen“, so der Zeuge. Man habe ihn mit Pfefferspray und Messern bedroht und ihn gezwungen, sich auf die Couch zu setzen. „Da habe ich mir dann eine reinhauen lassen“, so der Zeuge.

Nach den brutalen Schlägen sei er dann dazu genötigt worden, seine EC-Karte herauszurücken und die PIN zu verraten. Dies hätten die Räuber mit einer besonders furchtbaren Aktion erreicht. Sie hätten ihm einen Revolver an den Kopf gehalten und dann „russisch Roulette“ gespielt, so der Zeuge zu den Richtern.

Beute betrug 210 Euro

Nachdem er deshalb alles verraten hatte, sei es der Angeklagte gewesen, der zum Geldautomaten gefahren sei, um 210 Euro abzuheben. Der Zeuge wollte sich auch noch gut an den Moment erinnern können, in dem der 28-Jährige mit der „Beute“ wieder zurück in die Wohnung kam. Die Mittäter seien nämlich alles andere als zufrieden mit den läppischen 210 Euro gewesen. „Sie unterstellten ihm, er hätte mehr Geld geholt und den Rest in seine eigene Tasche gesteckt“, so der Zeuge.

Das Problem des angeblichen Überfallopfers war nur, dass er die Geschichte noch bei der Polizei längst nicht mit so vielen dramatischen Einzelheiten geschildert hatte. Auf so eine Aussage wollten die Richter keine Verurteilung stützen.

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