Rotes Höhenvieh weidet an der Emscher - Wir zeigen, wo die Rinder stehen

Emscher-Umbau

An der Emscher zwischen Castrop-Rauxel und Herne gibt es jetzt eine Herde besonderer Rinder. Eine Behörde, die man nicht erwarten würde, ist dafür verantwortlich. Und wo kann man die Tiere sehen?

Castrop-Rauxel

, 06.05.2020, 19:47 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Rinder werden auf die Weide gelassen. Sie sind auch von der A42 aus zu sehen.

Die Rinder werden auf die Weide gelassen. Sie sind auch von der A42 aus zu sehen. © Straßen NRW

Sechs Rinder der Rasse „Rotes Höhenvieh“ sind Ende April auf ihrer neuen rund 21 Hektar großen Weide an der A42 zwischen Herne und Castrop-Rauxel eingezogen. Dort sollen sie künftig ganzjährig leben. Das Umweltprojekt wurde vom Landesbetrieb Straßen.NRW und der Emschergenossenschaft gemeinsam ins Leben gerufen. Ein geplantes Bürgerfest für alle Anlieger zum Auftrieb muss allerdings wegen der Corona-Epidemie verschoben werden.

Die Emschergenossenschaft gibt den Standort der Rinder auf dieser Karte an.

Die Emschergenossenschaft gibt den Standort der Rinder auf dieser Karte an. © EGLV / Google

Klassische Weidelandschaft – das bedeutet eine Mischung aus Weide, Sträuchern und Wäldchen, in der sich die Tiere frei bewegen können. Die Weidelandschaft bietet auch über 20 Vogelarten und anderen heimischen Tieren vom Igel bis zum Reh ein Zuhause. „Wir haben eine sehr große Artenvielfalt“, erklärt Rahmann, Landschaftsarchitektin von Straßen.NRW und federführend für das Projekt. „Insgesamt haben wir 23 verschiedene Pflanzenarten ausgesät.“

Ziel ist, dass die Rinder sich ausschließlich von dem ernähren, was sie auf der Weide finden. Dadurch, dass die Tiere nicht zugefüttert werden müssen, gehört das Leben auf der klassischen Weidelandschaft zu den umwelt- und klimafreundlichsten Formen der Rinderhaltung.

Umwelt-Ausgleich für den Straßenbau

Umweltschutz ist auch das erklärte Ziel der Maßnahme. Straßen.NRW will damit unvermeidliche Auswirkungen des Ausbaus der A43 auf sechs Fahrspuren auf die Natur ausgleichen. „Für unsere gesetzlich verpflichtenden Kompensationsmaßnahmen beim Straßenbau suchen wir gerne Projekte, die möglichst langfristig und nachhaltig der Umwelt zugutekommen“, erklärt Dirk Griepenburg. Als Leiter der Region Münsterland/Ruhr ist er für das Projekt verantwortlich. „In Herne und Castrop-Rauxel hatten wir das Glück, eine vorher für die industrielle Landwirtschaft genutzte Fläche in der Nähe der Stadt erwerben zu können. Das ist im Ruhrgebiet nicht einfach“, sagt Griepenburg.

Die Emschergenossenschaft hat eine sechs Hektar große Fläche für die Beweidung zur Verfügung gestellt: „Das Projekt verknüpft Ökologie, urbane Landwirtschaft und Naturerleben miteinander“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Uli Paetzel. „Die Menschen können hier die positiven Effekte des Emscher-Umbaus erfahren.“

Neben der Weide fließen der Börniger Bach und etwas weiter nördlich der Landwehrbach. Beide Gewässer werden in den nächsten Jahren durch die Emschergenossenschaft renaturiert. Für die Entwicklung der Bäche sei ein naturnahes und extensiv bewirtschaftetes Gewässerumfeld besonders wichtig.

Angekommen auf der neuen Weide: Langfristig soll die Zahl der Tiere auf zwölf anwachsen. Bio-Landwirt Jan Dickhöfer aus Waltrop unterstützt die Umwelt-Experten dabei.

Angekommen auf der neuen Weide: Langfristig soll die Zahl der Tiere auf zwölf anwachsen. Bio-Landwirt Jan Dickhöfer aus Waltrop unterstützt die Umwelt-Experten dabei. © Gunnar Jacobs / EGLV

Durch die stadtnahe Lage der Weide kommt zum Umwelt-Aspekt auch die Naherholung für die Herner und Castrop-Rauxeler Bürger hinzu. Sie können dort spazieren gehen. Sogar von einem Autobahn-Parkplatz aus können die Rinder beobachtet werden. Straßen.NRW hat einen Stabgitterzaun errichten lassen, so dass Autofahrer vom A42-Rastplatz Holthauser Bruch die Rinder sehen können.

Einige Wäldchen auf der Fläche bieten Rückzugsmöglichkeiten für das Rote Höhenvieh, sollte den Tieren der Andrang zu viel werden.

Herde soll noch größer werden

Für die Zukunft haben Straßen.NRW und Emschergenossenschaft schon weitere Pläne, was die Rinder betrifft. Langfristig soll die Zahl der Tiere auf zwölf wachsen. Mit einer Infotafel sollen Interessierte über die Umweltziele aufgeklärt werden. Das Projekt ist auf unbefristete Zeit angelegt. Bio-Landwirt Jan Dickhöfer aus Waltrop unterstützt die Umwelt-Experten.

„Das Projekt verknüpft Ökologie, urbane Landwirtschaft und Naturerleben miteinander. Die Menschen können hier die positiven Effekte des Emscher-Umbaus hautnah erfahren und daran teilhaben. Statt Fischen werden an dieser Stelle allerdings Rinder zu unseren Gewässer-Botschaftern“, so Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

„Das Projekt verknüpft Ökologie, urbane Landwirtschaft und Naturerleben miteinander. Die Menschen können hier die positiven Effekte des Emscher-Umbaus hautnah erfahren und daran teilhaben. Statt Fischen werden an dieser Stelle allerdings Rinder zu unseren Gewässer-Botschaftern“, so Prof. Dr. Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft. © Baumers / EGLV

Jetzt müssen sich die Tiere an ihre neue Wiese gewöhnen. Auch die Anlieger der Weidelandschaft, welche den Landesbetrieb und die Emschergenossenschaft von vorneherein bei dem Projekt unterstützt haben, müssen ihre neuen Nachbarn kennenlernen. Das Bürgerfest werde man nachholen, sobald es möglich ist.

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