Die Alte Eiche unter den ersten Sonnenstrahlen des Vorfrühlings 2021. Zum Schutz ihrer Wurzeln ist sie eingezäunt, weil ab jetzt Bagger übers Gelände rollen dürfen, um die über 300 anderen Bäume und Sträucher zu roden. Hier wird Platz geschaffen für den Kampfmittelräumdienst und später ein Wohngebiet. © Abi Schlehenkamp
Neubaugebiet

Sägen rund um Alte Eiche am Emscherufer laufen: Über 200 Bäume weichen

Rund um die Alte Eiche wird bald ganz viel Grünland verschwinden: Die rund 300 Bäume auf dem Gelände am Emscherufer nördlich der Heerstraße werden seit Anfang der Woche gefällt.

Das Wohnen am Emscherufer rückt näher: In diesen Tagen laufen Rodungsarbeiten auf der Fläche. Am Montag waren schon Fachleute vor Ort, um die Fläche zu inspizieren. Gesägt wird seit Dienstag. Männer mit Kettensägen sind zu Fuß unterwegs und legen einen nach dem anderen Baum um. Schweres Gerät ist derzeit auf der Fläche nicht erlaubt, da hier noch Weltkriegs-Munition vermutet wird.

Das Verfahren, das in den vergangenen Monaten interne Planung und Aktenproduktion war, wird nun also auch sichtbar. Abgeschlossen wurde zuletzt eine öffentliche Auslegungsphase des Bebauungsplans 245H „Am Emscherufer“. Stadt-Bauamtsleiter Philipp Röhnert bilanzierte dazu im Umweltausschuss, dass man im Ergebnis nun ein sehr umfangreiches Paket an Ideen aus der Bürgerschaft habe.

Die Stromleitung, die Alte Eiche (ganz unten am Bildrand), die Emscher: Hier zwischen Habinghorst und Henrichenburg soll ein Neubaugebiet entstehen. Dafür werden viele Bäume gerodet.
Die Stromleitung, die Alte Eiche (ganz unten am Bildrand), die Emscher: Hier zwischen Habinghorst und Henrichenburg soll ein Neubaugebiet entstehen. Dafür werden viele Bäume gerodet. © Kevin Kisker © Kevin Kisker

Im Einzelnen wollte er darauf nicht eingehen und sagte: „Ich würde mich gerne darauf beschränken, Fragen zu beantworten.“ Es seien jedenfalls „keine überraschenden neuen Themen aufgekommen, aber viele Themen in großer Tiefe angesprochen worden“.

Die Umweltausschuss-Vorsitzende Notburga Henke von den Grünen fragte, ob sich vor dem Hintergrund eines Mühlstein-Fundes Archäologen das Gelände anschauen. Fachleute des Landschaftsverbands gaben im Juni 2020 ihre Expertise ab: Der Stein hat 45 cm Durchmesser. „Anhand der Befestigungen an der Seite sah es eher aus wie ein Schleifstein, vielleicht eines fahrenden Handwerkers“, gab Röhnert die Ergebnisse wieder – das sei allerdings „blanke Spekulation“. Es habe sich jedenfalls nicht als Indiz für eine ortsfeste Mühle herausgestellt.

Untersucht werden soll die Fläche zwischen der Alten Eiche und der Hochspannungsleitung. Aber erst nach der Kampfmittelsuche, so Röhnert.

Erst roden, dann Bomben suchen, dann…

Die steht bald an. Dafür müssen erst über 200 Bäume gerodet werden. Mit diesen Arbeiten wurde nun begonnen. Dafür hat man die Alte Eiche und ihr Wurzel-Areal mit einem Bauzaun abgesperrt, damit der Baum durch das schwere Gerät nicht beschädigt wird.

In diesem Gebiet soll im Weltkrieg die Artillerie geschossen haben, sagte Röhnert. Nach der Munition wird nun bald oberflächlich und leicht unter der Oberfläche gesucht. Für die Archäologie interessant sind nur die oberen 50 bis 60 Zentimeter, sagt der LWL. Da die Kampfmittelsuche eventuell schon mit Bodenaushub verbunden sei, müsse man abwarten, ob und inwieweit eine archäologische Suche sinnvoll sei.

Anwohner Holger Steiner, der den Protest gegen das Baugebiet, vor allem aber für den Erhalt der 250 Jahre alten Stieleiche mit-initiierte, zeigte sich am Mittwoch (24.2.) ein wenig enttäuscht gegenüber unserer Redaktion. Er sagte: „Ich muss noch mal Frau Lenort (die Stadtbaurätin, Anm. der Red.) anrufen. Man hätte doch zumindest die Anwohner vonseiten der Stadt einmal informieren können, dass jetzt die Sägen kommen. So wurden wir total überrascht. Schade!“

So sehen die Planungen für das Baugebiet aus. Die Alte Eiche bleibt erhalten. © Grafik: Sauerland / ISW / Dreigrund © Grafik: Sauerland / ISW / Dreigrund

Zwischen der Wohnbebauung an der Heerstraße und der Emscher sowie der Wartburgstraße und dem Friedhof sollen Doppel- und Einzelhäuser entstehen. An der Wartburgstraße und an der Eiche sollen zusätzlich zwei Mehrfamilienhäuser errichtet werden. Insgesamt sind etwa 70 Wohneinheiten vorgesehen. Realisierungspartner ist die Firma Dreigrund. Die Siedlung soll einen grünen Charakter haben und die Ansprüche an klimagerechtes Wohnen erfüllen.

Unter dem Namen „Wohnen an der Emscher“ wird seit Jahrzehnten über diese Fläche diskutiert.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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