Saß der Noch-Ehemann am Steuer, als er seine Ex ausspionieren wollte?

hzKein Führerschein

Die Eifersucht nagte an dem 41-Jährigen. Er wollte wissen, ob die getrennt lebende Ehefrau einen Neuen hat. Doch saß er selbst am Steuer, als er dies erkundete? Das wäre ein Fehler gewesen.

Castrop-Rauxel

, 13.07.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hat sie schon einen Neuen? Ist er womöglich heute bei ihr? Diese Fragen nagten an einem 41-Jährigen aus Castrop-Rauxel. Er wollte wissen, wie seine Noch-Ehefrau den Abend verbrachte.

Nach der Trennung war der Mann zu seiner Mutter gezogen. Und deren Auto spielt beim Geschehen am Abend des 20. November eine tragende Rolle. Denn dieses Auto wurde gesichtet. Vor dem Haus, wo es mit quietschenden Reifen angefahren und gebremst haben soll. Doch wer saß am Steuer?

Angeklagter stand schon unter Bewährung

Die Antwort war brisant, denn der leidende Noch-Ehemann hat keinen gültigen Führerschein, es wäre ein vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis. Zudem hat der Mann bereits etliche Vorstrafen, auch einschlägige, und steht unter Bewährung.

„Meine Mutter ist gefahren“, beteuerte nun der 41-Jährige vor dem Amtsrichter in Castrop-Rauxel. „Ich wollte unbedingt wissen, ob ein Mann bei ihr ist.“ Seine Mutter sei mit ihm zum fraglichen Haus gefahren.

„Da stand ein Wagen mit Lüner Kennzeichen vor der Tür, ein deutlicher Beweis“, so der Angeklagte. Als Beleg zückte er sein Handy, er hatte die Situation fotografiert. Uhrzeit: 23.04 Uhr. Aufgenommen habe er es aus dem Fenster der Beifahrerseite.

Mutter will gefahren sein

Die Mutter bestätigte die Aussage ihres Sohnes. „Mein Auto ist ein altes Schätzchen, da lasse ich doch keinen anderen ans Steuer“, beteuerte sie. Dass ihr Sohn derzeit gar keinen Führerschein hat, wusste sie aber nicht. „Ich war doch auch neugierig, ob sie schon einen anderen Mann da hat“, erklärte sie ihr Engagement. Und bestätigte die Angabe des Sohnes, dass das Küchenrollo geschlossen war. Wie hätte die Schwiegertochter, die die Anzeige erstattet hatte, sie also sehen können?

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„Ich konnte die Fahrerseite gut sehen“, erklärte diese jedoch. Eine Laterne habe die Situation gut ausgeleuchtet. Sie habe zuvor mit dem Freund Essen geholt und dabei schon den Ex mit seiner Mutter zu Fuß in der Nähe gesehen.

Widersprüche lassen sich nicht auflösen

Der Freund bestätigte das, betonte zugleich: „Ich bin ein Freund, mehr nicht.“ Er habe die Frau über Bekannte kennengelernt und ihr geholfen. Zum Beispiel habe er die Schlösser der Haustür ausgewechselt. Auch er will gesehen haben, dass der Mann am Steuer saß. Da seien die Rollos nämlich noch hochgezogen gewesen. Die sogenannten Beweisfotos seien wohl später entstanden.

So widersprüchlich wie die Aussagen waren auch die Meinungen der Staatsvertreter. Während die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung forderte, sprach der Richter den Angeklagten frei. Im Zweifel für den Angeklagten, so die Erklärung.

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