Hat ein Mann getragene, verdreckte Turnschuhe als neuwertige verkauft - oder doch nicht? (Symbolbild) © picture-alliance / dpa/dpaweb
Amtsgericht Castrop-Rauxel

Scheibe eingeschlagen und falsche Schuhe verkauft – oder doch nicht?

Hat ein Mann alte, verdreckte Turnschuhe als neuwertig verkauft und die Wohnungstür einer Freundin demoliert? Oder ist alles ein Irrtum? Mit dieser Frage muss sich das Amtsgericht beschäftigen.

Der Strafrichter hatte dem 43-Jährigen vor Verhandlungsbeginn mögliche Szenarien aufgezeichnet. Er gesteht die vorgeworfenen Taten – Betrug und Sachbeschädigung – und kann auf milderes Urteil hoffen. Oder er leugnet, wird anhand von Zeugenaussagen überführt und entsprechend härter verurteilt.

Der gelernte Dachdecker stritt alle Vorwürfe ab. So wollte er weder der einstigen Freundin im September 2020 die Scheiben ihrer Wohnungstür eingeworfen, noch einem Käufer über die Ebay-Plattform im Mai schlechte Ware angedreht haben.

Dabei handelte es sich um ein paar Sportschuhe der Marke Adidas. Als neuwertig und ungetragen angepriesen und für 45 Euro verkauft.

Starke Tragespuren

„Ich habe nichts zu verbergen“, sagte er nachdrücklich. Die Schuhe, die er selbst auf einem Trödelmarkt erworben, aber nie getragen habe, seien nicht gebraucht gewesen. Es hätten noch Etiketten im Innenfutter geklebt.

Die Fotos, der Anklageschrift beigefügt, sagen etwas anderes. Keine Etiketten, dafür offensichtliche Tragespuren im Innern. Und außen reichlich Schmutz. „Das sind nicht die Schuhe, die ich verkauft habe“, sagte der 43-Jährige vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel.

Auch mit der demolierten Tür will er nichts zu tun haben. Am fraglichen Tag sei er gar nicht bei der Freundin gewesen. Gab an, die Frau habe ihm am folgenden Tag per Telefon erklärt, seinen Namen nur genannt zu haben, weil die Vermieterin sie gedrängt habe, einen Übeltäter zu nennen.

„Ich war an diesem Vormittag noch gar nicht richtig wach“, sagte die 50-Jährige jetzt aus. Rang nach Worten, war von der Situation im Zeugenstand sichtlich eingeschüchtert. Dennoch erinnerte sie sich an die Worte „Mach auf“. Auf Nachfrage gab sie auch zu, die Person erkannt zu haben – den Angeklagten.

Neuer Termin

Dass das Paar keine schöne Beziehung pflegte, bestätigte ein Nachbar des Mannes ebenso wie die Betreuerin der 50-Jährigen. Streit und Randale waren offenbar keine Seltenheit. So soll die Frau nach Aussagen des Nachbarn Telefonterror betrieben haben. „Vor Silvester war ich es so leid, da habe ich das Handy meines Kumpels genommen und versteckt“, sagte er.

Wogegen die Betreuerin den 43-Jährigen als einen Mann schilderte, der schnell handgreiflich geworden sei. Das habe ihr die Zeugin mehrfach berichtet.

Diesmal aber beharrte der Angeklagte auf seiner Unschuld. Um die angeklagten Taten aufklären zu können, wird der Richter nun weitere Zeugen laden.

Den Käufer der Sportschuhe, der für seine Aussage aus der Umgebung von Bremen anreisen muss, und die Vermieterin, die dem Angeklagten schon vor dem Vorfall ein Hausverbot erteilt hatte. Im März soll dann ein Urteil gefällt werden.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt