Schmuck vom Goldschmied: Der 3D-Drucker ist das neue Werkzeug von Matthias Grosche

hz3D-Druck

Schmuck aus dem Drucker sei „seelenlos“, sagt der Castrop-Rauxeler Goldschmied Matthias Grosche. Trotzdem verzichtet er nicht auf die moderne Technik. Mit dem 3D-Druck testet er Grenzen aus.

von Janine Jähnichen

Castrop-Rauxel

, 30.10.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

An seinem eigentlichen Ruhetag hat uns Matthias Grosche in sein Galeriehaus an der Karlstraße 20 in Castrop-Rauxel eingeladen. Der Goldschmied in dritter Generation stellt ab Freitag, 1. November, gemeinsam mit Bildhauern, Glaskünstlern und anderen Goldschmieden 30 seiner Schmuckstücke im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte (MKK) in Dortmund aus. Die Sonderausstellung findet bis zum 10. November unter dem Titel „Transparenz – Kunst trifft Handwerk“ statt.

Vor zwei Jahren war Matthias Grosche bereits Teilnehmer einer Ausstellung zum Staatspreis. Die Museumsleitung des MKK fragte im Zuge dessen bei Grosche an, ob er eine Ausstellung mit eigenen Stücken machen möchte. Mit diesen Stücken sollte er Bezug zum Museum nehmen. Der Goldschmied entschied sich, seinen Schmuck an die Textilsammlung des MKK anzulehnen, nachdem er Inspiration in einem von Silvia Fedorová designten Kragen fand.

Entwürfe für den Ohrschmuck aus dem 3D-Drucker

Der Goldschmied in dritter Generation hat in Anlehnung an den Kragen mehrere Ohrringe geschaffen. Das Besondere daran: Die Entwürfe für den Ohrschmuck fertigte Grosche mit einem 3D-Drucker an. „Ich sehe ein Stück, habe eine Assoziation dazu und fertige mir dann eine Skizze am PC an“, so Grosche, „die Stücke an sich sehen hinterher ziemlich einfach aus, aber es steckt eine irrsinnige Arbeit dahinter. Der 3D-Drucker ist nicht nur eine Erleichterung.“

Allein das Anfertigen der Skizzen am Computer habe mehr als 15 Stunden gedauert, der Druck und das endgültige Schmieden kommen noch hinzu. Denn die fertigen 3D-Stücke dienen lediglich als Vorlage und nicht als fertiges Schmuckstück.

Es wäre zwar möglich den Schmuck direkt im Drucker herzustellen, aber Matthias Grosche findet diese Ergebnisse sehr „seelenlos“. Für ihn sei es die Königsdisziplin, das traditionelle Handwerk mit der modernen Technik zu verbinden.

Schmuck vom Goldschmied: Der 3D-Drucker ist das neue Werkzeug von Matthias Grosche

Dieser Kragen von Silvia Fedorová diente Matthias Grosche als Inspiration für seinen Schmuck. © Volker Beushausen

Schmuck vom Goldschmied: Der 3D-Drucker ist das neue Werkzeug von Matthias Grosche

Zu diesen Ohrringen hat er den Kragen schließlich in seine Kreation verwandelt. © Volker Beushausen

3D-Druck ermöglicht es, Grenzen auszutesten

„Ich liebe es, an die Grenzen der Filigranität zu gehen. Mit dem Drucker ist es möglich, Stabilitäten auszutesten, ohne direkt am Metall arbeiten zu müssen. Wenn da plötzlich etwas bricht, müsste alles wieder eingeschmolzen werden“, erklärt der Goldschmied die Vorzüge des Druckers.

Seit rund sieben Jahren wird im Galeriehaus Grosche mit 3D-Druckern gearbeitet. Zunächst hat Matthias Grosche seine Entwürfe von einem Bekannten anfertigen lassen. Nach und nach hat er sich die Programme aber angeeignet, um selbst durch einige Mausklicks Änderungen an seinen Stücken vornehmen zu können.

Er sagt jedoch selbst, dass diese Art der Arbeit unter Goldschmieden noch nicht sehr verbreitet ist: „Goldschmiede sind noch sehr konservativ und haben oft Angst vor der Arbeit mit den Druckern. Ich kann das nicht verstehen, für mich sind sie ein zusätzliches Werkzeug.“ In seinen Arbeitsräumen stehen bereits zwei Drucker aus unterschiedlichen Generationen.

Musikalische Unterstützung während der Ausstellung

Am Freitag, 1. November, startet die Sonderausstellung „Transparenz – Kunst trifft Handwerk“ im MKK um 19 Uhr mit einer Vernissage. Bis zum 10. November haben alle Interessierten die Möglichkeit, sich die Stücke des Galeriehauses Grosche sowie Kunstwerke verschiedenster Machart im Museum in Dortmund anzusehen.

Am Freitag, 8. November, findet ab 19 Uhr zusätzlich eine Klangperformance statt. Unter dem Motto „Raum und Transparenz“ wird der Universitätschor Dortmund die Ausstellung musikalisch untermauern.

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