Es bleibt weiter spannend in der Schulentwicklung. Aber der Kurs geht klar in Richtung zweite Gesamtschule. Darauf hat sich der interfraktionelle Arbeitskreis geeinigt. Die FDP übt Kritik.

Castrop-Rauxel

, 04.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es bleibt dabei: Die Stadt Castrop-Rauxel wird weiter zielstrebig darauf hinarbeiten, dass im Norden eine zweite Gesamtschule an den Start gehen wird. Die Weichen dafür stellte der interfraktionelle Arbeitskreis zur Schulentwicklung aus der Politik in seiner Sitzung am Dienstag, 29. Oktober, bei der auch eine Besichtigung der Janusz-Korczak-Gesamtschule in Ickern auf der Tagesordnung stand.

Das neue Angebot einer weiterführenden Schule, das ist der mehrheitliche Beschluss von SPD, CDU, FWI und der Linken, soll als Teilstandort der Gesamtschule Waltrop realisiert werden. Und zwar schnellst möglich, als Ziel wird weiterhin der Start zum Beginn des kommenden neuen Schuljahres im Sommer 2020 angestrebt. Politisch festgezurrt werden soll der Plan in der nächsten Sitzung des zuständigen Schulausschusses am Donnerstag, 21. November, bevor der Stadtrat in seiner Sitzung eine Woche später das finale Sagen hat.

Stellungnahme der Bezirksregierung

„Bis zum Vorlagenschluss für den Schulausschuss am 8. November soll die Verwaltung einen entsprechenden Beschlussvorschlag formuliert haben“, sagt die Schulausschussvorsitzende Katrin Lasser-Moryson (SPD) im Gespräch mit unserer Zeitung. Von der zuständigen Bezirksregierung in Münster gebe es bereits ebenso eine Stellungnahme dazu wie von der Stadt Waltrop – mit positiver Tendenz. Es fehle noch eine Stellungnahme von der Gesamtschule Waltrop. „Sobald die vorliegt, darauf haben wir uns bei dem interfraktionellen Gespräch verständigt, soll es zeitnah einen Pressetermin mit weiteren Details geben“, kündigt Lasser-Moryson an.

Was jetzt schon klar ist: Die Fridtjof-Nansen-Realschule soll auf vier Züge begrenzt werden, dafür gebe es auch Zustimmung von der Schule, bei den Gymnasien soll es keine Vorgaben zur Zügigkeit geben. Noch nicht spruchreif sei eine mögliche Begrenzung der Willy-Brandt-Gesamtschule. Dass die Sekundarschule Süd zunächst weiterlaufen soll, war bereits vor einigen Wochen kommuniziert worden.

In den zu erwartenden Beschluss des Schulausschusses solle auch ein Prüfauftrag an die Verwaltung eingebunden sein, wie das Sanierungskonzept für das JKG-Gebäude schnellstmöglich umgesetzt werden könne, sagt Lasser-Moryson. Minimum seien drei Züge am neuen (und alten) Gesamtschul-Standort in Ickern.

„Den Eltern eine klare Antwort schuldig“

„Und dann wollen wir schauen, wie die neue Schule konzeptionell wachsen kann“, so die Schulausschussvorsitzende. Und sie fügt hinzu: „Wir wollen die Entscheidung jetzt, das sind wir den Eltern und der Schülerschaft nach der Elternbefragung in diesem Frühjahr schuldig, wir wollen für Klarheit sorgen.“

Bei der Befragung, deren Ergebnis Mitte Juni kommuniziert wurde, hatten sich unter anderem die Eltern von 92 Kindern aus dem dritten Schuljahr dafür ausgesprochen, ihre Kinder an einer zweiten Gesamtschule anmelden zu wollen, falls es diese geben sollte. „Wir sind den Eltern eine klare Antwort schuldig“, sagt Katrin Lasser-Moryson. Zumal sich der interfraktionelle Arbeitskreis jetzt seit fast zwei Jahren um eine möglichst auf breiten Füßen stehende Lösung bemühe.

Es gebe noch mehr Themen zu beackern

Gerade im Sozial- und Schulbereich gebe es schließlich noch mehr immens wichtige Themenfelder zu beackern. Stichworte hier laut Lasser-Moryson etwa OGS, Grundschulentwicklung und das ganze Themenfeld um Senioren und die älter werdende Stadtgesellschaft.

„Wir haben einen sehr guten Eindruck von den Räumlichkeiten in der JKG und der Ausstattung“, sagt die CDU-Schulexpertin Marlies Graeber im Gespräch mit unserer Zeitung. Und auch sie betont: „Die Eltern müssen endlich Klarheit haben, wie es weitergeht.“ Nicht überraschend: Grüne und FDP wollen offenbar den Kurs des interfraktionellen Arbeitskreises nicht mittragen. Und stattdessen auf mehr Zeit setzen, erst in vielleicht zwei Jahren sagen, wo es langgehen soll.

FDP schlägt Alarm

FDP-Fraktionschef Nils Bettinger schickte unserer Zeitung am Samstag, 25. Oktober, eine ausführliche Stellungnahme, betitelt mit „Die FDP schlägt Alarm in Sachen Schulpolitik“. Also vor der erneuten interfraktionellen Runde am Dienstag, am 29. Oktober.

Tenor der Stellungnahme: Die FDP sehe hier einen „gefährlichen Stillstand“. In der interfraktionellen Runde am 3. September sei vereinbart worden, dass schriftliche Stellungnahmen von Bezirksregierung und Stadt Waltrop eingefordert werden sollten, um alle politischen Optionen bewerten zu können.

Am 10. Oktober habe seine Fraktion noch einmal nachgefragt, wie der Stand der Dinge sei. Dabei habe sich herausgestellt, dass die Verwaltung in Castrop-Rauxel in Waltrop lediglich eine Entwicklung der Waltroper Schülerzahlen und abgefragt habe, wie die Nachbarstadt eine neue Gesamtschule im Norden Castrop-Rauxels bewerte, schrieb Bettinger. Und verweist auf eine weitere Option. Nach der die WBG wie auch die Waltroper Gesamtschule jeweils zwei Züge mehr aufnehmen könnte.

Ein Moratorium - gewissermaßen ein Aufschub also, wie man den Standort im Norden und die Waltroper Gesamtschule besser bewerten und ruhiger entwickeln könne, so die FDP-Schulexpertin Anne Krüger in dem Papier. Das sei aber nicht abgefragt worden. „Bei der FDP verfestigt sich das Gefühl, dass hier nicht mehr ergebnisoffen gearbeitet wird“, so Bettinger. Und warnt vor einem möglichen Schnellschuss.

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