Vorwürfe ans Bürgerbüro: Castrop-Rauxelerin reagiert mit plakativer Protestaktion

hzWarten im Rathaus

Einfach abgemeldet, keine Einsicht und viel zu lange Wartezeiten: Natascha Hennersdorf aus Castrop-Rauxel ist sauer. Ihre Antwort ist ein ganz spezieller Protest vor dem Bürgerbüro.

Castrop-Rauxel

, 19.07.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Brötchen, Aufschnitt und Kaffee: So lässt es sich gut in den Tag starten. Dieser Frühstückstisch stand allerdings nicht in der heimischen Küche. Die Brötchen wurden vor dem Bürgerbüro geschmiert. Bernd Bröder, Natascha Hennersdorf und Ralf Hennersdorf brachten Tisch, Stühle und Frühstück mit – für die langen Wartezeiten im Castrop-Rauxeler Rathaus.

„Die Stadt muss das endlich auf die Reihe kriegen“, meint Bernd Bröder. Er ist unzufrieden mit den Wartezeiten im Bürgerbüro. Die Pressesprecherin der Stadt, Nicole Fulgenzi, teilt hingegen mit, die Wartezeiten hätten sich verringert. „Während Bürger zu Jahresbeginn noch 13 Wochen auf einen Termin gewartet haben, sind wir nun bei einer Wartezeit im Durchschnitt von 4 bis 7 Wochen.“ Ziel sei eine Vorlaufzeit auf einen Termin von 2 bis 4 Wochen. Kunden ohne Termin müssten allerdings längere Wartezeiten im Bürgerbüro in Kauf nehmen.

Ohne Benachrichtigung vom Hauptwohnsitz abgemeldet

Aber nicht nur von den langen Wartezeiten ist Bröder genervt. Hinzu kommt der Umgang mit der Tochter eines langjährigen Freundes. Natascha Hennersdorf wurde von Amts wegen von ihrem Wohnort abgemeldet.

Die Abmeldung sei ohne ihr Wissen erfolgt, weil Natscha Hennersdorf ihren Zweitwohnsitz in Tokio angemeldet hat. Eigentlich kein Problem. Das allerdings führte dazu, dass ein Feststellungsdienst tätig wurde.

Castrop-Rauxel soll Hauptwohnsitz bleiben

Bei der Überprüfung, sei aufgefallen, dass Hennersdorf nicht an ihrem Hauptwohnsitz in Castrop-Rauxel anzutreffen war. Daraufhin folgte die Abmeldung.

Zwar lebe sie auch in Tokio, aber die Wohnung, in der sie mit ihren Eltern wohnt, soll ihr Hauptwohnsitz bleiben. „Vielleicht komme ich irgendwann für immer zurück.“

Vorwürfe ans Bürgerbüro: Castrop-Rauxelerin reagiert mit plakativer Protestaktion

Sieht appetitlich aus, ist aber im Rathaus nicht erlaubt: Gartenstühle und Klapptisch wurden nach etwa einer Stunde abgebaut. © Natascha Hennersdorf

Schon im Jahr 2012 erfolgte die Abmeldung

Abgemeldet wurde die 32-Jährige schon im Jahr 2012. Aufgefallen ist das aber erst in diesem Jahr. „Mir hat niemand Bescheid gesagt, das ist mir erst aufgefallen, als ich meinen Ausweis verlängern wollte.“ Das allerdings war nicht mehr möglich.

Die 32-Jährige fordert das Bürgerbüro nun auf, die Abmeldung zu revidieren. Ohne weitere Kosten und vor allem ohne weitere Wartezeiten.

„Besonders schlimm sind der Umgang und die Wartezeiten“

Besonders schlimm findet sie, wie mit ihr umgegangen wird. „Die Mitarbeiter sind mir gegenüber sehr arrogant und sehen ihre Fehler in keinster Weise ein. Hinzu kommen noch die unglaublichen Wartezeiten.“

Am 28. Juli reist Hennersdorf wieder ab. Bis dahin hofft sie, ihren Ausweis beantragen zu können. „Ich habe zwar meinen Reisepass, aber ich will meinen Ausweis verlängern können.“

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Um 7.30 Uhr warten schon 40 Leute im Bürgerbüro

Aus diesem Grund lief Natascha Hennersdorf mit ihrem Vater Ralf Hennersdorf und Familienfreund Bernd Bröder als Verstärkung schon um 6.30 Uhr im Bürgerbüro auf. Um 8 Uhr nehmen die Mitarbeiterinnen ihre Arbeit auf.

„Man muss so früh ins Bürgerbüro kommen, wenn man keinen Termin hat und noch dran kommen will. Um 7.30 Uhr waren schon 40 Leute da und haben gewartet.“ Einen Termin kann Hennersdorf nicht machen, der wäre erst in anderthalb Monaten zu bekommen. „Dann bin ich ja wieder in Tokio.“

Hausmeister beendet das Frühstück

Das Frühstück wurde um 7.45 Uhr vom Hausmeister des Rathauses beendet. „Die Stadtverwaltung schränkt Bürger innerhalb der Wartezeit nicht ein, etwas zu sich zu nehmen, doch können Tische, Stühle oder Ähnliches nicht beliebig im Rathaus aufgebaut werden“, teilt die Pressesprecherin mit. Anschließend sprach Hennersdorf noch mit einer Mitarbeiterin. Die allerdings war gar nicht erfreut über die Aktion.

„Sie fühlte sich von uns angegriffen, hat uns rausgeschmissen und zu einem Kollegen geschickt.“ Der würde sich nun darum bemühen, dass alles bis nächste Woche geklärt wird. Ob sie dann auch ihren Ausweis beantragen darf, steht allerdings noch nicht fest.

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