Parkplätze, Radwege und Verkehr waren zentrale Themen, die den Gästen bei einer Bürgerversammlung der CDU unter den Nägeln brannten. Ein Vorschlag für die Soda-Brücke soll auch auf die Agenda.

Schwerin

, 20.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 4 min

Einige der meistdiskutierten Themen bei der Bürgerversammlung der CDU Rieperberg am Mittwochabend (15.1.) im Vereinsheim von Blau-Gelb Schwerin drehten sich um die Dauerbrenner Parksituation, Radwege und Verkehrsberuhigung.

Auf dem Podium saßen EUV-Chef Michael Werner, Stadtbaurätin Bettina Lenort, sowie Bauausschusschef und Bürgermeisterkandidat Oliver Lind. Moderiert wurde der Abend, zu dem 30 Gäste erschienen, von CDU-Stadtverbandschef Carsten Papp und Bauausschussmitglied Yasemin Dittrich. Dittrich, die auch Chefin der CDU-Frauenunion ist, wird bei der Kommunalwahl am 13. September für den Bereich Schwerin als Ratskandidatin antreten.

Sechs Schweriner Verkehrs-Sorgen – Dortmunder Straße, Dauerparkplatz-Not, Soda-Brücke

Stadtbaurätin Bettina Lenort, Bauausschusschef Dr. Oliver Lind und EUV-Vorstand Michael Werner (v.l.) saßen auf dem Podium, CDU-Stadtverbandschef Carsten Papp und Bauausschussmitglied Yasemin Dittrich moderierten den Abend. © Schlehenkamp

(1) So steht es um den neuen Parkplatz

Der neue Parkplatz hinter dem Containerstandort unterhalb der Landmarke an der Dortmunder Straße steht seit Jahresbeginn zur Verfügung. Platz ist laut EUV-Vorstand Michael Werner für 40 Autos. Markiert sind zunächst 20 Plätze. Maximal drei Stunden sollen Autos dort geparkt werden dürfen. Allerdings ist diese Regelung nicht zementiert.

Auf Nachfrage unserer Redaktion sagte Werner: „Wir wissen, dass es sich im Bereich um den Neuroder Platz und den Parkplatz auf dem ehemaligen Balo-Gelände meist um Langzeitparker handelt.“ Das Ordnungsamt werde ein Auge darauf haben und möglicherweise werde nachjustiert.

Sechs Schweriner Verkehrs-Sorgen – Dortmunder Straße, Dauerparkplatz-Not, Soda-Brücke

Das ist der neue Parkplatz hinter dem Container-Standort an der Dortmunder Straße auf Schwerin. © Schlehenkamp

Die neue Parkfläche steht im Zusammenhang mit dem geplanten Moschee-Neubau an der Frohlinder Straße. Der Vertrag über die viele Jahre zur Verfügung gestellten und von der Stadt angemieteten rund 40 Parkplätze war am Jahresende ausgelaufen.

Die Mevlana-Kirchengemeinde hat Anfang Dezember 2019 auf einer Sitzung des Ausschusses für Bürgerbeteiligung und Stadtteilentwicklung der SPD vor Ort auf Schwerin zugesagt, dass die Parkplätze bis zum Start des Bauvorhabens weiter genutzt werden dürfen.

Wie berichtet, hat der SPD-Ortsverein Schwerin-Frohlinde-Dingen bereits den Wunsch an den Stadtbetrieb EUV gerichtet, dass ein barrierefreier Fußweg von der neuen Parkfläche angelegt wird, damit Ärztehaus und Einzelhandel schneller erreicht werden können. „Sonst müssen die Leute einmal um den Pudding gehen“, sagt auch der Vorsitzende des Stadtteilvereins Wir auf Schwerin, Jürgen Wischnewski, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Weitere neue Parkplätze stehen perspektivisch nicht in Aussicht. Weder auf dem Neuroder Platz, der noch gebunden ist durch die Landesförderung vor etlichen Jahren, noch etwa im Bereich der Westhofenstraße vor dem katholischen Friedhof.

(2) Fehlende Radwege

Der Radweg an der Dortmunder Straße endet aus Richtung Castrop an der Adlerstraße. Hier – bei einer der Hauptverkehrsachsen nach Dortmund mit 20.000 bis 25.000 Fahrzeugen am Tag – fungiert die Stadt nicht als Baulastträger, sondern der Landesbetrieb Straßen NRW. Da muss also immer eine Abstimmung her. Manchmal ist das Bohren dicker Bretter notwendig.

Oliver Lind sagte: „Wir sind dabei, das Mobilitätskonzept neu zu erarbeiten und zu überlegen, was sinnvoll ist.“ Stadtbaurätin Bettina Lenort ergänzte: „Wir sind in der Vorplanung und wollen darauf drängen, dass ein Radweg oder mindestens ein Schutzstreifen von der Adlerstraße bis zum Neuroder Platz geschaffen wird.“

In Bezug auf die Parkplätze vor den Läden an der Dortmunder Straße sei das nicht einfach. Es gelte hier einmal mehr, das Eine zu tun und das Andere nicht zu lassen. Ottmar Kunze aus Schwerin bat darum, den ÖPNV mit in den Blick zu nehmen und meinte konkret die Bushaltestellen an der Ecke Grimbergstraße / Cottenburgstraße / Dortmunder Straße.

Olaf Kallenbach, Bauunternehmer aus Schwerin, sagte kurz und knapp: „Die Radwege halte ich für eine gute Idee, kann die Stadt nicht selbst pinseln?“ So einfach ist es leider nicht, weil ohne Abstimmung mit dem Landesbetrieb nicht realisierbar.

(3) Marode Dortmunder Straße

Was den Zustand der Decke der Dortmunder Straße angeht, verwies Michael Werner darauf, dass bei der Sanierung beim Landesbetrieb die Mittel gedeckelt seien. Eine mögliche Temporeduzierung auf einer so viel befahrenen Straße, nach der Architekt Klaus Jarzina fragte, sei nur ganz schwer durchzudrücken.

Werner erinnerte hier an das Beispiel Gerther Straße, wo die Brummis seit einigen Jahren nur noch maximal mit 30 km/h unterwegs sein dürfen. Er verwies allerdings auch auf die Wittener Straße, wo der EUV in Abstimmung mit dem Landesbetrieb Straßen NRW Mittelinseln errichtete. „Obwohl da 50 km/h erlaubt sind, hat man da ein anderes Gefühl“, sagte Werner.

(4) Gefahr an der „Soda-Brücke“

Weiterer Knackpunkt: Die Situation im Bereich der „Soda-Brücke“ an der Dortmunder Straße zwischen Schwerin und Frohlinde, jenem Überbleibsel aus alten Planungen des Landes zur L 654n. „Lebensgefährlich für Radfahrer und Fußgänger“, hieß es am Mittwochabend unisono.

Laut einem Beschluss des Betriebsausschusses 1 hat der EUV den Landesbetrieb gebeten, hier nach einer Lösung zu suchen. „Die Lösung wäre einfach“, sagte Klaus Jarzina. Und sehe so aus, Radfahrern und Fußgängern Vorfahrt zu gewähren. Bislang steht da bekanntlich nur ein Schild „Radfahrer absteigen“.

Die Verwaltung will den Vorschlag aufnehmen. Dass die Soda-Brücke abgerissen werden könnte, wie Carsten Papp trocken formulierte, hat der Landesbetrieb wohl kaum auf der Agenda.

Sechs Schweriner Verkehrs-Sorgen – Dortmunder Straße, Dauerparkplatz-Not, Soda-Brücke

Die Situation an der Soda-Brücke sei für Radfahrer wie Fußgänger mordsgefährlich, hieß es auf der Versammlung. © Schlehenkamp

Sechs Schweriner Verkehrs-Sorgen – Dortmunder Straße, Dauerparkplatz-Not, Soda-Brücke

So sieht es auf der anderen Seite der Soda-Brücke an der Dortmunder Straße aus. Die Autofahrer, die vom Neuen Hellweg kommen, müssen hier halten. Die Lösung zur Verbesserung einen Spiegel anzubringen, wurde vor Jahren schon diskutiert, aber wieder verworfen. © Abi Schlehenkamp

(5) Abbiegesituation an der Grimbergstraße

Und was ist mit der unübersichtlichen Abbiegesituation zumindest von der Grimbergstraße, wenn der Autofahrer nach links auf die Dortmunder Straße biegen will, und der Gemengelage an diesem recht breiten Stück? Hier hatte die CDU schon im Oktober 2018 vorgeschlagen, eine Abbiegespur von der Dortmunder Straße in die Grimbergstraße einzurichten und auf der anderen Seite eine Abbiegespur in die Cottenburgstraße.

Das Thema sei weiter auf der Agenda, hieß es, aber auch hier brauche es Abstimmung mit dem Landesbetrieb.

(6) Parkplätze an der oberen Cottenburgstraße

Was ist mit den eigentlich zur Verkehrsberuhigung gedachten markierten Parkplätzen an der oberen Cottenburgstraße auf Schwerin, nach denen Architekt Klaus Winkelmann fragte? In der Realität ergebe sich das Problem, dass der Autofahrer, wenn er aus Richtung des evangelischen Friedhofs und der Cottenburgschule komme, kaum mehr sehen könne, ob Autos entgegenkommen. Begegnungsverkehr sei hier ausgeschlossen.

Winkelmann: „Das ist Verkehrsberuhigung in die falsche Richtung.“ Auch dieses Thema soll bei der Stadt auf die Agenda.

Sechs Schweriner Verkehrs-Sorgen – Dortmunder Straße, Dauerparkplatz-Not, Soda-Brücke

Kritik gab es an den Parkboxen auf der Fahrbahn der Cottenburgstraße. Die Verkehrsberuhigung laufe in die falsche Richtung, sagte Architekt Klaus Winkelmann. © Schlehenkamp

So fällt unser Fazit aus

Fazit der fast zwei Stunden dauernden Bürgerversammlung, über deren Details unsere Redaktion noch berichten wird: Es dürfte spannend bleiben, wie es auf Schwerin weitergeht. Die Beteiligten aus Politik und Verwaltung, die viel über mehr Bürgerbeteiligung und Transparenz redeten, stehen im Wort bei den Bürgerinnen und Bürgern.

Sechs Schweriner Verkehrs-Sorgen – Dortmunder Straße, Dauerparkplatz-Not, Soda-Brücke

30 Gäste kamen zur Bürgerversammlung der CDU Rieperberg am Mittwoch, 15. Januar, bei Blau Gelb Schwerin. © CDU

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