Ab Montag kann in Castrop-Rauxeler Geschäften wieder eingekauft werden - aber nur mit vorheriger Anmeldung. © Lena Seiferlin (Archiv)
Einzelhandel und Corona

Shoppen mit Anmeldung: Castrop-Rauxels Händler haben noch viele Fragen

Ab Montag (8. März) darf im Einzelhandel auch analog wieder nach Herzenslaune geshoppt werden – aber nur nach Terminvereinbarung. Die Castrop-Rauxeler Händler haben dazu noch viele Fragen.

Irina Bogeljic und ihre Mitarbeiterinnen haben schon den ganzen Februar immer wieder im Ladenlokal von Cecil an der Münsterstraße 5 gearbeitet. Neue Ware wurde angeliefert, Winterware eingelagert, farbenfrohe Frühjahrsware in die Regale geräumt. Alles mit der Hoffnung, dass endlich auch wieder die Ladentüren geöffnet werden können. Das soll am Montag (8.3.) soweit sein. Aber nur mit Einschränkungen.

„Wir freuen uns auf den Neustart“, sagt die Store-Leiterin. „Aber komisch ist es schon.“ Denn die Ladentüren bleiben trotz der Lockerungen der Lockdown-Regelungen geschlossen und öffnen sich nur, wenn ein Kunde einen Termin hat. „Click and meet“ ist das Stichwort für große Teile des Einzelhandels.

Oder besser „Call and meet“. Denn bei Cecil wie bei anderen Läden wird die Terminvergabe telefonisch laufen. Irina Bogeljic hat schon einen entsprechenden Hinweis ins Schaufenster gestellt. „Die ersten Termine haben wir bereits vergeben“, berichtet sie am Freitag.

Viele Fragen bleiben offen

Wie es genau gehen soll, das wollen viele Einzelhändler abwarten. Denn auch wenn grundsätzlich der Einkauf vor Ort ab Montag wieder möglich ist: Es bleiben Fragen offen. Für Castrop-Rauxel gilt, dass laut NRW-Corona-Schutzverordnung bei der derzeitigen Inzidenzlage die Einzelhändler einen Kunden pro 40 Quadratmetern ins Geschäft lassen dürfen.

Wie melden sich Kunden an, welche Taktung soll es geben, was mache ich, wenn ein Kunde vor der Tür steht und anklopft – das alles sind Fragen, die sich wahrscheinlich erst mit dem Start am Montag klären lassen.

Unsicherheit herrscht im Kurvenglück

Unsicherheit herrscht auch bei Mike Bartel vom Rockabilly- und Übergrößengeschäft Kurvenglück in Ickern. „Ich bin momentan eher vorsichtig optimistisch“, meint er. Denn wie seine Kunden auf das Shoppen mit der Terminvergabe reagieren werden, steht noch in den Sternen.

„Natürlich sind alle heiß drauf, wieder mal rauszukommen. Aber in meinen Laden passen nur zwei Kunden gleichzeitig und ich habe normalerweise ein relativ großes Einzugsgebiet. Ob es so viele Kunden gibt, die bis zu 90 Minuten für eine halbe Stunde shoppen fahren, wage ich zu bezweifeln“, meint er.

Im Kurvenglück ist man bezüglich der Öffnungen „verhalten optimistisch.“ (Archiv) © Schroeter (Archiv) © Schroeter (Archiv)

Viel Aufklärungsbedarf von Seiten der Kunden

„Den Großteil meiner Arbeit macht im Moment aber die Kommunikation mit den Kunden aus“, erzählt er. „Viele sind verunsichert, was denn jetzt wie gilt. Ab welcher Inzidenz weiter geöffnet werden kann, von welchem Inzidenzwert das überhaupt abhängt.“

Bartel will auch künftig an seinem Onlinehandel festhalten. „Wir haben in den sozialen Medien in den letzten Monaten eine regelrechte Fangemeinde bekommen. Die möchten wir jetzt natürlich nicht in Stich lassen, nur weil wir wieder eingeschränkt öffnen dürfen.“

Kinderschuhgeschäft Bääähm ist bereits Click and meet-Profi

Vera Kopitetzki vom Kinderschuhgeschäft Bääähm in der Castroper Altstadt sieht dagegen in dem Click and meet-Modell eine große Chance – gerade für kleinere Geschäfte. „Ich glaube die Leute buchen eher in der kleinen, persönlichen Boutique nebenan eine halbe Stunde als in einem der großen Warenhäuser. Dafür sind diese einfach zu unpersönlich. So gesehen ist es ein kleines Geschenk.“

Die Inhaberin des Geschäftes am Biesenkamp hat übrigens bereits ihre Erfahrung mit Click and meet. Da ihr Sortiment unter die Baby-Ausstattung und damit den wichtigen täglichen Bedarf fällt, durfte sie auch während des Lockdowns öffnen – unter speziellen Auflagen.

Der Kinderschuhladen Bääähm bietet bereits seit Anfang des Lockdowns Click and meet an.
Der Kinderschuhladen Bääähm bietet bereits seit Anfang des Lockdowns Click and meet an. © Tobias Larisch © Tobias Larisch

Geschäftsführerin ist vom System begeistert

Am einfachsten seien diese mit Click and meet umzusetzen gewesen. „Das funktioniert wirklich toll“, schwärmt Kopitetzki. „Wir haben einen Terminkalender, über den man sowohl von unserer Facebook-Seite als auch unser Webseite Termine buchen kann. Für den Kunden ist das extrem einfach und auch wir haben keine Mehrarbeit. Alles wird automatisch geregelt.“

Nur ihr Arbeitsrhythmus habe sich seitdem etwas geändert. „Als Einzelhändler hat man normalerweise feste Kernzeiten, an denen es voll wird, und Zeiten am Tag, an denen es ruhiger zu geht. Mit den Terminen gibt es das nicht mehr, da ist man den ganzen Tag über in gleicher Weise beschäftigt.“

Reiter von Lockerungen eher enttäuscht

Ernsting‘s family ist in Castrop-Rauxel mit zwei Filialen im Real an der Siemensstraße und an der Münsterstraße vertreten. Hier können Kunden per „Click and meet“ Termine vereinbaren. In der Firmenzentrale in Coesfeld wird derzeit an der Umsetzung gearbeitet. Ab Sonntag, 18 Uhr, so die Information, seien alle Daten eingepflegt. Ab Montag kann man dann auf der Homepage die Filialen und die notwendigen Informationen finden.

Auch bei Reiter Fashion am Markt in Castrop können Kunden nach Terminvereinbarung wieder im Laden einkaufen. Geschäftsinhaber Jens Reiter freut sich, „wieder für die Kunden da zu sein“. Im Laden befinde sich derzeit 80 Prozent der Frühjahrs- und Sommerkollektion. Ein paar Terminanfragen seien schon eingegangen. Trotzdem ist Jens Reiter enttäuscht von den Lockerungsmaßnahmen. „Die Löcher kann es nicht stopfen, die sind riesig“, meint er. Die Winterware habe er stark reduziert verkaufen müssen, „für einen Appel und ein Ei“.

Auch Kodi kann seine Filialen wieder öffnen. Laut Stadtverwaltung hatte die Filiale vor Ort eine Sortimentsliste vorgelegt, die zum täglichen Bedarf zählt. Aufgrund der Sortimentsliste sei daher eine Öffnung nach §11 / 3 der Coronaschutzverordnung möglich. Die Auch ohne die Click-and-meet-Einschränkungen, also ganz normal.

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Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
Volontär
Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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