„Sinnvoll“ oder „störend“: Schüler beurteilen Maskenpflicht ganz verschieden

hzCoronavirus und Schulen

Stundenlang mit Maske in der Schule zu sitzen; das ist für alle Schüler eine neue Erfahrung - auch in Castrop-Rauxel. Nach dem zweiten Schultag gehen die Erfahrungen weit auseinander.

von Inka Hermanski

Castrop

, 13.08.2020, 15:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Beginn des neuen Schuljahres müssen Schüler an Gymnasien, Gesamtschulen, Realschulen und Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich auch im Unterricht eine Maske tragen. Zumindest bis zum 31. August erhofft sich das Schulministerium, damit die weitere Ausbreitung des Coronavirus möglichst verhindert wird.

Auf dem Schulhof dürfen Masken zeitweise abgesetzt werden

Ob die Maske überhaupt sinnvoll ist, ist dabei hoch umstritten. Aber wie fühlt sich das überhaupt an, bei heißem Wetter stundenlang mit Maske in der Klasse sitzen zu müssen? Das haben wir am Donnerstag am Ende des zweiten Schultages Schülerinnen und Schüler des Adalbert-Stifter Gymnasiums (ASG) in der Castrop-Rauxeler Altstadt gefragt.

„In dem Schulgebäude müssen wir die Masken dauerhaft tragen“, erzählt Mia Lüning (16). Das werde auch gut eingehalten. In den Pausen dürften die Schülerinnen und Schüler die Masken abnehmen. Und die Zahl der Pausen hat zugenommen: „Nach jeder Stunde dürfen wir für 10 Minuten auf den Schulhof, um etwas zu essen und zu trinken und Luft zu holen“, sagt die Oberstufen-Schülerin.

Mangelnder Abstand in den Klassenräumen

Wenn sie eine Maske tragen, müssten die Schülerinnen und Schüler keinen Abstand zueinander halten: „In den Klassenräumen sitzen wir ganz normal nebeneinander, da haben wir keine 1,50 Meter Abstand zueinander“, erklärt Chantal Lewik (16).

Zwar halten beide Mädchen das Tragen der Masken für sinnvoll, aber: „Es ist schon sehr lästig, gerade bei den heißen Temperaturen schwitzt man, dann werden die Masken ganz nass und man kann nur schwer atmen.“

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Birgitt P., deren Sohn in die 6c geht und die vor dem Schulhof auf ihn wartet, hat wenig Verständnis für die Maskenpflicht. Nach dem ersten Schultag am Mittwoch habe sich ihr Sohn zu Hause beklagt, er bekomme durch die Maske nicht gut Luft. „Ich finde die Maßnahmen unangemessen und übertrieben. Mein Sohn muss den ganzen Tag seine Maske tragen und die Lehrer stehen ohne Maske vor den Kindern, das finde ich unfair“, sagt Birgitt P.

Keine Maskenpflicht für Lehrer

Das Schulministerium empfiehlt Lehrern zwar, während des Unterrichts einer Mund-Nase-Maske zu tragen. In den Regeln heißt es aber, solange der Abstandsregelung von 1,5 Metern eingehalten werden kann, darf diese zumindest zeitweise oder für bestimmte Unterrichtseinheiten abgenommen werden.

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Die Schüler beobachten unterschiedliches Verhalten ihrer Lehrer. „Mein Lehrer hatte die ganze Zeit eine Maske auf“, erzählt Jaro Walter (14). Sein Schulkamerad Faris Chamiek (15) hingegen sagt: „Von meinen Lehrern hat niemand eine Maske getragen.“

Die Schule kommt den Kindern momentan mit kurzen Tagen entgegen. „Die Stunden gehen nur noch 35 Minuten und nach der vierten Stunde haben wir hitzefrei“, erzählen die beiden Neuntklässler.

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Sportunterricht nur an der frischen Luft

Am Freitag soll Jaro Walter erstmals wieder Sportunterricht haben; dann wohl ohne Maske, aber mit Abstand.

Eine letzte Auflage des Schulministeriums beantwortet die neunjährige Annalena Helmer aus der 5b positiv: in den Klassenräumen „regelmäßig und wirksam“ zu lüften. Darauf legten die Lehrer großen Wert: „Die Fenster sind die ganze Zeit auf.“ Auf dem Heimweg schützt ihre Mutter sie: Damit Annalena nicht im vollen Bus sitzen muss, wird sie im Moment von ihrer Mutter morgens gebracht und auch mittags wieder abgeholt.

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