So kam es zum Corona-Ausbruch im Castroper Rochus-Hospital

hzInsider-Bericht

Im Rochus-Hospital in der Castroper Altstadt gab es neun Coronavirus-Infektionen. Jetzt ist klar, wie es zum Ausbruch kam. Die Krankenhaus-Leitung befürchtet, dass es nicht der letzte war.

Castrop-Rauxel

, 18.08.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Unkontrollierte Coronavirus-Infektionen im Krankenhaus: Ob sie vermeidbar sind oder nicht, ist schwer zu sagen. Fest steht: Sie verunsichern die Bevölkerung. Gerade, wenn man aufgrund einer Erkrankung auf eine Klinik angewiesen ist, will man sicher vor einer Ansteckung sein.

Das Rochus-Hospital in der Castroper Altstadt hat seit Dienstag (11.8.) Corona-Infizierte: Neun Personen steckten sich mit Covid-19 an. Doch der Träger, die Katholische St.-Lukas-Gesellschaft, hielt sich öffentlich bedeckt. Die Öffentlichkeit werde über das Gesundheitsamt informiert, hieß es.

So breiteten sich Informationen unkontrolliert aus: Am Tag des Ausbruchs gab es zunächst einen kurzen Hinweis aus internen Kreisen auf Facebook, dann Gerüchte, die im Internet schnell die Runde machten von bis zu 40 Infizierten. Einiges stellte sich später als Unwahrheit heraus. Am Abend erst informierte jemand: Bürgermeister Rajko Kravanja. Via Facebook.

Inzwischen sind viele Dinge klarer: Es gab neun Infizierte, zwei Patienten und sieben Mitarbeiter aus dem Pflege- und dem ärztlichen Dienst. Es gab fast 400 Corona-Tests bei Mitarbeitern und Patienten in der vergangenen Woche, die alle negativ waren, und diese Woche eine zweite Runde Tests, um sicher zu gehen, dass es keine falschen Ergebnisse gab und keine Infektionen, die sich zu dem frühen Zeitpunkt noch nicht durch Tests nachweisen ließen. Man will keine Lücken lassen.

Ausbruch auf der Intensivstation

Aber woher der Ausbruch kam? Wie er passieren konnte? Bisher war das unklar. Es rumorte im Rochus-Universum. Ein Person kontaktierte unsere Redaktion, um zu erzählen, was sie weiß – es handelt sich um Insider-Wissen. Die Quelle berichtete nun, dass der Ausbruch von einer der sensibelsten Stellen eines Krankenhauses kommt: aus der Intensivstation.

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Ein Patient habe das Virus unwissentlich und zunächst ohne Symptome eingeschleppt. Genau darin liegt die Tücke dieses neuartigen Coronavirus‘. Der/Die Patient(in) sei nicht mit einer Lungenerkrankung auf die Intensivstation gekommen, sei vom ärztlichen und vom Pflegepersonal behandelt worden – und habe so trotz aller Hygiene-Vorkehrungen das Virus weitergereicht. Beim Covid-Test-Abstrich soll wohl etwas schief gegangen sein.

Am Dienstag (11.8.) gegen Mittag wurde die Infektion bekannt. Dann setzte sich ein Prozess in Gang, an dessen Ende nach wenigen Tagen umfangreiche Tests standen. Auch hier ging es um die Nachverfolgung von Kontakten, um Menschen vorsorglich in Quarantäne zu verweisen. Aber aus Mitarbeiter-Kreisen heißt es: „Wir haben uns allein gelassen gefühlt, weil wir schleppend informiert wurden. Wir erfahren keine Wertschätzung, keine Anteilnahme – aber wir sind doch auch vom Ausbruch betroffen.“

„Angst vor Covid-19 habe ich nicht, aber Respekt“, sagt die Quelle. „Man ist vorsichtig, man weiß jetzt noch deutlicher, dass man auch infiziert werden kann und sein Umfeld anstecken könnte.“ Und doch: „Wir haben keine konkreten Hinweise von unserem Arbeitgeber bekommen, dass wir uns zum Beispiel privat besonders vorsichtig verhalten sollen.“

„Bevölkerung nicht unnötig verunsichern“

Die St.-Lukas-Gesellschaft nimmt auf Anfrage unserer Redaktion Stellung. „Alle Aspekte zum Ausbruchsgeschehen werden in enger Abstimmung mit dem Kreis Recklinghausen abgesprochen, um eine maximale Transparenz mit der Aufsichtsbehörde herzustellen“, so Standortleiter Oliver Lohr. „Dazu gehört auch, dass Presseanfragen zum Ausbruchsgeschehen und -management von der Pressestelle des Kreises beantwortet werden.“ Diese Vorgehensweise sorge dafür, dass Bevölkerung und Mitarbeitende nicht unnötig verunsichert werden. „Das Schüren von Ängsten durch Gerüchte und Behauptungen schaden der Bevölkerung und den Mitarbeitenden“, schreibt Lohr.

Oliver Lohr ist Standortleiter am Rochus-Hospital. Er sagt, dass man auch in Zukunft mit dem Coronavirus leben müsse. Ein Ausbruch wie dieser könnte für Krankenhäuser die neue Realität werden.

Oliver Lohr ist Standortleiter am Rochus-Hospital. Er sagt, dass man auch in Zukunft mit dem Coronavirus leben müsse. Ein Ausbruch wie dieser könnte für Krankenhäuser die neue Realität werden. © Tobias Weckenbrock

Für das St.-Rochus-Hospital könne man insoweit Auskunft erteilen, „dass alle stationären Aufnahmen grundsätzlich auf Covid-19 getestet wurden und werden“. Man richte sich nach den Richtlinien des Robert-Koch-Institutes, „um so eine größtmögliche Sicherheit für Patienten und Mitarbeitende zu gewährleisten“. Mitarbeiter könnten sich regelmäßig oder bei entsprechender Veranlassung testen lassen.

Im Rochus-Hospital sei eine Station für Corona-Patienten ausgewiesen. Lohr: „Über ein gestuftes System können wir die Kapazitäten, auch auf der Intensivstation, kurzfristig für Covid-19-Patienten anpassen.“

„Virus stellt dauerhafte Herausforderung dar“

Oliver Lohr erklärt mit dem Blick nach vorn: „In Zukunft werden alle Krankenhäuser mit vergleichbaren Ausbruchsgeschehen rechnen müssen. Der Coronavirus wird auf absehbare Zeit nicht verschwinden und stellt daher eine dauerhafte Herausforderung dar.“ In den Krankenhäusern der Lukas-Gesellschaft sei das Ausbruchsmanagement professionell organisiert.

Die neuen Testergebnisse werden bis Mitte der Woche erwartet. Auch bei einer großen Menge an Tests ist inzwischen gewährleistet, dass Getestete ihr Ergebnis innerhalb kurzer Zeit bekommen. „Ich hatte meine Testergebnis nach einem Tag“, berichtet unsere Quelle. „Ich würde mir aber wünschen, dass wir direkter informiert werden, wenn bei uns auf der Station ein Fall auftritt. Dass man genau gesagt bekommt, wie man zu handeln hat.“ Es würden zwar Zettel ausgelegt, irgendwo, oder man solle sich im Intranet informieren. „Und wir müssen bei vielen Dingen hinterher telefonieren.“

Rochus-Hospital schreibt an die Patienten

Auf ihrer Website informiert die Lukas-Gesellschaft die Castrop-Rauxeler Bevölkerung aktuell so: „Auch wenn Corona uns alle tief berührt, sind wir weiterhin und ganz besonders für alle unsere Patienten da! Bitte denken Sie daran, dass Sie bei uns gut aufgehoben sind, wenn Sie einer Behandlung in einem Krankenhaus bedürfen. Sollten Sie den Eindruck haben, dass sich Ihr Gesundheitszustand verschlechtert, scheuen Sie sich nicht uns aufzusuchen. Jegliche Art von Notfällen werden mit Herz und Kompetenz bei uns behandelt. Auch werden alle Patienten bevorzugt behandelt, bei denen ein „Warten“ eine Verschlechterung des Krankheitsverlaufes mit sich bringen könnte. Achten Sie auf sich und bleiben Sie gesund!“ Dr. med. Ralf Kötter, Ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Heiner Wolters, Ärztlicher Direktor (Sprecher), Dr. med. Hinrich Böhner, Ärztlicher Direktor
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