So vielfältig ist die Castrop-Rauxeler Tierwelt

Renaturierung der Emscher

Dass die Emschergroppe - ein Süßwasserfisch - tatsächlich im Deininghauser Bach auf Schmusekurs geht und sich vermehrt, hätte niemand beim Startschuss der Renaturierung der Emscher und ihrer Nebenläufe vor rund 25 Jahren gedacht. Wir haben uns diese "neue" Tierwelt in Castrop-Rauxel einmal näher angeschaut.

CASTROP-RAUXEL

, 27.08.2016, 05:52 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Emschergroppe ist zurück - ein Beleg für die geglückte Renaturierung.

Die Emschergroppe ist zurück - ein Beleg für die geglückte Renaturierung.

„Nach über 100 Jahren vermehren sich die Groppen erstmals wieder in den Emscher-Läufen“, berichtete Ilias Abawi, Sprecher der Emschergenossenschaft, freudig.

Vom fischreichen Fluss zum Abwasserkanal

Kaum ein anderer Fluss als die „Köttelbecke“ erlebte eine so abwechslungsreiche Geschichte. Vom einstigen fischreichen Tieflandfluss entwickelte sich die Emscher zum Abwasserkanal eines der am dichtesten besiedelten industriellen Ballungsräume Europas. Seit Anfang der 1990er-Jahre verwandelte die Emschergenossenschaft zahlreiche Abwasserläufe wieder zu naturnahen Fließgewässern.

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In Castrop-Rauxel machte der Deininghauser Bach den Anfang. Eine Population Groppen überlebte in einem isolierten Abschnitt der Boye in Bottrop. Ein Teil der Tiere wurde in sieben neu gestaltete Gewässer umgesetzt. „Mit dem Emscher-Umbau schenken wir den einst geschwundenen Bächen dieser Region neues Leben, und die Natur nimmt dieses Leben an“, sagt Uli Paetzel, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft.

Große Amphibienvielfalt in Castrop-Rauxel

Auch um andere Wassertiere stehe es gut: Laut Diplom-Biologe Thomas Prolingheuer bei einem Vortrag im Umweltschausschuss gebe es ein große Vielfalt an Amphibien in Castrop-Rauxel - was in der Art bis jetzt unbekannt war.

Vor mehr als zwei Jahren – vor dem Pfingststurm Ela und danach – hat das Büro einen Pflege- und Entwicklungsplan für die RVR-Flächen in Castrop-Rauxel erstellt. Dabei herausgekommen ist quasi eine Bestandsaufnahme der heimischen Tier- und Pflanzenwelt: In der Stadt gibt es fast 400 Höhlenbäume, vier Horstbäume und viele mit Nisthilfen, im Naturschutzgebiet Schlaan sind verschiedene Seggenarten (Sauergrasgewächse) zu finden. Und selbst Orchideen finden in dieser Stadt fruchtbaren Boden.

60 Vogelarten wurden gezählt

„Es gibt sieben Fledermausarten, darunter auch die seltenere Art Bartfledermaus“, so Biologe Prolingheuer. 60 Vogelarten wurden gezählt - im feuchteren Norden, wo besonders viele Pappeln stehen, befindet sich ein Bruthabitat von Kleinspechten. Den Eisvogel gibt es in Castrop-Rauxel auch, davon berichtet August Wundrok, der Chef der DoCas-Blinker, schon seit Jahren.

Bei Amphibien und Reptilien gibt es ebenfalls eine bemerkenswerte Entwicklung. Den Bestand von mehr als 1000 Grasfröschen hält Biologe Prolingheuer für ein landesweit bedeutsames Vorkommen. Dass Frösche und Co. sich bei uns so wohl fühlen, ist einem gar nicht schönen Umstand zu verdanken: „Die vielen Bombentrichter aus dem Krieg bilden ideale Lebensbereiche für Amphibien“, so Prolingheuer. 

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