Die einen bauen Gemüse und Obst an, andere haben Hühner und Tauben, andere bringen Hunde in Zwingern unter – an der Victorstraße wurden über Jahrzehnte Parzellen unterschiedlich genutzt. Jetzt stellt die Stadt unzulässige Bebauung fest. © Ronny von Wangenheim
Meinung

Stadt muss kreative Lösungen für Laubenbesitzer an der Victorstraße finden

Jahrzehntelang entwickelte sich illegale Bebauung auf einer Grünfläche an der Victorstraße. Jetzt handelt die Stadt. Aber kann sie einfach den Rückbau verlangen? Ein Kommentar.

Man stelle sich vor: Jahrzehntelang ist ein kleines Fleckchen Erde ein Rückzugsort für Menschen. Vielleicht inzwischen schon in zweiter oder dritter Generation. Mit den Jahren hat man die eine oder andere Gartenlaube gebaut oder einen Stall für die Hühner. Und jetzt soll das alles illegal sein und im schlimmsten Fall abgerissen werden?

So einfach kann es sich die Stadt nicht machen. Denn die Grundstückseigentümer und deren Pächter haben zu Recht Fragen. Vor allem: Warum wurde in der Vergangenheit nie eingegriffen? Hat die Stadt nie diese Grundstücke kontrolliert? Ist die illegale Bebauung, gut einsehbar im Vorüberfahren, nie aufgefallen? Da hätte im Vorfeld manche Bebauung rechtzeitig abgebogen werden können. Oder wurde das stillschweigend geduldet?

Warum also jetzt? Tatsache ist, dass erst ein besorgter Bürger die Sache ins Rollen gebracht hat, als er bei der Stadt und anderswo wiederholt die enge Bebauung kritisierte, fehlende Rettungs- und Anfahrtswege für Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge anmahnte und die Stadt damit zum Handeln zwang.

Sicherheit sollte überprüft werden

Rettungswege überprüfen, die vor allem im Osten dichte Bebauung auf diese Sicherheitsaspekte kontrollieren, ist sicherlich geboten – und dies auch schnell und mit Konsequenzen.

Für alles andere könnte sich die Stadt meines Erachtens Zeit lassen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass, so ganz ohne Wasser und Strom, hier Menschen öfter übernachten oder sogar wohnen. Es ist gut, dass Stadtbaurätin Bettina Lenort zugesagt hat, dass jeder einzelne Fall individuell geklärt werden soll. Vielleicht findet sich dabei ja noch die eine oder andere Genehmigung für Hütten. Wobei, nebenbei gesagt, ich es seltsam finde, dass die Stadt oder das Grundbuchamt keinerlei Unterlagen zu dem Gelände und seinem Ursprung haben sollen.

Angesichts der Vorgeschichte ist die Stadt verpflichtet, kreative Lösungen zu entwickeln. Vielleicht findet sich ja eine legale Möglichkeit, einzelne Gartenlauben stehen zu lassen, in denen der Liegestuhl oder die Heckenschere lagert. Das wäre zu wünschen: Damit Castrop-Rauxeler hier auch weiter einen Erholungsort in der Natur genießen können.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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