Daniel Djan im Gastbeitrag: „Du kommst nach Hause und findest dort nichts“

Welt-Suizidpräventionstag

Heute ist Welt-Suizidpräventionstag. Die Jusos starten dazu nun eine Initiative. Im Gastbeitrag erklärt der Chef, warum.

Castrop-Rauxel

von Daniel Djan

, 10.09.2019, 14:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Daniel Djan im Gastbeitrag: „Du kommst nach Hause und findest dort nichts“

Daniel Djan ist Juso-Chef in Castrop-Rauxel. © SPD

Mit der Initiative „Come Together“ möchten die Jusos gegen Einsamkeit und Isolation vorgehen. „Mir ist klar, dass sich die ein oder andere Person fragen wird, was ein Haufen junger Menschen mit dem am Hut haben könnte“, sagt Daniel Djan, Vorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation in Castrop-Rauxel. „Einsamkeit ist ein Thema, das uns alle betrifft“, meint er.

Am 10. September ist weltweiter Suizidpräventionstag. „Wir möchten dieses Datum nutzen, um Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind, einen kleinen Hoffnungsschimmer und eine weitere Anlaufstelle zu bieten“, so der Juso. In einem Gastbeitrag erzählt Djan eine persönliche Geschichte:

Ohne Sicherheitsnetz

„In den vergangenen Wochen war ich vermehrt in Einrichtungen in Castrop-Rauxel und habe mit verschiedenen Personen über die Problematik der Einsamkeit und Isolation und die Gefühlslage, die damit verbunden ist, gesprochen: im Seniorenzentrum, in psychiatrischen Einrichtungen.

Juso-Projekt

SPD möchte Castrop-Rauxeler einander näher bringen

Die Jugendorganisation der SPD möchte unter dem Motto „Come Together“ versuchen, Castrop-Rauxeler einander näher zu bringen. „Dieses Projekt ist im Grunde genommen erst einmal ein Experiment“, erklärt der Vorsitzende Daniel Djan. „Wie viele Castrop-Rauxeler bekommen wir zusammen, die sich dann entweder Eins-zu-Eins mit einem von uns oder anderen Freiwilligen oder auch in Gruppen zusammensetzen und einfach mal über verschiedene Themen reden – abseits von Facebook und Co.“ Wer Interesse am Juso-Projekt hat, kann sich bei Daniel Djan melden: Mail an jusos@spd-castrop-rauxel.de oder per Tel. (01575) 1125041.
Ein Satz eines suchtkranken Menschen ist besonders hängen geblieben: Wir sprachen über Gründe, weswegen es für ihn so schwierig ist, sich aus seiner Situation zu befreien. ‚Du kommst von deiner Therapie nach Hause und findest dort nichts‘, sagte er zu mir. Es ist fast unmöglich, sich ohne ein Sicherheitsnetz aus Familie, Freunden und Bekannten aus solchen Lebenslagen herauszukämpfen.

Suche nach Geborgenheit und Freundschaft

Suchterkrankungen sind nicht die einzige Folge oder Nebenwirkung von Einsamkeit. Auch das Abrutschen in Extremismus oder Fundamentalismus gehört dazu. Extremistische Kräfte haben genau diesen Schwachpunkt unserer Gesellschaft für sich entdeckt und wissen, nach welcher Art von Personen sie suchen müssen. Es sind oftmals nicht Leute, die mit dieser Art von Gedankengut geboren wurden, sondern Menschen, die ein verkümmertes soziales Umfeld haben und nach Geborgenheit und Freundschaft suchen.

In diesen Gruppen wird solchen Leuten dieses Gefühl gegeben – die einstmals Abgehängten haben dort ein Netzwerk an Personen, auf die sie sich verlassen können, die mit ihnen reden und mit denen sie ihre Zeit verbringen können.

„Meine Ex-Freundin nahm sich das Leben“

Manchmal wählen diese Personen aber einen anderen Ausweg: den Suizid. Auch ich bin von solch einem Fall betroffen: Anfang dieses Jahrzehnts nahm sich meine Ex-Freundin mit Anfang 20 das Leben. Ich lebte zu dieser Zeit in London und fiel in ein tiefes Loch. Es ist schwierig zu beschreiben, was solche Schicksalsschläge auslösen. Du bist hilflos, fragst dich: Was du hättest anders machen können? Du machst dir Vorwürfe, und mit der Zeit zerfrisst dich dieser Gedanke. Du isolierst dich und versuchst, irgendwie mit diesem Schmerz klarzukommen.

Es hat Jahre gedauert, bis ich mich aus diesem Loch befreien konnte. Ich hätte es niemals ohne meine Freunde, Familie und professionelle Hilfe geschafft. Ich weiß aber, dass nicht jeder Mensch privilegiert genug ist, sich auf solche Menschen verlassen zu können. Ich möchte, dass wir alle uns in unserem Umfeld umschauen. Gibt es da eine Person, die es nicht aus eigener Kraft schaffen könnte, sich aus ihrer Isolation zu befreien? Es ist unsere Pflicht, auf diese Menschen zuzugehen und ihnen Hilfe anzubieten.

‚Come Together‘ sang John Lennon. Wir werden sicherlich nicht für das Ende der Einsamkeit sorgen, aber vielleicht können wir unseren Teil dazu beitragen.“

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