Tätowiererin Raissa Helm (30): „Wir haben in der Politik keine Lobby“

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Tattoostudios dürfen weiterhin nicht öffnen, Kosmetiker schon. Die Castrop-Rauxeler Tattoostudio-Inhaberin Raissa Helm wählt nun einen drastischen Weg, um bald wieder arbeiten zu können.

Castrop-Rauxel

, 12.05.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit 2013 betreibt Raissa Helm (30) gemeinsam mit ihrem Mann Aaron das Tattoostudio Art-Effect in Castrop-Rauxel. Vor zwei Jahren zogen sie mit dem Unternehmen in die insgesamt 270 Quadratmeter großen Räume an der Von-Hoffmann-Straße 2 in Rauxel.

Die Nachfrage nach Tattoos und Piercings ist ungebrochen, Kunden warten mehrere Wochen auf neue ihren neuen Termine. Doch seit dem 17. März geht im Tattoo-Gewerbe gar nichts mehr. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten die Tattoostudios schließen und dürften auch nach der neuen Verordnung vom 8. Mai nicht wieder öffnen - Kosmetiker, Nagelstudios, Maniküren und Massagebetriebe hingegen schon. Auch Botox-Behandlungen oder Tattooentfernungen sind laut Verordnung erlaubt.

„Eine Tattoo-Entfernung ist ein viel hautverletzender Eingriff, ich spreche da aus Erfahrung“, sagt Raissa Helm. „In der Politik sitzt nicht unser Kundenstamm, wir haben keine Lobby. Wir sind mit den Nerven am Ende.“

Tätowierer hielten sich schon vor Corona an die Schutzverordnung

Sie und ihr Mann hatten zwar die Soforthilfe beantragt und nach fünf Wochen Wartezeit das Geld bekommen, doch das reicht lediglich, um noch die Miete für den Juni bezahlen zu können.

Warum Tattoostudios nicht öffnen dürfen bleibt ihr ein Rätsel. „Wir haben hygienetechnisch alles, was nun gefordert wird, sowieso standardmäßig eingehalten - schon lange vor Corona. Desinfektionsmittelspender in jedem Raum, Einweghandschuhe, Mundschutz, Kittel. Die Kunden füllen sogar einen Anamnesebogen aus“, sagt Raissa Helm und fügt an: „Außer im Krankenhaus und beim Arzt gibt es keine Institution, bei der mehr Hygiene herrscht als bei uns.“

Eine Antwort suchte die Castrop-Rauxelerin auch bei Bürgermeister Rajko Kravanja, der ihr jedoch im persönlichen Gespräch auch nicht helfen konnte. „Er würde gerne helfen, kann es aber einfach nicht“, so Raissa Helm.

Raissa und Aaron Helm wollen die Öffnung nun einklagen

Daher streben Raissa und Aaron Helm nun den Weg über einen Anwalt an. Sie wollen mit einer Klage die Öffnung von Tattoostudios bewirken. Ein Eilverfahren hatte bereits in Schleswig-Holstein dazu geführt, dass ein Tätowierer wieder seiner Arbeit nachgehen kann. Lediglich Gesichtstattoos sind verboten.

Damit hätte Raissa Helm aber gar kein Problem: „Es gab bei uns bislang lediglich zwei Gesichtstattoos. Ein Verbot ist für uns also leicht umsetzbar.“

Die Castrop-Rauxelerin möchte einfach nur wieder ihrem Job nachgehen können. Und ihre Kunden würden sich das natürlich auch wünschen. Raissa Helm zeigt das anhand von Zahlen auf: Knapp 140 Termine musste sie aufgrund der Corona-Krise absagen. Diese sollen mithilfe der Klage schnellstmöglich nachgeholt werden.

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