Warum zeigt die Polizei eigentlich keine Überwachungsfotos von den Tankstellen-Überfällen?

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Die Tankstellen-Überfälle in Castrop-Rauxel sind noch nicht aufgeklärt. Warum veröffentlicht die Polizei keine Bilder? Diese und andere Fragen aus der Stadt haben wir der Polizei gestellt.

Castrop-Rauxel

, 13.11.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Überfall-Serie auf Tankstellen in Castrop-Rauxel sorgt nach wie vor für Gesprächsstoff. Viele Menschen fragen sich dabei, was denn die Polizei überhaupt tut, um die Serie aufzuklären und weitere Taten zu verhindern.

Leser Rainer Guß etwa fragt: „Weshalb werden keine Videoaufnahmen, auf denen die Täter zu sehen sind, veröffentlicht? Wenn das erst wieder mit einem Abstand von vielen Monaten geschieht, macht das doch nur noch die inzwischen zu beobachtende Hilflosigkeit unseres Rechtssystems noch deutlicher.“

Wir konfrontierten Polizei-Pressesprecher Michael Franz mit dieser und drei anderen wichtigen Fragen im Zusammenhang mit den Überfällen.

1. Warum werden keine Fotos der Täter veröffentlicht?

Laut Michael Franz ist die Gesetzeslage da sehr eindeutig: „Die Öffentlichkeitsfahndung mit Fotos ist das letzte Mittel zur Identifizierung von Tatverdächtigen und darf nur angewandt werden, wenn alle anderen Ermittlungsansätze ausgeschöpft sind.“ Erst dann könne die Staatsanwaltschaft bei Gericht beantragen, Fotos zu veröffentlichen.

Franz weiter: „Letztlich ist das ja ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, auch wenn es sich um Straftäter handelt. Sie wissen ja: Das Netz vergisst nichts.“ Darum würden die Gerichte genau abwägen, wann Fotos veröffentlicht werden dürfen.

2. Welche Ermittlungsansätze hat die Polizei denn?

Laut Franz seien die Kriminalpolizei und der Erkennungsdienst noch damit beschäftigt, alle Spuren der einzelnen Tatorte auszuwerten. Das könne wichtige Hinweise auf die Täter liefern. Es gibt eine Ermittlungskommission in dieser Überfall-Serie.

Warum zeigt die Polizei eigentlich keine Überwachungsfotos von den Tankstellen-Überfällen?

Polizei-Pressesprecher Michael Franz sprach mit uns über die Tankstellen-Überfälle. © Tobias Weckenbrock

Außerdem sei man nach wie auf der Suche nach Zeugen. Franz: „Bisher haben wir vor allen Dingen die Videobilder und die Aussagen der Überfallenen. Wir sind weiter auf der Suche nach Zeugen aus der Bevölkerung, die möglicherweise Beobachtungen gemacht haben, die uns helfen können.“

Außerdem gebe es andere Ermittlungsansätze, die Franz aber aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht nennen will. Man wolle die Täter nicht aufmerksam machen.

3. Was kann die Polizei zur Prävention tun?

Auf Facebook regte Leser Manfred Herold an, doch einfach vor jede Tankstelle einen Streifenwagen zu stellen: „Dann erwischen sie zwar auch niemanden, aber der Effekt ist der gleiche.“

Ob der Vorschlag nun ernst gemeint ist oder nicht: Für die Polizei wäre eine solche Maßnahme nicht durchführbar. „Sie wissen doch, wie viele Tankstellen es in Castrop-Rauxel gibt. Und dann noch die ganzen Kioske. So viele Fahrzeuge haben wir nicht“, sagt Michael Franz dazu.

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Man habe die Streifenfahrten in Castrop-Rauxel aber deutlich verstärkt und auch andere Maßnahmen veranlasst, die Franz wiederum aus taktischen Gründen nicht nennen wollte.

4. Was kann denn die Bevölkerung tun?

Dazu fällt Michael Franz eine Menge ein. „Wir wünschen uns - nicht nur in diesem Fall übrigens - eine aufmerksame Bevölkerung, die uns verdächtige Vorgänge sofort meldet“, so Franz.

In diesem Fall etwa gehe man davon aus, dass die Täter ihre Tatorte vor den Überfällen ausbaldowerten. Franz: „Die Täter müssen vorher am Tatort gewesen sein.“ Wer also Menschen sehe, die an möglichen Tatorten herum lungern, wer Fahrzeuge mit Menschen darin verdächtig lange an bestimmten Stellen stehen sähe, der solle dringend und schnell unter 110 die Polizei alarmieren.

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„Denn dann“, so Franz, „können wir schnell vor Ort sein und Kontrollen durchführen.“ Auch die Kunden der überfallenen Tankstellen könnten als Zeugen helfen. Die Täter hätten offensichtlich immer gewartet, bis kein Kunde an der Tankstelle war. Franz: „Die müssen also in näherer Umgebung gewartet haben. So ein Trio ist dann ja vielleicht jemandem aufgefallen.“

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