Polizist mit Faust ins Gesicht geschlagen: Es war einer seiner schlimmsten Einsätze

hzGericht

Für den Polizeibeamten war es einer der schlimmsten Einsätze seiner Laufbahn. An einer Tankstelle boxte ihn ein 27-Jähriger ins Gesicht. Jetzt trafen sich die beiden vor Gericht.

Castrop-Rauxel

, 03.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Einsatz an der Tankstelle in Henrichenburg wird der 46-jährige Polizist so schnell nicht vergessen, obwohl bereits über ein Jahr vergangen ist. In dieser Nacht wurde ihm, so die schmerzhafte Erinnerung, der heftigste Schlag verpasst, den er in 22 Dienstjahren kassieren musste.

Vor dem Strafrichter am Amtsgericht Castrop-Rauxel wurde dieser Einsatz noch einmal aufgerollt. Gegen 3.30 Uhr am frühen Morgen ging bei der Einsatzstelle ein Anruf ein. Augenzeugen meldeten eine Schlägerei.

Ein Angeklagter fehlte

Vor Ort trafen die Beamten auf zwei Männer, den 27-jährigen Angeklagten und seinen Begleiter, der den Termin im Gericht jedoch schwänzte.

Die Beiden sollen, so das Protokoll, an dem Tag der Tankstellen-Schlägerei sofort sehr aufbrausend und aggressiv gewesen sein, vor allem der im Gericht anwesende Angeklagte. Wüste Beleidigungen, dazu heftiger Widerstand, als die Polizisten, die sich bedroht fühlten, dem Angeklagten Handfesseln anlegen wollten.

Grund auch, weitere Streifenwagen zur Unterstützung anzufordern. Der heftige Schlag, den der 46-jährige einstecken musste, konnte jedoch nicht verhindert werden. Obwohl sich der Beamte vorsorglich mit einem Einsatzmehrzweckstock ausgestattet hatte.

Nach dem Schlag vor den Kopf sah er Sterne, Ärzte stellten später ein Schädelhirntrauma, schwere Prellungen und Schürfwunden fest. 13 Tage war der 46-Jährige arbeitsunfähig.

Böse Verletzungen

Auch der Angeklagte trug böse Verletzungen davon. Hämatome und ein Riss im Jochbein. Weil er bei dem Versuch der Polizisten, ihn zu überwältigen, in ein mit Steinen begrenztes Blumenbeet gefallen war, dazu, beim heftigen Gerangel, das Knie eines Polizisten seinen Kopf traf. Die Verletzungen waren so stark, dass der Arzt ihn für nicht gewahrsamsfähig erklärte und in ein Krankenhaus bringen ließ. Drei Wochen konnte er danach nicht arbeiten.

„Es war so, das ist nicht zu entschuldigen“, sagte der Angeklagte. Und erklärte dann auch die Beobachtung der Polizisten, die ausgesagt hatten, dass er extrem aggressiv war. Kokain. Konsumiert auf der Feier in Ratingen, die er mit seinem Kumpel zuvor besucht hatte. Andere Gäste hatten das Duo auf dem Heimweg mitgenommen und an der Tankstelle aussteigen lassen.

Bewährungsstrafe

Obwohl die Drogen enthemmend gewirkt haben, sahen Staatsanwaltschaft und Richter die Anklage als erwiesen an. Das Urteil: ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung für den bislang unbescholtenen 27-Jährigen. Außerdem muss er 1000 Euro Schmerzensgeld an den verletzten Polizisten zahlen. Sein Kollege wurde in Abwesenheit zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt. Er soll, so die Zeugenaussagen, bei den Beleidigungen mitgewirkt haben, nicht aber bei den Körperverletzungen.

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