Telekom um mehr als 10.000 Euro geprellt

hzGericht

Nach dem Verkauf seiner Firma bestellte der Chef noch Sim-Karten. Seither wartet die Telekom auf mehr als 10.000 Euro. Jetzt wurde der Fall vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel verhandelt.

Castrop-Rauxel

, 04.01.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor fast zwei Jahren, Mitte Januar 2017, soll der heute 46-jährige Castrop-Rauxeler in einem Hertener Telekom-Shop 15 Sim-Karten für Smart-Phones bestellt haben. Für seine Firma, deren Existenz er per Handelsregisterauszug nachgewiesen habe.

In Wirklichkeit hatte er zu diesem Zeitpunkt seine insolvente Firma bereits verkauft. Hatte zwei Wochen zuvor 1000 Euro und die Übernahme der Schulden ausgehandelt und die Firma einem Nachfolger übergeben.

Angeklagter gab sich ahnungslos

Die Telekom-Rechnung wurde nie bezahlt. Der Angeklagte vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel, von dem die Telekom 10.828,80 Euro fordert, gab sich völlig ahnungslos. „Ich war in meinem ganzen Leben noch nicht in Herten“, hieß es. Weiter berief er sich darauf, dass die Firma zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ihm gehörte.

Ob er damit die Schuld dem neuen Inhaber zuweisen wollte, war nicht eindeutig. Klar war dagegen, dass er auch später noch in den Firmenräumen präsent war, wollte dort eine neue Firma aufziehen.

Paketlieferung bestätigt

Das bestätigte eine ehemalige Mitarbeiterin im Zeugenstand. Eine 38-Jährige, die in die neu zu gründende Firma übernommen werden sollte. Und immer noch arbeitete, obwohl sie in den Monaten zuvor so gut wie kein Gehalt erhalten hatte.

An den 20. Januar, als das Paket von der Telekom geliefert wurde, erinnerte sie sich gut. Berichtete, dass der Chef selbst nicht da war, ihr aber eingeschärft hatte, auf jeden Fall da zu bleiben, die angekündigte Lieferung anzunehmen.

Handyvertrag angeboten

Später am Tag habe er ihr einen guten Handyvertrag angeboten, den sie aber ablehnte. Dafür bekam sie, so ihre Aussage, mit, dass der Angeklagte einigen anderen Mitarbeitern Sim-Karten gegeben habe.

Klar ist, dass die Karten eifrig genutzt wurden. Bis die Telekom die Karten am 23. Februar 2017 sperrte, standen bereits über 10.000 Euro auf der Soll-Seite.

Selbst zu diesem Zeitpunkt gehörte die Firma laut Handelsregister noch immer dem Angeklagten. Erst im Mai 2017 erfolgte der Eintrag, dass der Firmensitz nach Duisburg zum neuen Inhaber verlegt worden war.

Pfändung nur auf dem Papier

Die Behauptung des Angeklagten, seine Mitarbeiterin sei am Tag der Paketlieferung krank gewesen, widerlegte er selbst mit einer Chat-Nachricht. Die nannte als Fehltag den 26. Januar, was von der Zeugin nie bestritten wurde.

Damit stand für die Staatsanwaltschaft fest, dass sich der Angeklagte nach der Pleite seiner Firma noch einmal gütlich tun wollte und forderte eine halbjährige Bewährungsstrafe.

Das griff der Richter mit seinem Urteil auf. Beschloss zudem die Einziehung von 10.828 Euro. Was wohl nur eine theoretische Pfändung darstellt, denn die neue Firma des 46-Jährigen ist auch schon wieder Geschichte.

Lesen Sie jetzt