Thema der Corona-Diskussion: Schaden Atem-Masken unseren Kindern?

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Das Tragen von Masken lehnt er nicht kategorisch ab. Er sagt, er kenne sich gut mit Atemschutz aus. Aber er meint, dass Kinder daran krank würden. Was ist dran an Tim Weinerts Masken-Thesen?

Castrop-Rauxel

, 23.10.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

In den weiterführenden Schulen kommt nach den Herbstferien die Pflicht für die Schüler, Masken zu tragen. Zusammen mit einem intensiven Lüften der Klassenzimmer will man angesichts der hohen Corona-Inzidenz in Castrop-Rauxel und im ganzen Land vermeiden, dass nun Schulen zu neuen Virenschleudern werden.

Die Mund-Nase-Schutzmaske ist für uns inzwischen zu einem Alltagsbegleiter geworden. Seit mehr als einem halben Jahr brauchen wir sie in Geschäften, inzwischen auch auf den Tribünen der Sportplätze, in Krankenhäusern und engen Räumen, wo wir die gebotenen Abstände zu anderen Menschen einfach nicht einhalten können.

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Wissenschaftlich ist inzwischen auch anerkannt, dass sogar selbstgenähte Masken, die als Alltagsmasken bezeichnet werden, einen Effekt haben können: Sie verringern das Risiko der Tröpfcheninfektion beim Gegenüber allein schon dadurch, dass sie beim Husten oder Niesen die meisten Tröpfchen aufhalten. Eine gute und einfache Erklärung, für Kinder gemacht, bietet ein Beitrag der „Sendung mit der Maus“, in dem unterschiedliche Masken-Typen und ihre Wirkung mit einer Spezialkamera untersucht wurden. (In der ARD-Mediathek zu finden.).

Ist ein Kritiker ein Leugner oder „Querdenker“?

Doch es gibt Kritiker des Maskentragens. Als ein solcher positionierte sich der Castrop-Rauxeler Tim Weinert gegenüber unserer Redaktion. Der Chemiemeister sagt, er sei von Berufs wegen Experte. „Es geht mir um die Gesundheit der Kinder.“ Drei Kinder hat der Castrop-Rauxeler und findet, dass sie und alle anderen Kinder unter dem Tragen der Masken litten. 7, 13 und 17 Jahre alt seien sie. Dass nun Maskenpflicht in weiterführenden Schulen gelten soll, bereite ihm Sorge.

„Ich bin sprachlos, was zum Thema Masken gerade passiert“, sagt Weinert. Jede Schraube, jedes Spielzeug werde vor Markteinführung genauestens geprüft, „aber ein Atemschutz, das, was wir unseren Kindern vor die Münder halten, nicht?“, fragt er.

Masken-Totraum als CO2-Sammelhöhle?

Dabei gebe es so viel zu bedenken: Ist der Totraum zwischen Stoff, Mund und Nase von der Größe passend? Es könnte sich CO2 vom Ausatmen ansammeln. Wird in angemessener Weise auf die Einhaltung der Hygiene geachtet? „Ich bin Chemikant, komme aus der Pharmaindustrie und weiß, wovon ich rede. Aber ich stelle fest: Es hat keiner den Mut, das Maskentragen zu hinterfragen.“

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Was erlaubt ist, kann nicht schädlich sein: Das schrieben wir kürzlich in einer Kolumne. „Vertrauen Sie wirklich zu 100 Prozent dem, was die Politik vorgibt? Was die Politik macht, ist ein Wahnsinn!“, so Weinerts Meinung.

Er habe Gespräche mit Lehrern geführt, sagt er. „Die sind selber verzweifelt. Sie versuchen nur, einem möglichen Bußgeld zu entkommen. Keiner glaubt, dass die Stofflappen wirklich wirken.“ Viele Lehrer allerdings, mit denen unsere Redaktion immer wieder in der Corona-Phase seit März sprach, glauben auch an die Wirksamkeit von Masken.

„Ich versuche zu verstehen“

Die Maske als ein Symbol zu verstehen, dass die Gesellschaft achtsam mit der Pandemie umgehe, sei auch Tullux: „Kindern die Atmung zu versperren, ist für mich ein Verbrechen“, sagt Weinert. Er werde alles dafür tun, dass seine Kinder die Masken nicht tragen müssten, spreche mit Kindern und Eltern. „Ich versuche zu verstehen, was gerade passiert“, so Weinert.

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Dabei ist wissenschaftlich belegt, dass man das eigene ausgeatmete Kohlendioxid gar nicht selbst wieder einatmet. Kohlenstoffdioxid-Moleküle seien viel zu klein, um von Atemmasken zurückgehalten zu werden, heißt es auf tagesschau.de, wo die Teilchengrößen ausführlich dargelegt sind. Kohlendioxid kann man demnach nur mit hochkomplexen Spezialfiltern aus der Luft trennen.

Tim Weinert führt Beispiele wie dieses an: „Ich war auf Elternpflegschaftssitzungen, da haben Eltern nach einer Viertelstunde die Maske runtergenommen, zum Teil auch unterbewusst. Das tun sie nicht aus Spaß, das eigene Unterbewusstsein reguliert das, weil der Körper versteht, dass etwas nicht richtig ist.“ Er selbst werde in seinem Beruf jedes Jahr zweimal medizinisch untersucht, ob er gesundheitlich in der Verfassung ist, Atemschutz überhaupt tragen zu dürfen.

Gefahr nur bei Schnorchelmasken

Potenziell gefährlich sind laut Tagesschau-Recherchen aber lediglich Masken, die den Gesichtsbereich fest abschließen und dabei den Luftaustausch behindern, zum Beispiel bestimmte Schnorchelmasken.

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In den Niederlanden, wo im Sommer so gut wie niemand Masken trug, laufen die Infektionszahlen gerade davon. Tim Weinert dagegen sagt zur aktuellen Situation: „Die Krankenhäuser bei uns sind doch immer noch leer. Wir haben 1,5 Millionen Tests in der Woche inzwischen, aber doch keine Überlastung des Gesundheitssystems.“ Inzwischen sollen aber schon Anfragen aus den Niederlanden gekommen sein, um Patienten in Deutschland zu versorgen.

Das ist zurzeit möglich, weil noch reichlich Beatmungs- und Intensivbetten frei sind. Im Kreis Recklinghausen sind 246 Intensivbetten in der Karte des Intensivregisters vermerkt. 172 sind belegt (Stand: 22.10.), 74 sind frei. Die Zahl der Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung liegt bei 7. 2 Infizierte werten invasiv beatmet.

Wird die Gesellschaft traumatisiert?

Im Fitnessstudio, sagt Tim Weinert, seien Leute zunehmend aggressiv zueinander: Wenn Geräte und Hände nicht desinfiziert werden und Abstand nicht gehalten wird, drehten viele gleich durch, habe er beobachtet. „Können wir zulassen, dass eine Gesellschaft so traumatisiert wird?“, fragt Weinert.

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Am Ende des Telefonats mit unserer Redaktion sagt Weinert in Richtung anderer Eltern: „Ich bin dagegen, aber wenn ihr Kindern eine Maske aufsetzen müsst, wählt den Stoff so dünn wie möglich und legt die Maske eng an. Wechselt sie regelmäßig.“ Er sieht wegen des unhygienischen Umgangs mit dem Mund-Nase-Atemschutz bronchiale Infekte oder Pilzbefall an Zähnen bei unseren Kindern auf uns zukommen.

Das Problem der Hygiene ist nicht von der Hand zu weisen: In jeder Art von Maske sammelt sich Kondenswasser. Darin können sich Keime ansiedeln. Die wichtigsten Pflege-Empfehlungen lauten deshalb: Häufig bei mindestens 60 Grad waschen, bei 80 Grad für zehn Minuten in den Backofen legen oder bügeln. Dazu möglichst nirgends ablegen und wenig anfassen.

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„Es geht mir um die Gesundheit der Kinder“, sagt Tim Weinert. Ähnlich sieht das unsere Leserin Britta Nogueiras, die bei Facebook kommentiert: „Wer haftet eigentlich für eventuelle Spätfolgen? Warum konnte man sich in den letzten Monaten nicht bessere Alternativen im Schulunterricht einfallen lassen?“

Viele Gegenstimmen und gute Tipps

Doch es gibt viele Gegenstimmen. Carmen Keruth kommentiert ebenfalls auf Facebook: „Wenn man die Schüler fragt, haben die meisten kein Problem damit.“ Besser Maske im Unterricht als Homeschooling, findet eine andere Mutter. Kati Romeike schreibt: „Mal eine sachliche Anmerkung an all die Eltern, deren Kinder wirklich Probleme haben mit der Maske: Probiert euch durch die Masken! Meine Kinder kommen mit verschiedenen Modellen besser oder schlechter zurecht.“ Sie bevorzuge Einwegmasken oder einen bestimmen Schnitt mit weichen Bändern. Und sie sagt: „Wir wechseln sie mehrfach am Tag.“

Sabrina Ludolf meint: „Es ist eine Maske, keine Plastiktüte überm Kopf. Ich frage mich wirklich, warum die Deutschen immer Probleme suchen, statt Teil der Lösung sein zu wollen. Dazu noch unbelehrbar. Wozu das führt, können wir aktuell alle miterleben.“

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