Tool of Time: Ein Schlaraffenland für Handwerker und die, die es gerne sein wollen

hzGeschäftswelt

Schweres Gerät kaufen, geht schwer ins Geld. Tool of Time an der Ringstraße in Castrop-Rauxel bietet Abhilfe: Mieten statt kaufen. (Hobby-) Handwerker können 380 verschiedene Geräte mieten.

Castrop-Rauxel

, 05.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hammer und Schraubendreher werden die meisten Hobby-Handwerker noch gerade so zu Hause haben. Aber wenn es dann um die größeren Projekte geht, stellt sich schnell die Frage, ob es sich lohnt, schwerere Geräte zu kaufen.

Meistens lautet die Antwort darauf: Nein. Welcher Heimwerker nutzt schon täglich einen Betonmischer oder einen Parkettschleifer? Große Geräte werden oft nur ein paar Tage lang genutzt.

Tool of Time bietet 380 Geräte an

Seit 2011 gibt es „Tool of Time“ an der Ringstraße. Martin Dietberg bietet 380 Geräte an, die vermietet werden wollen. „Angefangen habe ich mit 12 Geräten. Damals noch mit Kleingeräten wie Bohrmaschinen oder Akkuschraubern.“

Inzwischen bietet der gelernte Tischler auch größere Kaliber an. Bei ihm können auch ein Minibagger oder ein Möbellift gemietet werden.

Tool of Time: Ein Schlaraffenland für Handwerker und die, die es gerne sein wollen

Tool of Time hat Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr geöffnet und an Samstagen von 8 bis 13 Uhr. © Victoria Maiwald

Kundenspektrum wird breiter

Unterstützt wird der 50-jährige Dietberg von seinem Sohn Maximilian. Der 25-Jährige soll – wenn es nach Martin Dietberg geht – den Laden irgendwann einmal übernehmen.

Zu Dietberg kommen die verschiedensten Menschen. Von Privatpersonen bis zu gelernten Handwerkern ist alles dabei. Das Kundenspektrum wird immer breiter. „Wenn die Leute Heimwerker-Sendungen sehen, wollen die das nachmachen“, meint Dietberg.

Kunden wollen nicht immer hören

Beratung darf er zwar nicht geben, aber den ein oder anderen guten Tipp hat er für seine Kunden – auch wenn die nicht immer hören wollen. „Einmal wollte ein Kunde einen Vibrationsstampfer ausleihen. Ich habe gleich gesagt, dass er zu schmal für das Gerät sei. Der hat nicht auf mich gehört, hat das Gerät ausgeliehen und stand 30 Minuten später wieder in meinem Laden. Er könne nicht damit umgehen. Jetzt weiß er, warum die Straßenbauer zwei Meter groß sind und breite Schultern haben. Für das Gerät braucht man richtig viel Kraft.“

Die meisten seiner Geräte hat Dietberg ersteigert. „Ich bin voll süchtig nach Versteigerungen, bestimmt 60 bis 70 Prozent der Geräte hier habe ich bei Auktionen ersteigert.“ Dietberg hat Spaß daran, Schnäppchen bei Industrie- oder Insolvenzversteigerungen zu ergattern.

Tool of Time: Ein Schlaraffenland für Handwerker und die, die es gerne sein wollen

Martin Dietberg behält den Überblick, auch wenn andere sein Ordnungssystem nicht ganz verstehen. © Victoria Maiwald

Alte Geräte werden versteigert

Auch für das kleine Büro im hinteren Bereich des Geschäfts hat er Technik und Einrichtung ersteigert. „Alle Computer habe ich für wenig Geld ersteigert und die kleine Küche hier mit Herd und Kühlschrank hat nur 26 Euro gekostet.“

Er selbst verkauft auch Geräte. Wenn seine Maschinen zu alt werden oder kaputt gehen und nicht mehr repariert werden können, werden sie versteigert.

Oder wenn die Geräte bei den Kunden nicht gut ankommen und nicht gemietet werden. „Wenn ich neue Geräte kaufe, bleiben die ein Jahr im Laden. Laufen sie nicht gut oder wird es hier zu voll, versteigere ich sie wieder.“

Alles ist voller Maschinen

Voll ist es wirklich. Die kleine Ladenfläche vorne ist voller schwerer Maschinen, auch das angrenzende Lager ist vollgepackt mit Gerätschaften. Und auf dem Hof hinter dem Gebäude geht es weiter. „Wir sind gerade dabei, alles etwas schöner zu machen hier auf dem Hof“, sagt Dietberg. Und die Ladenfläche soll auch erweitert werden.

Als Martin Dietberg mit dem Geschäft angefangen hat, konnte er sich nicht vorstellen, dass es mal so gut laufen würde. Aber die Nachfrage ist da. „Ich habe mir gedacht, ‚probierste es einfach mal aus‘ und habe dann groß Werbung gemacht.“ Dann kamen nach und nach immer mehr Kunden.

Tool of Time: Ein Schlaraffenland für Handwerker und die, die es gerne sein wollen

Wenn mal was nicht funktioniert, repariert Martin Dietberg die Geräte selbst. © Victoria Maiwald

Tool-of-Time-Chef macht alles selbst

Das ist für Dietberg das Wichtigste: der Kontakt zu den Kunden. „Wir haben sehr nette Kunden, es macht immer Spaß mit ihnen.“ Toll sei es auch, die Projekte der Menschen begleiten zu können. „Wenn die Kunden uns an den Projekten teilhaben lassen, können die auch richtig Geld sparen. Wenn sie uns Fotos oder Videos zu Verfügung stellen, wie sie mit unseren Geräten etwas geschafft haben, können sie 20 Prozent sparen.“

Damit sich Martin und Maximilian Dietberg damit auskennen, was sie vermieten, besuchen sie regelmäßig Schulungen der Hersteller. Und das klappt. Martin Dietberg macht alles, was anfällt, alleine. Es müsste schon etwas Gravierendes passieren, dass Dietberg einen Handwerker rufen würde.

Stimme von Bruce Willis für Tool of Time

Ein besonderes Highlight für Martin Dietberg ist das erste Werbevideo für Tool of Time. „Für das Video habe erst ich den Text eingesprochen. Das wollte ich den Kunden dann aber nicht antun, das hat sich fürchterlich angehört.“

Und so hat sich Dietberg vorgenommen, eine ganz besondere Stimme dafür zu engagieren.

„Ich wollte die Stimme von Bruce Willis. Alle meinten, ich würde nicht mehr sauber ticken.“ Dietberg hat in Berlin bei der Agentur, die den Bruce-Willis- Synchronsprecher vertritt, angerufen und angefragt. Einige Tage später hat Synchronsprecher Manfred Lehmann zurückgerufen. „Das war echt irre!“ Günstig war es nicht, aber jetzt hat Dietberg ein Werbevideo mit der deutschen Stimme von Bruce Willis. Und das kommt echt gut an.

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