Trockenheit vernichtet Castrop-Rauxels Bäume – 50 Buchen werden gefällt

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Die Sommer in den vergangenen zwei Jahren waren so trocken wie noch nie. Darunter leidet vor allem die Natur. Jetzt müssen 50 sehr alte Bäume im Wald in Bladenhorst gefällt werden.

von Sophie Conrad

Bladenhorst

, 05.10.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die ersten Bäume liegen am Boden. 120 Jahre alte Buchen werden von kreischenden Sägen erfasst – kein schönes Bild für einen Naturfreund. Der Hintergrund ist aber ein Anderer: Diese Bäume werden nicht brutal zerstört, sondern sind schon lange tot. Diese Bäume können nicht mehr gerettet werden und müssen gefällt werden.

Der Sturm „Ela“ im Jahr 2014 hat große Schäden im Waldstück Bladenhorst angerichtet. Seitdem ist der Regionalverband Ruhr Grün mit dessen Aufarbeitung und den Bekämpfungen der Folgeschäden beschäftigt.

Entwicklung und Klimawandel: „Wir reagieren nur noch, wir handeln nicht mehr“

Das Hauptproblem stellt aber die zunehmende Trockenheit und Intensität der Dürre dar, wie Revierleiter Matthias Klar des RVR Grün erklärt. Hinzu kommt der starke Schädlingsbefall, der durch den Klimawandel weiter verstärkt wird. „Insgesamt leiden hier 60 bis 70 Hektar Wald“, so der Revierleiter. Er sagt: „Wir reagieren nur noch, wir handeln nicht mehr.“

50 Altbuchen müssen insgesamt wegen Trockenheit und Verkehrssicherheit gefällt werden.

50 Altbuchen müssen insgesamt wegen Trockenheit und Verkehrssicherheit gefällt werden. © Sophie Conrad

In Bladenhorst ist die Fällung von rund 50 Altbuchen notwendig, da sie die Verkehrssicherheit gefährden. „Normalerweise würden wir die Bäume nicht entfernen, außer es ist notwendig“, erklärt Förster Matthias Klar.

Schwere Äste brechen auch ohne Wind ab

Bei den betroffenen Bäumen handelt es sich um tote Altbuchen, die bereits lange vertrocknet sind. Die Verkehrssicherheit ist hier gefährdet, weil sich umliegend viele Wanderwege und Bänke befinden. „Die Altbuchen sind oftmals so vertrocknet, dass selbst schwere Äste ohne Wind herunterstürzen“, teilt RVR Förster Oliver Gremme mit. Nachhaltig ist die Fällung trotzdem: Das Holz der Altbuchen soll als Brennholz bei Privathaushalten enden.

Bäume, die gefällt werden, sind gekennzeichnet. Wie bei diesem Baum, ist die Verkehrssicherheit gefährdet, aufgrund einer Bank im Hintergrund.

Bäume, die gefällt werden, sind gekennzeichnet. Wie bei diesem Baum, ist die Verkehrssicherheit gefährdet, aufgrund einer Bank im Hintergrund. © Sophie Conrad

Wer möchte, kann zu gegebenen Zeitpunkt das Brennholz selbst zersägen und abholen. Nähere Informationen dazu gibt es beim RVR Grün.

Aufforstung am Westring im kommenden Winter

Eine Erholung der vertrockneten Altbuchen ist nicht mehr möglich. Für den Ausgleich der gefällten Bäume ist eine Aufforstung nicht weit entfernt des Waldstücks geplant. Im Winter sollen 3,5 Hektar genutzt werden, um neue Bäume anzupflanzen.

Hier sollen zusammen mit dem „1-Millionen-Bäume-Projekt“ eines Bauhauses rund 18.000 neue Bäume wachsen. Die Erfolge sollen dann schon nach einem Jahr zu sehen sein.

Die Rolle des RVR Grün

Der RVR ist in insgesamt 93 Naturschutzgebieten aktiv. Gründe für die Fällung der Bäume sind neben Verkehrssicherheit auch Waldpflege und Struktur. Wie Matthias Klar und Oliver Gremme mitteilen, kann das Klima des Waldes nicht mehr natürlich gesteuert werden.

Mit der Zunahme des Klimawandels, müssen auch die Förster stärker eingreifen.

„Die Situation um die alten Bäume ist flächendeckend besorgniserregend und das wird auch nicht besser“, so die Förster des RVR.

Zu den Aufgaben von Oliver Gremme und Matthias Klar gehört es somit, gezielt die Waldstruktur mit jungen und alten Bäumen beizubehalten, indem sie neue Bäume pflanzen, Schädlinge bekämpfen und – wenn nötig – Baumarten wechseln oder fällen.

Die Situation um die deutsche Forstwirtschaft wird sich somit voraussichtlich nicht so schnell ändern. Laut der Förster des RVR Grün ist jede Unterstützung der Wälder notwendig.

So kann man – auch wenn man kein Förster ist – helfen: „Wer einen Baum mit leicht verwelkten Blättern vor der Tür gießt, hat schon etwas Gutes getan“.


Baum-Fällung dauert bis Mittwoch

Die Arbeiten im Waldstück in Bladenhorst werden voraussichtlich noch bis Mittwoch (7.10.) andauern. Für Jogger und Spaziergänger wird es aber zu keinen Einschränkungen kommen, wie der RVR-Grün-Revierleiter mitteilt. Die Forstarbeiten sind ausgeschildert.

Die Forstarbeiten dauern bis Mittwoch. Für Spaziergänger gibt es keine Einschränkungen.

Die Forstarbeiten dauern bis Mittwoch. Für Spaziergänger gibt es keine Einschränkungen. © Sophie Conrad

Die Förster der RVR Grün haben mitgeteilt, dass das Holz der Bäume demnächst zum Verkauf an den Bürger zur Verfügung gestellt werden soll. Nähere Informationen gibt es auf der Webseite des RVR Grün. Bei Interesse kann man sich auch unter der Rufnummer 0162-2466612 melden.
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