Alte Eiche: „Sie wollen Krieg führen gegen uns“ - Kampf geht auf der Straße weiter

hzProtestzug

Für die alte Eiche in Habinghorst gehen die Menschen jetzt auf die Straße. Allerdings weniger als 100 Personen. Eine spricht dabei von „Krieg führen“.

Castrop-Rauxel

, 29.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es wurde getrommelt, argumentiert und am Ende sogar das Steiger-Lied in einer speziell auf die alte Eiche gemünzten Text-Fassung angestimmt: Rund 60 Teilnehmer folgten dem Trommlerkorps Gut Klang vom Henrichenburger Ortskern zur alten Eiche, die einem Neubaugebiet weichen soll. Dort warteten bereits weitere 20 Bürger. Die erhofften 150 Demonstranten kamen nicht zusammen.

„Der Klimawandel macht mir Angst. Überschwemmungen und Hitzerekorde verbunden mit Dürre“, sagt Holger Steiner unter dem grünen Blätterdach der Eiche. Das verdanke sie schließlich ihrer besonderen Lage am ehemaligen Emscherflusslauf. Während andernorts die Eichen bereits vor der Hitze kapitulieren und ihre Blätter abwürfen, zehre die alte Eiche aus dem besonderen Boden, in dem sie tief verwurzelt ist.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Demonstrationszug zur alten Eiche mit Dortmunder Trommlerkorps

Der Protest kommt auf die Straße: Mit einem Demonstrationszug setzt sich der Aktionskreis und der Verein zur Rettung der alten Eiche gegen deren geplante Fällung zur Wehr.
28.07.2019
/
Die Protestler setzen sich für den Erhalt der rund 250 Jahre alten Stieleiche ein.© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Vom Ortskern zur alten Eiche marschierten rund 60 Menschen, die den 250 Jahre alten Baum erhalten wollen. Vorneweg das Trommlerkorps Gut Klang.© Christian Püls
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel
Demo-Zug zur alten Eiche samt Trommlerkorps aus Dortmund© Volker Engel

„Das Mikroklima braucht solche Flächen; Klimaschutz sollte ganz oben stehen“, so Steiner weiter, „doch der Bürgermeister und andere schalten auf stur. Sie wollen Krieg führen gegen uns.

Verein gegründet

Beschlossen sei beschlossen, heißt es. Doch Leonore Schröder will das nicht akzeptieren. Sie ist Vorsitzende eines Vereins aus bislang zwölf Menschen des Aktionskreises „Rettet die alte Eiche“, zum Zweck des Ankaufes einer Grundstücksfläche rund um den Baum, um ihn vor der Fällung zu bewahren und für Nachwelt zu erhalten. Der gleichnamige Verein wurde in der vergangenen Woche gegründet.

Aber glaubt sie wirklich, die alte Eiche retten zu können? „Das ist keine Frage des Glaubens“, entgegnet Leonore Schröder, „wir werden uns bis zur letzten Sekunde bemühen, die alte Eiche zu erhalten.“

Die letzte Sekunde könnte am 1. Oktober herunterticken. Dann sollen die ersten Rodungsarbeiten beginnen. „Es gibt viele Leute, die der Meinung sind, dass man solche Flächen nicht mehr bebauen darf“, so Leonore Schröder.

Unterschiedliche Meinungen

Und es gibt offenbar auch Menschen, die anderer Meinung sind. „Hoffentlich hauen die die Scheiß-Eiche endlich weg“, raunte ein Radfahrer seiner Begleiterin am Ortskern zu, wo sich die Eichen-Aktivisten vor dem Abmarsch gesammelt hatten. Manche sind wohl genervt vom Thema alte Eiche.

Unter dem 250 Jahre alten Baum erklärt Leonore Schröder nun: „Auf den Stadtrat setzen wir nur noch geringe Hoffnungen, aber wir wollen versuchen, den Investor zur Einsicht zu bringen.“ Der Rat würde zwar vom Klima reden, aber nicht entsprechend handeln. Dabei sei bekannt, dass das Aufforsten einer der einfachsten Wege sei, damit mehr Kohlendioxid aus der Luft geschluckt werde.

Dass es nicht leicht sei, den Investor Dreigrund Development mit Argumenten zu überzeugen, räumt Leonore Schröder ein. Der sei schließlich auf Gewinn aus. Dennoch wollen sie und ihre Mitstreiter den Erhalt der alten Eiche ermöglichen, ob das Baugebiet nun realisiert wird oder nicht. Auch eine Lösung, die nur die alte Eiche erhält, sei denkbar. Dazu bräuchte es eine Fläche, die mindestens so groß ist wie die Baumkrone.

Erschließungsstraße verlegen?

Dass die alte Eiche derzeit genau dort steht, wo die Erschließungsstraße entlangführen soll, lässt sie nicht gelten. „Es gibt mehrere alternative Pläne, aber die sind dem Investor zu teuer“, so Leonore Schröder, „die Straße zu verlegen ist kein Problem.“ Die alte Eiche wäre dann aber auf jeden Fall von einer Mauer umgeben, die rund zwei Meter hochragt. So weit müsse das Gelände nämlich aufgeschüttet werden, damit die Kanalisation Richtung Wartburgstraße funktioniere, hat Steiner zuvor ausgeführt.

Zum Abschluss der Versammlung spielt noch einmal das Trommlerkorps auf. Zur Melodie des Steigerliedes singen die Teilnehmer: „Glück auf, Glück auf. Die Eiche bleibt, denn sie bringt uns Schatten schon seit 200 Jahr.“ Es wirkt ein wenig zynisch, das Lied der Bergleute anzustimmen, die einst Kohle förderten. Jener fossile Brennstoff, der heutzutage erklärter Feind vieler Klimaaktivisten ist.

Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Vorstand im Interview

Verein Rettet die alte Eiche: „Wir würden uns gern mit dem Investor unterhalten“

Erst der Aktionskreis, jetzt auch noch ein Verein mit dem Namen „Rettet die alte Eiche“. Ein Vorstand erklärt, warum, und ob er glaubt, dass manch einer das Wort Eiche nicht mehr lesen mag. Von Tobias Weckenbrock

Lesen Sie jetzt