"Unkraut" wuchert auf dem Jüdischen Friedhof

Aufwendige Pflege

Der Jüdische Friedhof in Castrop-Rauxel soll unter Unkrautbefall leiden, so ein Anwohner. Gelder zur Pflege des Friedhofs müssten der Stadt eigentlich von Land und Bund gestellt werden. Der Leiter des Amtes Stadtgrün und Friedhofswesen hält die Pflege zurzeit für schwierig.

CASTROP-RAUXEL

, 12.08.2015, 06:28 Uhr / Lesedauer: 1 min
Seit 1939 hat auf dem Jüdischen Friedhof in Castrop-Rauxel keine Bestattung mehr stattgefunden. Gepflegt werden sollte der Friedhof trotzdem, findet Gisbert Baranski.

Seit 1939 hat auf dem Jüdischen Friedhof in Castrop-Rauxel keine Bestattung mehr stattgefunden. Gepflegt werden sollte der Friedhof trotzdem, findet Gisbert Baranski.

Der Jüdische Friedhof an der Oberen Münsterstraße soll sich in einem desolaten Zustand befinden. Das erklärte Gisbert Baranski, der in direkter Nachbarschaft des Friedhofes wohnt, jetzt gegenüber unserer Redaktion. Als Beleg legte er uns ein Foto vor, auf dem vermeintlich Unkraut wuchert. Bei dem „Unkraut“, so schätzt es Klaus Breuer, Leiter des Amtes Stadtgrün und Friedhofswesen, könnte es sich um Pappelsprösslinge handeln.

Triebe der Pappel sind hartnäckig

Nach dem Pfingststurm „Ela“ hätten auch auf dem jüdischen Friedhof Bäume gefällt werden müssen. Pappeln eben. Die Triebe der Pappel seien jedoch hartnäckig. Und gerade bei der aktuellen Wetterlage würden diese wie wild wachsen. „Wir können nicht jede Wurzel ausgraben“, sagte Breuer im Gespräch.

Gelder zur Pflege des Friedhofs müssten da sein

Baranski ist der Ansicht, dass die Stadt vom Land NRW und vom Bund „jährlich einen Pauschalbetrag in angemessener Höhe“ erhalte, um den Friedhof zu pflegen. „Wie ein jüdischer Friedhof auszusehen hat, ist in einer Vereinbarung zwischen der Jüdischen Gemeinde in Köln und den Landesverbänden Rheinland und Westfalen-Lippe vor einigen Jahren vereinbart worden“, schreibt Baranski.

„Natürlich kümmern wir uns“

Diese Vereinbarung habe noch immer bindenden Charakter. „Der Stadt dürfte diese Vereinbarung bekannt sein“, so Baranski weiter. „Wir halten den Friedhof in Schuss, natürlich kümmern wir uns“, sagt Breuer. Auch stehe die Stadt in ständigem Austausch mit der Jüdischen Gemeinde in Dortmund. Aktuell sei jedoch „wüchsiges Wetter“, wie Breuer erklärt. Die Wärme, immer wieder Regen. Die Folge: „Es wächst alles wie verrückt“, so der Leiter des Amtes für Stadtgrün und Friedhofswesen.

Letzte Bestattung im Jahr 1939

Baranski findet es trotz allem bedauerlich, dass der Friedhof aktuell kein repräsentatives Bild abgebe. Er betont die kulturhistorische Bedeutung des Friedhofes, auf dem 1939 zum letzten Mal eine Bestattung stattgefunden hat.

Info zur Pflegepauschale
Auf der Homepage der Bezirksregierung Münster wird erklärt, wie sich die Pflegepauschale für Jüdische Friedhöfe zusammensetzt.

Demnach würde die Pflege mit 1,05 Euro pro Quadratmeter Betreuungsfläche gefördert.
Rechnet man mit einer Größe von rund 1200 Quadratmetern, würde die Pflege eines Jüdischen Friedhofes mit knapp 1300 Euro im Jahr gefördert.

 

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