Wie verhalte ich mich richtig, wenn ich einem Menschen in Not helfen möchte?

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Wenn Menschen in Not sind, braucht es andere Menschen, die Zivilcourage zeigen. Doch wie verhalte ich mich richtig? Die Polizei gibt Tipps.

Castrop-Rauxel

, 07.06.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Kutlay A. in der Nacht auf den 1. Mai zwei jungen Frauen in einer Notsituation geholfen hat, hat ihm nun selbst eine Anzeige eingebrockt - wegen Körperverletzung. Über die Vorladung als Beschuldigter kann er nur den Kopf schütteln. Er sagt: „Dass ich Zivilcourage gezeigt habe, wird mir nun zum Verhängnis.“ Ist das so?

„Grundsätzlich ist es gut, wenn Leute Zivilcourage zeigen und nicht weggucken“, so Polizeisprecherin Ramona Hörst. Dass der Festgehaltene in so einem Fall Gegenanzeige erstatte, sei keine Seltenheit und bedeute für Kutlay A. noch gar nichts. Denn ob Anklage erhoben wird, muss die Staatsanwaltschaft nach Abschluss der Ermittlungen entscheiden.

Was rät die Polizei?

Doch wie verhalte ich mich richtig, wenn ich jemandem in einer Notlage helfen möchte? „Auf jeden Fall sollte man erst mal die 110 anrufen, damit die Kollegen sich schnell auf den Weg machen können“, sagt Ramona Hörst. Bei dem Anruf sei es wichtig, schon so viele Informationen wie möglich durchzugeben. Was ist passiert? Wie ist die Situation jetzt? Wer sind die Beteiligten und können sie beschrieben werden?

Der Helfer hat dann auch die Möglichkeit des Festnahmerechts. Das besagt, dass man, wenn man jemanden bei einer Straftat beobachtet und auf frischer Tat ertappt, festhalten darf, bis die Polizei kommt.

In der Strafprozessordnung heißt es dazu: „Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Identität nicht sofort festgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterliche Anordnung vorläufig festzunehmen.“

Nothilfe oder Notwehr?

Außerdem gibt es noch die Begriffe Nothilfe und Notwehr: Wer sich selbst in Not befindet oder anderen zur Hilfe kommt, die in Not sind, handelt unter Umständen in Nothilfe oder Notwehr. Eine Notwehrlage liegt bei einem gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriff auf ein rechtlich geschütztes Interesse vor. Wer also gewalttätig angegriffen wird, darf sich wehren. Allerdings dürfen dabei gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Die Notwehrhandlung darf ausgeführt werden, wenn sie objektiv erforderlich und

normativ geboten ist, um den Angriff abzuwehren.

Allerdings rät die Polizei dazu, immer abzuwägen, ob man sich durch das Eingreifen in die Situation selbst in Gefahr begibt. Ein Pauschalrezept auszustellen sei schwierig, weil jede Situation individuell zu bewerten sei. „Man sollte sich aber möglichst nicht selbst auch noch in Gefahr bringen“, so Hörst.

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