Verkaufsverbot wegen Coronavirus: Ickerner Geschäftsmann spricht von „echter Katastrophe“

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Volker Anderl verkauft und repariert Räder. Verkaufen darf er ab Donnerstag nicht mehr. Nur noch reparieren. „Eine Katastrophe“, wie er kommentiert. Denn eigentlich startet gerade die Saison.

Ickern

, 18.03.2020, 17:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Volker Anderl schwankt zwischen Galgenhumor und Katastrophenstimmung, zwischen Schicksalsergebenheit und Existenzangst. Damit ist der Zweiradhändler aus Ickern gerade ein Paradebeispiel für den lokalen Einzelhandel.

Mit seinem Ladengeschäft sowie der Werkstatt an der Emscherstraße 8 ist Anderl als Spezialist für Fahrräder generell und für den boomenden Markt der E-Bikes eine echte Institution in der Stadt.

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Und damit wäre eigentlich alles gut, zumal gerade der Saisonstart ansteht und Volker Anderl und sein Team den Laden und das Lager voll haben mit den Neuheiten der Rad-Saison und zum Frühlingsbeginn nun mal das richtige Geschäft gemacht werden kann und muss.

„Es gibt ja keine Erfahrungswerte“

Und dann kommt das Coronavirus dazwischen. „Das ist, ich kann dafür eigentlich keinen anderen Begriff finden, schon eine echte Katastrophe“, kommentiert der Zweiradfachmann die Situation, die sein Geschäft gerade überrollt.

Wie überall war auch an der Emscherstraße in den vergangenen Tagen lange nicht klar, ob und was das Coronavirus für das Geschäft bedeuten würde. „Wir haben uns natürlich schon unsere Gedanken gemacht und die Situation besprochen“, aber da gibt es ja keine Erfahrungswerte“, so Anderl.

Und dann kommt aus Düsseldorf am Dienstagabend (17. März) die furchtbare Nachricht, die von der Stadt jetzt umgesetzt werden muss: Alle Einzelhandelsläden, die nicht der unmittelbaren Aufrechterhaltung des Lebens dienen, müssen geschlossen werden. „Rajko Kravanja war heute morgen noch hier bei uns und hat uns das selber begründet“, erzählt Volker Anderl. Schließlich ist Kravanja Ickerner.

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„Ich kann das ja auch alles verstehen“, betont Anderl. Trotzdem sei die Lage jetzt für ihn und sein Geschäft ernst. „Aber noch nicht hoffnungslos.“

Der Verkauf muss also eingestellt werden im Laden in Ickern, in der Werkstatt aber darf weiter gearbeitet werden. Denn „Dienstleiter und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiter nachgehen“, heißt es im Landes-Erlass vom 17. März. „Unsere Werkstatt bleibt also weiter geöffnet, wer uns sein Rad bringt, wird hier also bedient“, unterstreicht der Geschäftsmann.

„Und dann gibt es die restlichen Idioten“

Auch dabei werde man natürlich auf die nötigen Hygiene-Vorschriften achten. Soll heißen: Man hat eine Sperre eingebaut, an der die Kunden die Reparatur-Zettel selbst ausfüllen müssen. „Und die Kulis tauschen wir immer aus und desinfizieren die und tragen bei der Arbeit an den Rädern Gummihandschuhe“, beschreibt Volker Anderl die Abläufe.

95 Prozent der Kunden zögen dabei auch tadellos mit. „Und dann gibt es die restlichen Idioten“, nimmt Anderl kein Blatt vor dem Mund, um die Menschen zu beschreiben, die spätestens in diesen Tagen jeder kennenlernt.

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