Verkehrschaos vor den Schulen: Wer Elterntaxi fährt, ist nur zu faul zum Laufen

hzKlare Kante

Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sind zum echten Problem geworden. Argumente haben sie in der Regel nicht, nur Ausreden. Und sie sind einfach faul, glaubt unser Autor.

Castrop-Rauxel

, 05.02.2020, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

42 Kindertagesstätten, 10 Grundschulen, 3 Förderschulen, 7 Standorte weiterführender Schulen. Dazu Musikschulen, Tanzschulen, Sportvereine, Fußballplätze, Nachhilfeinstitute. Und alle kämpfen mit dem gleichen Problem: Mütter und Väter meinen heute, ihre lieben Kleinen mit dem Auto möglichst bis hinter die erste abschließbare Tür fahren zu müssen.

Verkehrschaos vor der Marktschule in Ickern oder vor der Waldschule in Rauxel, Parkchaos an der Lunastraße rund um das Ernst-Barlach-Gymnasium, Klagen über eine Elterntaxi-Flut vor der Elisabethschule und über viel zu viele parkende Autos vor allen möglichen Kitas: Die Berichte über ein zu viel an Autos vor allen Einrichtungen, die von Kindern besucht werden, ist inzwischen Legende.

Alle Ermahnungen und Bitten fruchten nicht

Da können die Schulen noch so viel Werbung fürs Zu-Fuß-gehen machen, kann die Stadt noch so viele Elternhaltestellen in sicherer Entfernung zu den Grundschulen einrichten, kann die Polizei noch so sehr warnen und ermahnen und zur Kasse bitten: Eltern beharren unbelehrbar darauf, die kleine Mila oder Lina und den süßen Ben oder Milan nun mal mit dem Auto bringen zu müssen.

Am Rande bemerkt: Mit den genannten Vornamen möchten wir dabei kein Kind stigmatisieren, wir haben einfach die häufigst gewählten Castrop-Rauxeler Vornamen des Jahres 2019 gewählt.

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Natürlich haben alle Mütter, alle Väter, Omas, Opas, Patentanten und -onkel, Kindermädchen und andere Chauffeure einen ganz wichtigen und komplett verständlichen Grund, ausgerechnet ihr Schätzchen mit dem schon sprichwörtlichen SUV, aber auch mit dem Kleinwagen, Bulli oder Sportwagen zur Schule zu bringen und vom Tanzunterricht abzuholen. Wenn man dann im absoluten Halteverbot erwischt wird, wird das auch erklärt: „Ist doch nur dieses eine Mal“, „War doch nur ganz kurz“, „Ich störe hier doch gerade wirklich niemanden“.

Da kann die Polizei, wie jüngst wieder die Polizei Dortmund, auf Facebook noch so eindringlich vor Elterntaxi-Fahrten warnen, auf die Gefahren hinweisen, die die vielen Autos für die kleinen Menschen bedeuten und darauf hinweisen, dass Kinder üben müssen, im Verkehr klar zu kommen: „Drauf gesch...“, scheinen sich die Eltern zu denken. Und kommen wieder mit dem Auto.

Wenn dann schließlich gar kein Argument mehr zieht, wenn alle noch so wüsten Ausreden verbraucht sind, wenn die eigene Glaubwürdigkeit endgültig erschüttert ist, dann kommt garantiert der Totschlag-Hinweis: „Ich bin ehrlich und würde meine Tochter von zu Hause nicht allein zur Schule laufen lassen, da bei uns in der Ecke in letzter Zeit viele blöde Sachen passiert sind.“

Dubiose Männer, Kiffer im Park, weiße Transporter, „der Neffe von meiner Nachbarin hat neulich noch mit jemandem gesprochen, der da auch schlimme Erfahrungen gemacht hat“: Teilweise bizarre Ängste und Verdächtigungen werden dann hervor gekramt.

Begleitdienst oder in der Gruppe laufen

Mit der Realität haben sie alle kaum etwas zu tun. Natürlich gibt es böse Menschen, natürlich mag man es sich gar nicht ausdenken, wenn das eigene Kind oder die Enkelin zum Opfer würde. Hölle. Aber jetzt mal ganz ehrlich: Muss man deshalb das Auto aus der Garage holen? Es gibt natürlich Kinder, die weit vom Schuss wohnen, wo das Auto die einzige Möglichkeit ist.

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Aber sind viele Menschen nicht auch einfach zu faul und zu bequem, mit ihren Kindern zur Schule zu laufen? Oder einen abwechselnden Begleitdienst mit anderen Eltern zu organisieren? Oder große Gruppen von Kindern zu bilden, die gemeinsam laufen und sich so gegenseitig schützen?

Also, liebe Eltern: Lasst den Helikopter stehen oder verabschiedet Euch von der Bequemlichkeit und bringt Eure Kinder gefälligst zu Fuß zur Schule/zur Kita/zum Fußballplatz. Euren Pfunden wird es auch noch gut tun.

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