Viele Jugendliche suchen in Castrop-Rauxel noch eine Ausbildungsstelle

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Am 1. August oder am 1. September beginnen viele junge Menschen ihre Ausbildung. Normalerweise. Doch Corona hat den Ausbildungsmarkt durcheinandergewirbelt. Das hat Vor- und Nachteile.

Castrop-Rauxel

, 02.09.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sah schlecht aus. Als die Coronakrise im Frühjahr die Unternehmen fest im Griff hatte, dachten viele nicht mehr an Ausbildung. Es wurden weniger Stellen gemeldet. Eine Folge: Zum traditionellen Ausbildungsstart am 1. August und dann noch zum zweiten Termin am 1. September starteten weniger junge Menschen ins Berufsleben als gewohnt. 991 Jugendliche im Kreis Recklinghausen suchen aktuell noch einen Ausbildungsplatz.

„Normalerweise wären alle Jugendlichen jetzt versorgt“, sagt Cordula Cebulla, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Recklinghausen. „Es hat sich alles um zwei Monate verschoben.“ Betriebe hätten einfach keine Luft gehabt, über Ausbildungsstellen nachzudenken. Vorstellungsgespräche seien ausgefallen. Und es fehlten Ausbildungsmessen und ähnliche Veranstaltungen, wo Arbeitgeber und Auszubildende sich begegnen. Das hatte zur Folge, dass auch vorhandene Stellen keine Interessenten fanden.

Cordula Cebulla geht davon aus, dass Ausbildungen noch bis zum Ende des Jahres begonnen werden können. „Die Bewerber-Stellen-Relation hat sich im Verlauf des Jahres deutlich verbessert und aktuell stehen jedem noch suchenden Jugendlichen doppelt so viele Stellen zur Verfügung wie zu Beginn des Berichtsjahres.“

Inzwischen kommt auf einen Bewerber eine Ausbildungsstelle

Im Schnitt kommt im Kreis Recklinghausen und auch in Castrop-Rauxel inzwischen ein Bewerber auf eine Ausbildungsstelle. Insgesamt, so Cebullas Prognose, werde die Coronakrise dem Ausbildungsmarkt keine Langzeitfolgen bescheren.

Am 1. September gab es aktuelle Zahlen. Demnach wurden im Ausbildungsjahr 2019/2020 in Castrop-Rauxel 303 Ausbildungsstellen gemeldet, zwölf weniger als im Corona-freien Berichtsjahr davor. „Das zeigt, dass die Betriebe im Gros an Ausbildung festhalten oder sogar darauf setzen,“ so die Pressesprecherin. Corona wird irgendwann gehen, der Fachkräftemangel aber bleibt. Es sind allerdings auch noch 141 Stellen unbesetzt, immerhin 41 mehr als im Vergleichszeitraum.

Auf der anderen Seite gibt es aktuell 137 Bewerber (16 mehr als im Vorjahr), die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Insgesamt 571 (-19) hatten sich beworben. Cordula Cebulla richtet einen „Appell an die, die noch suchen, die Flinte nicht ins Korn zu werfen, sondern sich weiter mit der Berufswahl auseinanderzusetzen.“ Als positiv bezeichnet sie, dass in diesem Jahr ein Ausbildungsstart so lange möglich sein wird wie sonst nie.

Start in den Beruf sollte nicht verschoben werden

Das sollten junge Menschen nutzen und nicht Pläne einfach verschieben, rät sie: „2021 wird sich die Situation verschärfen.“ Sie erwartet, dass manche Jugendliche, die wegen der ausgefallenen Schulzeit in diesem Jahr schlechtere Abschlüsse erzielen, es im kommenden Jahr schwerer haben werden, gegen die Konkurrenz zu bestehen. Wer jetzt noch später im Jahr beginnt, kann zum Beispiel ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur in Anspruch nehmen.

Freie Ausbildungsstellen gibt es in vielen Bereichen in der Industrie und im Handwerk. Einzelhandelskaufleute, Kaufleute für Büromanagement, im Handwerk der Bereich Elektronik, Maler und Lackierer, Anlagemechaniker im Bereich Sanitär, Heizung, Klima oder auch zahnmedizinische Fachangestellte nennt Cordula Cebulla.

Beruf des Bäckers und Fleischers wird für Jugendliche interessanter

Auch das Lebensmittelhandwerk hat freie Stellen. Die Berufe des Bäckers und Metzgers waren in der Vergangenheit nicht sehr beliebt bei Jugendlichen. In der Coronakrise, so erläutert es die Pressesprecherin der Arbeitsagentur, sind die Menschen viel mehr zu Hause. Die Qualität des Essens habe an Bedeutung gewonnen.

Die Arbeitsagentur bemerke eine größere Bereitschaft der Jugendlichen, über solche Berufe zu sprechen. Auch Eltern stünden dem Handwerk aufgeschlossener gegenüber. „Im Handwerk gibt es volle Auftragsbücher. Es hat sich als nicht so Krisen-abhängig gezeigt.“

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